Österreich beginnt sich aus einer schmerzhaften wirtschaftlichen Flaute zu lösen, doch der Weg nach vorn bleibt holprig. Nach zwei Jahren Rezession ist zwar wieder Wachstum da, aber steigende Kosten, Wohnungsknappheit und neue globale Unsicherheiten fordern Politik, Unternehmen und Haushalte weiterhin heraus.
Jüngste wirtschaftliche Entwicklungen in Österreich deuten darauf hin, dass die Erholung eingesetzt hat, wenn auch nur in verhaltenem Tempo. Nach einem Rückgang um insgesamt 1,4 % in den Jahren 2023 und 2024 wuchs Österreichs Wirtschaft 2025 um 0,6 %. Das ist eine wichtige Trendwende nach Jahren der Stagnation, doch Ökonominnen und Ökonomen warnen, dass mehrere Risiken den weiteren Fortschritt bremsen könnten.
Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit
Viele der aktuellen Probleme lassen sich auf die Energiekrise nach Russlands Angriff auf die Ukraine zurückführen. Während große Teile der EU in dieser Zeit wieder in den Wachstumspfad fanden, tat sich Österreich schwer. Höhere Energiekosten trafen Unternehmen hart, besonders Industriebetriebe, die stark von Strom und Brennstoffen abhängig sind.
Besonders auffällig ist der Abschwung in der Industrie. Die Produktion des verarbeitenden Gewerbes ging zwischen 2022 und 2024 um fast 9 % zurück. Hersteller von Maschinen, Ausrüstungen und Metallerzeugnissen waren besonders betroffen. Die Strompreise für industrielle Abnehmer haben sich zwischen 2021 und 2023 nahezu verdoppelt und erst danach allmählich nachgegeben, wodurch viele Firmen weiterhin deutlich höhere Betriebskosten tragen müssen als zuvor.
Zudem wächst die Sorge um den Wettbewerb. Zwischen 2022 und 2025 stiegen die Arbeitskosten um 21 %, deutlich stärker als im europäischen Durchschnitt. Gleichzeitig erschweren Handelskonflikte und der Druck internationaler Wettbewerber es österreichischen Firmen, ihre Position auf den Weltmärkten zu halten.
Gemischte Signale
Auch Konsumentinnen und Konsumenten spüren die höheren Preise. Die Inflation legte zwischen 2022 und 2025 um rund 25 % zu und lag damit über dem Niveau des Euroraums insgesamt. Zwar kühlte sie Anfang 2026 kurzzeitig auf etwa 2 % ab, doch neue Spannungen im Nahen Osten haben einen weiteren Energieschock ausgelöst, der die Teuerung wieder in Richtung 3 % treiben könnte.
Nicht alle Indikatoren zeigen nach unten. Mit Lohnzuwächsen von fast 8 % im Jahr 2024 begannen viele Haushalte, den Verlust an Kaufkraft aus der Energiekrise wieder aufzuholen. Das reale verfügbare Einkommen erreichte einen Rekordwert, und viele Österreicherinnen und Österreicher legten das Plus eher zur Seite, statt es auszugeben. Die nationale Sparquote stieg dadurch auf 17,3 %.
Der Arbeitsmarkt blieb trotz schwacher Konjunktur überraschend stabil. Die Erwerbsbeteiligung hielt sich, obwohl die Arbeitslosenquote zwischen 2022 und 2025 von 4,8 % auf 5,7 % kletterte. Ein Teil dieser Entwicklung hängt mit politischen Veränderungen zusammen, darunter Reformen, die das Pensionsantrittsalter für Frauen schrittweise anheben und mehr Menschen im Arbeitsmarkt halten.
Druck bei Wohnen und Budget
Bezahlbarer Wohnraum wird landesweit zu einem immer sichtbareren Thema. Die Baukosten für neue Wohnungen sind seit 2020 um 30 % gestiegen, während die Baubewilligungen um 50 % zurückgegangen sind. Bei weniger Neubauten verknappt sich das Angebot, und die Wohnkosten steigen weiter.
Auch die Staatsfinanzen stehen unter Druck. Die öffentliche Verschuldung lag 2025 bei rund 81,5 % der Wirtschaftsleistung und dürfte bis 2027 auf etwa 85 % zusteuern. Die alternde Bevölkerung wird voraussichtlich die Ausgaben für Pensionen, Gesundheit und Pflege erhöhen, was künftige Regierungen vor schwierige Budgetentscheidungen stellt.
Mit dem Wachsen dieser Herausforderungen rücken Fragen zur politischen Landschaft in Österreich stärker in den Fokus. Finanzpolitik, Wohnreformen und Energiesicherheit dürften in der Berichterstattung über österreichische Politik in den kommenden Jahren zentrale Themen bleiben. Erwartet werden auch Debatten über Bildungspolitik, da das Land Wege sucht, die Qualifikationen der Erwerbsbevölkerung zu stärken und die langfristige Produktivität zu verbessern.
Erholung am Scheideweg
Unterdessen investiert Österreich weiter in erneuerbare Energien und hat direkte Importe von russischem Pipelinegas beendet. Erneuerbare Quellen erzeugen inzwischen mehr als 80 % des heimischen Stroms. Dennoch bremsen langsamer als erwartet ausgebauter Windstrom und saisonale Energieimporte die Entwicklung.
Abseits der Konjunktur stützen kulturelle Veranstaltungen weiterhin den Tourismus und die lokale Nachfrage, was regionalen Volkswirtschaften etwas hilft. Um das Wachstum zu tragen, braucht es jedoch mehr als hohe Besucherzahlen. Österreich hat die Rezession hinter sich gelassen, doch die Erholung am Laufen zu halten, könnte sich als die größte Herausforderung erweisen.
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