Inflation im April bei 3,5 Prozent – Fünfthöchster Wert in EU

Inflationsrate sank in Österreich auf niedrigsten Wert seit September 2021 – Preisrückgang bei Gas und Pauschalreisen als Inflationsdämpfer, Gastronomie und Hotellerie als Inflationstreiber

Die Teuerung in Österreich schwächt sich weiter ab. Im April belief sich die Inflationsrate auf Basis des Verbraucherpreisindex (VPI) im Jahresabstand auf 3,5 Prozent und sank damit auf den niedrigsten Wert seit September 2021. Der Anstieg der Restaurant- und Hotelpreise (+7,6 Prozent) war laut Statistik Austria der bedeutendste Inflationstreiber, dämpfend wirkte der Preisrückgang bei Gas und Pauschalreisen. Im EU-Vergleich verzeichnete Österreich die fünfthöchste Inflation.

Beim nach europäischen Standards gemessenen harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag die Teuerung im April in Österreich und in Spanien bei jeweils 3,4 Prozent. Im Durchschnitt belief sich die Inflation in den 27 EU-Staaten auf 2,6 Prozent und in den 20 Eurozonen-Ländern auf 2,4 Prozent. Die höchsten Inflationsraten in der EU wurden im Jahresvergleich in Rumänien (6,2 Prozent), Belgien (4,9 Prozent), Kroatien (4,7 Prozent) und Ungarn (3,6 Prozent) gemessen. Die niedrigsten Inflationsraten gab es in Litauen (0,4 Prozent), Dänemark (0,5 Prozent), Finnland (0,6 Prozent) und Italien (0,9 Prozent). In Deutschland – dem wichtigsten Außenhandelspartner Österreichs – betrug die Teuerung rund 2,4 Prozent.

SPÖ und FPÖ übten angesichts der aktuellen Inflationszahlen erneut Kritik an der türkis-grünen Regierung. „Bei der anhaltenden, höheren Teuerung als in der Mehrzahl der anderen EU-Mitgliedsstaaten verschlechtert sich die Wettbewerbssituation der österreichischen Betriebe im EU-Binnenmarkt und insbesondere in der Euro-Zone laufend weiter“, warnte SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter in einer Aussendung. Durch „notwendige Entlastungen“, etwa bei Mieten, Lebensmitteln, Energie und Treibstoffen, hätte man „die hohen Preise in den Griff bekommen“ können, sagte FPÖ-Wirtschaftssprecher Axel Kassegger. „Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass sich die Jahresinflation 2024 im Vorjahresvergleich halbieren wird“, so Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Wirtschaftsforscher von Wifo und IHS prognostizieren für Österreich heuer eine Inflationsrate von 3,8 bzw. 3,5 Prozent.

Erstmals seit Beginn des starken Anstiegs der Verbraucherpreise in Österreich im Jahr 2021 hatten die Gaspreise „einen deutlich dämpfenden Effekt“ auf die Teuerung, so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Freitag in einer Aussendung. „Auch die Pauschalreisen haben im April wesentlich zum Rückgang der Teuerung beigetragen, statt wie in den zwölf Monaten zuvor stark preistreibend zu wirken.“ Allerdings würden die Preisanstiege in der Gastronomie „weiterhin über dem Durchschnitt“ liegen, und der Preisauftrieb an den Tankstellen habe sich „sogar verstärkt“, so der Statistik-Austria-Chef. Ohne Verbilligungen für Pauschalreisen und Gas hätte die Inflation laut Statistik Austria rund 3,9 Prozent betragen.

Im Jahresvergleich verteuerten sich Bewirtungsdienstleistungen im April um 7,9 Prozent und Beherbergungsdienstleistungen um 5,9 Prozent. Die Obleute der WKÖ-Fachverbände Gastronomie und Hotellerie in der WKÖ, Mario Pulker und Hans Spreitzhofer, wiesen den Vorwurf der Preistreiberei „als völlig ungerechtfertigt“ zurück. Beide Branchen seien „von den massiven Preissteigerungen bei Vorleistungen – allen voran Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten, betroffen. „Viele schaffen es gerade mal, die gestiegenen Kosten abzufedern“, so Pulker in einer Aussendung. Der Bereich Beherbergung/Gastronomie zähle zu jenen Branchen, die am stärksten von Insolvenzen betroffen seien. Durch den allgemein inflationsbedingten Anstieg bei Löhnen und Gehältern seien die besonders personalintensiven Branchen Gastronomie und Hotellerie „außerordentlich stark betroffen“, erklärten die Branchenvertreter Pulker und Spreitzhofer

Bei der Haushaltsenergie sanken hierzulande die Preise für Gas im April im Jahresabstand um 13,1 Prozent, für Fernwärme um 16,3 Prozent und für feste Brennstoffe um 16,7 Prozent. Die Strompreise (inklusive Strompreisbremse) und Heizöl stiegen jeweils um 4,8 Prozent. Mieten inklusive Neuvermietungen verteuerten sich um 7,9 Prozent. Treibstoffe kosteten um 5,2 Prozent mehr. Die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke erhöhten sich im Schnitt um 3,2 Prozent. Pauschalreisen verbilligten sich um 4,4 Prozent.

Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der den täglichen Einkauf abbilden soll und überwiegend Nahrungsmittel, aber auch Tageszeitungen oder den Kaffee im Kaffeehaus enthält, stieg im April im Jahresabstand um 4,3 Prozent. Das Preisniveau des Miniwarenkorbs – der wöchentliche Einkauf auch mit Nahrungsmitteln, Dienstleistungen und Treibstoffen – erhöhte sich im Jahresvergleich um 4,9 Prozent.

Im Vergleich zum Vormonat März erhöhte sich das durchschnittliche Preisniveau in Österreich laut Statistik Austria um 0,1 Prozent. Hauptpreistreiber waren teure Flugtickets und Hauptpreisdämpfer waren billigere Pauschalreisen.

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