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Türkei und Österreich vertiefen Handels-, Migrations- und Sicherheitsbeziehungen bei Stockers Ankara-Besuch

Von Redaktion 5 Min. Lesezeit 0 Kommentare
Türkei und Österreich vertiefen Handels-, Migrations- und Sicherheitsbeziehungen bei Stockers Ankara-Besuch

Österreich will die Beziehungen zur Türkei ausbauen, da Handel, Migration und regionale Sicherheit für Wien stärker in den Fokus rücken. Der Besuch von Kanzler Christian Stocker in Ankara zeigte, wo diese Partnerschaft praktische Vorteile bringen kann, von neuen Geschäftschancen bis zu engerer Abstimmung bei Migration und Verkehr. Für die österreichische Politik stellt sich zunehmend die Frage, was Wien von stärkerem Engagement mit Ankara hat.

Wirtschaftliche Chancen

Die klarste Chance liegt im Handel. Der bilaterale Austausch erreichte fast 4,3 Milliarden Euro im Jahr 2025, und beide Länder wollen diese Zahl erhöhen. Rund 1.000 österreichische Unternehmen sind in der Türkei aktiv, während österreichische Investitionen dort zwischen 2005 und 2025 11,2 Milliarden Dollar erreichten. Diese Zahlen geben Wien ein erhebliches Interesse an stabilen Beziehungen. Erdogan nannte grüne Energie, kritische Rohstoffe, Hochtechnologie, Verkehr und Verteidigung als Bereiche mit Potenzial für zusätzliche Zusammenarbeit.

Besonders relevant könnte der Verkehr sein. Erdogan will, dass Österreich und die Türkei den Mittleren Korridor stärken, die Handelsroute, die Europa über die Türkei mit Asien verbindet. Stocker verwies ebenfalls auf Chancen bei grenzüberschreitenden Bahnverbindungen. Auch der Tourismus ist eine Verbindung, 563.035 Österreicherinnen und Österreicher besuchten die Türkei im Jahr 2025. Wachstum bei Handel, Investitionen und Verkehr könnte daher in Österreich breitere wirtschaftliche Entwicklungen anstoßen.

Migration und Sicherheit

Engere Beziehungen verschaffen Österreich einen Partner bei einem seiner politisch sensibelsten Themen. Stocker bezeichnete die Türkei als Schlüsselland für Österreich und die EU in den Bereichen Migration und Sicherheit. Wien arbeitet bereits mit Ankara gegen irreguläre Migration, Menschenhandel und organisierte Kriminalität. Stocker will eine engere Abstimmung bei der Rückführung von Staatsangehörigen aus Drittstaaten und argumentierte, dass gemeinsames Handeln nötig ist, um eine erneute Migrationskrise zu verhindern.

Die Rolle der Türkei hat besonderes Gewicht, weil sie seit über einem Jahrzehnt syrische Geflüchtete beherbergt, eine Leistung, die Stocker als anerkennenswert beschrieb. Migration bleibt in Österreich ein zentrales innenpolitisches Thema, weshalb das Engagement mit Ankara voraussichtlich große mediale Aufmerksamkeit für die österreichische Politik nach sich zieht.

Die große türkische Community in Österreich verleiht dem Thema eine innenpolitische Dimension. Stocker sagte, in Österreich lebten über 300.000 Menschen mit türkischen Wurzeln und hob ihren Beitrag zur Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft des Landes hervor. Erdogan nannte eine Zahl von über 400.000, was vermutlich auf eine andere Definition der Bevölkerungsgruppe zurückgeht.

Handel und Verteidigung

Österreich könnte von engeren wirtschaftlichen Verbindungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union profitieren. Erdogan erneuerte seinen Appell an die EU, die Zollunion mit der Türkei zu modernisieren und die Visaliberalisierung voranzubringen, da Fortschritte allen Seiten nutzen würden.

Die Verteidigung könnte einen bedeutenden politischen Wandel markieren. Lokale Medien berichteten, dass Österreich am Erwerb von Drohnen interessiert sein könnte, eine bemerkenswerte Möglichkeit angesichts der Spannungen vor einem Jahrzehnt. Das österreichische Parlament stimmte 2016 dafür, Rüstungsexporte in die Türkei zu stoppen, gefolgt von Forderungen, den Einsatz von Rotax-Motoren in türkischen Drohnen zu beschränken.

Die Türkei entwickelte später im Land hergestellte Kolbenmotoren für unbemannte Luftfahrzeuge. Jeder österreichische Schritt in Richtung türkischer Verteidigungstechnologie würde daher zeigen, wie sehr sich die Beziehungen seitdem verändert haben.

Erdogan schlug vor, die bestehende Gemeinsame Wirtschaftskommission durch einen Gemeinsamen Ausschuss für Wirtschaft und Handel zu ersetzen, dessen erste Sitzung noch vor Ende 2026 geplant ist. Für Unternehmen könnte das neue Format einen weiteren Weg eröffnen, um wirtschaftliche Verbindungen auszubauen und künftige Entwicklungen in Österreich mitzugestalten.

Regionale Einflussnahme

Die Türkei bietet Österreich mehr als Handel und Migration, sie verschafft Zugang zu einem Land mit erheblichem Einfluss in für Europa wichtigen Regionen. Stocker lobte Ankaras Bemühungen, den Russland-Ukraine-Krieg zu beenden, und würdigte ausdrücklich Erdogans persönliches Engagement. Er bezeichnete die Türkei als ein zentrales Land im Nahen Osten, dessen Stimme „Gewicht hat“, und betonte, dass Dialog und Verhandlungen entscheidend seien, um die regionale Gewalt zu verringern.

Mit Blick auf den Nahen Osten sehen wir, dass die Stimme der Türkei Gewicht hat,

Christian Stocker

Beide Regierungen unterstützen die Straße von Hormus offen zu halten und die Freiheit der Schifffahrt zu schützen. Erdogan sprach über den Wiederaufbau Syriens, humanitäre Hilfe für Gaza, eine Zweistaatenlösung im israelisch-palästinensischen Konflikt und Stabilität auf dem Westbalkan.

Stockers Besuch ging über seine Gespräche mit Erdogan hinaus. Er traf sich getrennt mit dem türkischen Parlamentspräsidenten Numan Kurtulmuş, um bilaterale und interparlamentarische Beziehungen sowie regionale und globale Entwicklungen zu erörtern. Das Treffen weitete ein Engagement aus, das Wien offenbar weiterverfolgen möchte.


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