Terroranschlag bei Moskau: Haftbefehl gegen Terror-Verdächtige

Behörden: Totenzahl auf 137 gestiegen, 180 Verletzte – Menschen legen an Anschlagsort Blumen nieder – Flaggen landesweit auf halbmast

Ein Gericht in Moskau hat am Sonntagabend die ersten Haftbefehle gegen mutmaßliche Akteure des blutigen Terroranschlags auf eine Konzerthalle nordwestlich der russischen Hauptstadt erlassen. Das Ermittlungskomitee habe vier Tatverdächtige nach den Verhören bereits informiert, dass gegen sie Anklage wegen des gemeinschaftlich verübten tödlichen Terroranschlags erhoben werde, berichtete die Staatsagentur Tass. Insgesamt wurden nach der Tat elf Verdächtige festgenommen.

In dem Veranstaltungszentrum Crocus City Hall bei Moskau mit Tausenden Plätzen hatten am Freitag mehrere Täter wahllos auf Besucher geschossen, ehe sie das Gebäude in Brand steckten. Dabei starben mindestens 137 Menschen, die Zahl der Verletzten stieg inzwischen nach neuesten Angaben der Gesundheitsbehörden auf 182.

Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte die Tat für sich, doch sieht der russische Präsident Wladimir Putin vielmehr eine „ukrainische Spur“ hinter dem Anschlag – ohne Beweise dafür anzuführen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Putin vor, die Schuld auf die Ukraine abwälzen zu wollen. Es sei „absolut vorhersehbar“ gewesen, dass Putin 24 Stunden lang geschwiegen habe, bevor er den Anschlag mit der Ukraine in Verbindung gebracht habe, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache.

Russland gedachte nach dem schwersten Anschlag seit 20 Jahren mit einem nationalen Tag der Trauer der Opfer. Flaggen wehten am Sonntag landesweit auf halbmast. Zahlreiche Menschen legten Blumen am Anschlagsort, der ausgebrannten Crocus City Hall, am Rande von Moskau nieder, wo vier Attentäter am Freitagabend bei einem Konzert der noch aus der Sowjet-Zeit stammenden Rockgruppe Picnic um sich schossen.

Die Mitglieder der populären russischen Rockband Piknik legten am Sonntagabend vor der Crocus City Hall Blumen für die Opfer ab. Nach einer Gedenkminute sprachen sie den Hinterbliebenen der 137 Toten ihr Mitgefühl aus, wie die Staatsagentur Tass berichtete. „Diese Gräueltat ist eine sinnlose, unvorstellbare Grausamkeit“, sagte Bandleader Edmund Schkljarski. „Dabei ist es nicht einmal eine Gräueltat, denn selbst Untiere tun so etwas nicht“, so Schkljarski. Unter den Todesopfern war auch eine Assistentin der Band, wie Piknik am Sonntag mitteilte.

Russland will indes nach Worten des Vizechefs des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, die Drahtzieher des Anschlags ins Visier nehmen. „Wir werden jeden einzelnen (der Getöteten und Verletzten) rächen. Und diejenigen, die daran beteiligt sind, unabhängig von ihrem Herkunftsland und ihrem Status, sind jetzt unser wichtigstes und legitimes Ziel“, gab Medwedew über Telegram bekannt.

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