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Kraft: „Habe immer bis zum Schluss durchhalten können“

Stefan Kraft kehrt am Donnerstag als Weltcup-Leader zum Skifliegen auf den Kulm zurück. Der 26-jährige Salzburger hat in Sapporo das Gelbe Trikot übernommen und hofft bei der Generalprobe für die Skiflug-WM in Planica (19.-22.3.) auf ein Top-Resultat. Kraft äußerte sich im APA-Interview u.a. über seine bisher starke Saison und seinen bisher unerfüllten Wunsch eines Heimsieges in Österreich.

APA: Gratulation zur bisher starken Saison. Ist die Freude, im Gelben Trikot zum Heim-Skifliegen zu kommen, schon groß?

Stefan Kraft: „Es ist immer was Besonderes, als Letzter oben zu stehen. Wenn du das Gelbe Trikot in der Kabine siehst, da kribbelt es gleich noch einmal anders. Und Kulm sowieso: Jetzt haben wir doch ein Jahr Pause gehabt, da freut man sich riesig drauf. Sonst war es doch immer gleich nach der Tournee, da ist es nicht ganz so besonders. Jetzt haben wir ein paar andere Stationen gehabt und Bischofshofen (6.1.) ist schon wieder eine Zeit her. Da freut man sich, wenn es noch einmal heimgeht.“

APA: Sie sind ja immer noch Skiflug-Weltrekordhalter. Ist das auch eine besondere Verpflichtung für Sie, etwas Gutes abzuliefern?

Kraft: „Skifliegen das erste Mal ist immer spannend. Wie ist deine Skiflug-Form? Wie ist das Material darauf abgestimmt? Es ist auf jeden Fall immer schön, wenn du in einer guten Form zum Skifliegen kommst. Immer wenn Aufwind war, bin ich sehr gut zurechtgekommen. Das ist ein gutes Zeichen. Ich bin schon sehr optimistisch, dass es ganz gut klappen wird.“

APA: Es war ja vor der Saison ein großes Ziel von Ihnen, endlich einen Heimsieg zu schaffen. Der Kulm bietet noch zweimal die Chance nach zwei vierten Plätzen bei der Tournee.

Kraft: „Schön, dass wir heuer vier Chancen haben. Aber da muss so viel zusammenpassen, da musst du Glück haben, die anderen sind auch sehr stark. Ich werde mich perfekt vorbereiten, bin körperlich jetzt wieder sehr gut drauf. Das mit meinem Kreuz, Gesäß fühlt sich seit Samstag, Sonntag wieder richtig gut an. Ich hoffe, dass das so bleibt, dann bin ich sicher in der Lage, wieder vorne mitzuspringen.“

APA: Sie haben den Gesamt-Weltcup ja schon einmal gewonnen, waren im Vorjahr Zweiter. Fühlt sich diese Saison im Vergleich dazu anders an?

Kraft: „Ich bin heuer schon so gut reingestartet wie noch nie. Am Anfang war es im Vergleich zu den anderen Saisonen schon viel besser. Das war ein großes Ziel, womit ich aber überhaupt nicht gerechnet habe, nach meiner Vorbereitung, weil es da springerisch gar nicht hingehaut hat. Der Sommer war schon so gut wie nie, da habe ich gut arbeiten können. Wenn es einmal läuft und ich es einmal heraußen habe, habe ich es dann immer bis zum Schluss durchhalten können. Deswegen bin ich sehr optimistisch, dass es noch gut weiterläuft.“

APA: Ist der Kulm eine Generalprobe für die Skiflug-WM in Planica oder kann man das nicht so sehen, weil dazwischen auf kleineren Schanzen gesprungen wird?

Kraft: „Es ist schon wichtig. Das Skifliegen ist dann doch auf allen Schanzen sehr ähnlich. Man muss schauen, wo man steht oder ob man noch was machen muss nach dem Kulm. Es ist sicher eine Generalprobe. Es mischt sich dann doch immer wieder ein bisserl durch, weil manche einfach besser fliegen können.“

APA: Was sagen Sie zum Siegeslauf von Chiara Hölzl und auch der gesamten Damen-Mannschaft?

Kraft: „Die meisten trainieren ja auch mit uns in Rif. Bei der Chiara habe ich immer schon gesagt, die ist körperlich topfit beieinander. Wenn man die in Rif beim Training sieht: die weiß, was sie will, die ist immer schon technisch sehr gut gesprungen. Sie hat es halt in den letzten Jahren im Wettkampf noch nie so rübergebracht. Heuer ist der Knopf aufgegangen und jetzt geht es dahin. Wenn man mannschaftlich weiß, man ist gut drauf, man ist vom Material her perfekt aufgestellt und hat gut trainiert und die Stimmung ist gut, dann wird Skispringen immer einfacher.“

APA: Können sich erstmals die Herren von den Damen etwas abschauen, vielleicht auch was den Teamspirit betrifft?

Kraft: „Wir haben so eine Gaude unterwegs. Wir haben jetzt zweimal so lange Touren gemacht, wo wir von Kuusamo direkt nach Nischnij geflogen sind und zwei Wochen unterwegs waren. Und jetzt wieder von Zakopane direkt nach Sapporo. Dann fahren wir heim und jeder sagt, von mir aus könnten wir jetzt gleich nach Willingen auch fahren. Wir verstehen uns alle sehr gut. Es ist ein gutes Miteinander, die Stimmung ist sehr gut, aber die Dichte ist halt sehr hoch. Ein kleiner Fehler und du bist nicht im zweiten Durchgang und das ist, glaube ich, bei den Mädels schon noch anders. Da springen 20 richtig gut, aber dann ist schon noch ein Loch.“

APA: Die Anlauflängen werden immer kürzer: Man stößt an den Schanzen an die Grenzen. Muss man im Reglement etwas ändern, damit man wieder mehr Anlauf braucht?

Kraft: „Das ist eine gute Frage. In Titisee-Neustadt wie es bei mir heuer war, da sind sie aus Luke vier gefahren. Dann wollten sie den Balken vor mir auf 3 geben, aber da haben sie ihn nicht reingekriegt, weil da noch nie wer weggefahren ist. Es geht immer weiter runter. In Sapporo sind wir schon Luke zwei oder drei gefahren, bei der 1 kannst dich gar nicht mehr anziehen. Es ist schon überall brutal weit unten. Die Anzüge werden immer schneller, die neuen Stoffe haben einen km/h im Anlauf gebracht im Vergleich zu vor zwei, drei Jahren. Damit wirst du auch in der Luft schneller.“

APA: Stimmt es, dass die ÖSV-Damen im Vergleich zu anderen Nationen in Sachen Anzug Vorteile haben?

Kraft: „Das sehe ich nicht so. Wenn man die Deutschen oder Maren Lundby gesehen hat, da sind unsere eher hinten nachgehupft. Sie haben da einfach einen Schritt gemacht und aufgeholt, aber sicher nichts Besseres als die anderen.“

APA: Das Coronavirus ist derzeit großes Thema. Habt ihr euch darüber Gedanken gemacht?

Kraft: „Mah, wir passen sowieso beim Fliegen schon seit Jahren auf. Da haben wir auch dazugelernt. Jeder hat sein Desinfektionsmittel in der Hosentasche, man schaut beim Ein- und Aussteigen, dass man immer desinfiziert, viel Händewaschen. Dann haben sie gesagt, wir sollen einen Mundschutz rauftun, das haben wir dann auch, in Tokio am Flughafen kurz oben gehabt. Aber wir sind draufgekommen, dass das eigentlich total unbequem ist und haben ihn runtergetan. Ich hätte mir keine Sorgen gemacht.“