Einige der drängendsten Technologiefragen Europas kommen am 10. und 11. September nach Wien, wenn Technology Talks Austria 2026 das MuseumsQuartier übernimmt. Rund 800 Teilnehmende treffen auf mehr als 25 internationale Sprecherinnen und Sprecher, um über KI, Quantenforschung, Gesundheit, Mobilität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu diskutieren.
Unter dem Motto [Empowering Europe:] Technological Leadership for a Resilient Future rückt die Umsetzung wissenschaftlicher Expertise in praxisnahe Anwendungen mit wirtschaftlichem Nutzen in den Fokus. Für das Land ist das Ergebnis relevant, denn mehr Unabhängigkeit in Schlüsselbereichen könnte heimische Unternehmen, öffentliche Dienstleistungen, Forschungseinrichtungen und die Bildungspolitik in Österreich beeinflussen.
Ideen erreichen den Markt
Europa verfügt über beträchtliche wissenschaftliche Expertise, doch die Umsetzung von Entdeckungen in kommerzielle Produkte bleibt eine Herausforderung. Zwölf Workshops am 10. September beleuchten verschiedene Teile dieses Prozesses. In der ersten Session am Nachmittag untersucht die Industriellenvereinigung, wie Fortschritte in der Quantenforschung zu wettbewerbsfähigen Produkten im großen Maßstab werden können.
JOANNEUM RESEARCH bringt die Automobil-, Luftfahrt- und Bahnbranche zusammen, um über zukünftige Mobilität über Branchen- und Ländergrenzen hinweg zu sprechen. AI Factory Austria konzentriert sich darauf, Unternehmen vom Aufbau der Recheninfrastruktur zu marktreifen Proofs of Concept (PoC) zu führen.
Der Wissenschaftsfonds beleuchtet die Voraussetzungen für Durchbrüche in der Grundlagenforschung. ACR und das Wirtschaftsministerium erkunden gemeinsame Testumgebungen, die KMU und Startups helfen könnten, schneller in den Markt zu kommen.
Unabhängigkeit hat Vorrang
Die Verringerung der Abhängigkeit von Systemen und Expertise aus anderen Weltregionen bildet einen weiteren Schwerpunkt des Programms. Mehrere Sessions nähern sich dem Thema Souveränität über Maßnahmen, die Regierungen und Unternehmen im eigenen Land umsetzen können.
Die öffentliche Beschaffung bietet eine große Chance, denn der öffentliche Sektor des Landes gibt jährlich rund €70 Milliarden aus. Das Innovationsministerium untersucht, wie mehr von dieser Kaufkraft neue Lösungen unterstützen könnte, und nimmt Finnland als Beispiel für strategische Beschaffung.
Deep-Tech-Unternehmen sind ein weiterer Weg zu mehr Autonomie. AWS, die TU Wien, das AIT und das ESA Phi-Lab Austria diskutieren Ausgründungen aus der Forschung und Startups in der Luft- und Raumfahrt, in der KI und bei Technologien mit zivilen und sicherheitsrelevanten Anwendungen.
Kleinere Unternehmen stehen vor eigenen Fragen zur digitalen Abhängigkeit. Mit Erfahrungen aus Schweden zeigt die Wirtschaftskammer Österreich, wie KMU moderne Systeme einführen und sich gleichzeitig mehr Wahlfreiheit über ihre digitale Infrastruktur bewahren können. Der Aufbau dieser heimischen Fähigkeiten braucht zudem Fachkräfte, was eine Verbindung zur Bildungspolitik in Österreich herstellt.
Technologie trifft öffentliches Leben
Über Industrie und Wirtschaft hinaus untersuchen mehrere Workshops, wie neue Technologien Gesundheit, Demokratie und die Gesellschaft beeinflussen könnten. Eine Session der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Siemens Healthineers, Boehringer Ingelheim und Volkshilfe widmet sich dem European Health Data Space und seinem Potenzial für datengetriebene Medizin.
Salzburg Research und Innovation Salzburg gehen mit Hospital@Home einen Schritt weiter im Gesundheitsbereich. Das Konzept verbindet Telemedizin, Fernmonitoring, KI-gestützte Frühwarnsysteme und koordinierte professionelle Betreuung, um Krankenhausbehandlungen zu Hause zu ermöglichen.
Digitaler Humanismus ist ein weiteres öffentlichkeitsnahes Thema. Das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung betrachtet, wie Algorithmen Meinungen, Entscheidungen und Macht beeinflussen, und prüft Wege, demokratische Werte und Grundrechte zu schützen.
Auch Sicherheit ist Teil des Programms, unter anderem durch einen Quanten-Workshop des Verteidigungsministeriums, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und des AIT. Statt auf Kommerzialisierung zu fokussieren, beleuchtet die Session zivile und sicherheitsrelevante Anwendungen und deren möglichen Beitrag zur europäischen Resilienz.
Wien versammelt Expertinnen und Experten
Die Wahl des MuseumsQuartiers gibt der Konferenz eine ungewohnte Kulisse für Gespräche, die sonst eher mit Laboren, Ministerien und Unternehmen verbunden sind. Besser bekannt als großes Zentrum für Kulturveranstaltungen in Österreich, bringt der Veranstaltungsort an zwei Tagen politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, Unternehmerinnen und Unternehmer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie junge Forschende zu formellen Sessions und Networking zusammen.
Technology Talks folgt auf das FFG Forum am 9. September und wird vom AIT gemeinsam mit Bundesministerien, der FFG und der Industriellenvereinigung organisiert. Wissenschaftliche Partner sind unter anderem ISTA, TU Austria, die Österreichische Akademie der Wissenschaften und weitere Organisationen.
Das reguläre Ticket kostet €250, Studierende zahlen €125. Wien ist international als Kulturstadt anerkannt, das Treffen gibt der Hauptstadt eine weitere Rolle als Treffpunkt für die Menschen, die die technologische Zukunft des Landes prägen.
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