FTI-Pleite bringt Reisebüros ins Schwitzen

Branchensprecher der Wirtschaftskammer: Streichung aller gebuchten Reisen brachte Klarheit – "Kunden wollen neue Reise buchen" – In den Reisebüros laufen die Drähte diese Woche heiß

Kundinnen und Kunden des insolventen deutschen Reiseveranstalters FTI sind derzeit intensiv am Umbuchen – das ist seit wenigen Tagen möglich und wird intensiv genutzt. Der Masseverwalter stornierte vor dem Wochenende alle FTI-Reisen, insgesamt sind davon rund 175.000 Pauschalreisen betroffen. „Bis letzten Freitag war alles unklar, jetzt ist es einfach, weil alle Reisen abgesagt sind“, sagte der Obmann des Fachverbandes der Reisebüros in der Wirtschaftskammer, Gregor Kadanka.

Zwischenzeitlich hatte der deutsche FTI-Insolvenzverwalter Axel Bierbach nur die Reisen bis 5. Juli abgesagt. Jetzt ist die Bahn für Um- und Neubuchungen frei. „Die Reisebüros sind sehr beschäftigt, weil die Kunden eine neue Reise buchen wollen – mehr als 95 Prozent der Kunden wollen unbedingt verreisen, am liebsten wollen sie das, was sie (über FTI, Anm.) gebucht haben“, berichtete Kadanka am Dienstag in Wien.

Die Drähte laufen nun heiß – die Urlauberinnen und Urlauber wollen wissen, ob in der ursprünglich gebuchten Destination noch etwas frei ist, ob im selben Hotel, ob zum selben Preis. „Das versucht sich gerade alles zu ordnen – großes Chaos sehen wir nicht, es ist natürlich ein großer Aufwand“, betonte der Sprecher der heimischen Reisebüros. „Aber es wurde schon viel umgebucht.“

Um ihr Geld müssen sich Pauschalreisende keine Sorgen machen, auch nicht in Österreich. „Der Deutsche Reisversicherungsfonds ist sehr potent, sodass die Kunden hier alle entschädigt werden“, so der Touristiker. Gerade hierzulande müssten die Kundinnen und Kunden gar nicht auf Zahlungen aus dem Fonds warten, weil das Geld ohnehin in Österreich sei – beim Reisebüro oder noch gar nicht vollständig bezahlt.

Derzeit werden sowohl länger im Voraus gebuchte Reisen als auch die anstehenden Sommerurlaube auf Hochtouren umorganisiert. „Die verbleibenden Reiseveranstalter haben sehr schnell reagiert, mit Alternativangeboten“, berichtete Kadanka. „Das ist rasend schnell gegangen.“ Die Vertriebsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter wüssten genau, wo FTI welche Kapazitäten hatte und seien sofort an die betreffenden Hotels und Airlines herangetreten. „Gerade im Sommerbereich konnten sie das Angebot relativ rasch nachbauen“, so der Branchensprecher. Es ist den Angaben zufolge bereits gelungen, den größten Teil abzuwickeln.

In der Corona-Zeit habe die FTI in Deutschland – wie die anderen großen Unternehmen auch – keine Unterstützungszahlungen bekommen, sondern Kredite, erklärte Kadanka die Genese der Großpleite. „Die sind allerdings mit sehr hohen Zinsen verbunden, das war nicht zurückzuverdienen in dieser kurzen Zeit.“ Die FTI stand zuletzt vor einem weiteren Geldbedarf. Die Lage habe sich binnen weniger Tage zugespitzt wie bei einem Bank-Run. „Das Vertrauen war erodiert, plötzlich wollten alle ihr Geld haben.“

Die Anfang Juni in die Pleite gerutschte FTI ist ein großer Reiseveranstalter. Sie sei vergleichbar mit der ebenfalls in die Insolvenz geschlitterten Thomas Cook, „aber komplexer“. Während Thomas Cook ein klassischer Badereisenanbieter war, hatte die FTI auch Rundreisen, Bausteinreisen, Flug-only-Reisen und Camper-Angebote im Programm.

Der deutsche Insolvenzverwalter hatte das Gesamtvolumen der bestehenden Reisebuchungen auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Alle Anzahlungen von Pauschalreisenden würden vom Reisesicherungsfonds erstattet, jeder Pauschalreisende bekomme sein Geld zurück. Kunden, die nur Einzelleistungen wie Flüge, Hotels und Transfers über FTI gebucht haben, haben dagegen keinen Anspruch auf Rückerstattung bereits geleisteter Zahlungen durch den Deutschen Reiseversicherungsfonds (DRSF). Pauschalreisende Österreicherinnen und Österreicher sind über diesen Fonds mit abgesichert.

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