Nahost – Netanyahu: Armee soll Plan für Rafah-Evakuierung vorlegen

Dort befinden sich mehr als eine Million palästinensische Binnenflüchtlinge

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hat die Armee angewiesen, einen Plan für die Evakuierung der Zivilbevölkerung aus der Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens auszuarbeiten. Das Militär solle der Regierung einen „kombinierten Plan zur Evakuierung der Bevölkerung und zur Zerstörung der Bataillone“ der radikalislamischen Hamas in Rafah vorlegen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten am Freitag mit. In der Region sollen sich hochrangige Hamas-Funktionäre befinden.

In Rafah haben seit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der Hamas mehr als eine Million palästinensische Binnenflüchtlinge Zuflucht gesucht. Der mittlerweile seit vier Monaten andauernde Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas hat die humanitäre Krise im Gazastreifen dramatisch verschärft. Hunderttausende Menschen flohen vor den Kämpfen in den Süden des Palästinensergebiets, der nun ebenfalls unter Beschuss steht. Am Mittwoch hatte Netanyahu nach eigenen Worten eine Ausweitung des Militäreinsatzes auf die südliche Stadt Rafah nahe der Grenze zu Ägypten angeordnet.

Nach Angaben des Palästinensischen Roten Halbmondes stürmten israelische Soldaten am Freitag ein Krankenhaus in Khan Younis. Sie hätten zudem mit der Durchsuchung des Krankenhauses Al-Amal begonnen, erklärte die Organisation. Das israelische Militär reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AFP zu den Behauptungen. Anfang der Woche hatte der Rote Halbmond mitgeteilt, dass rund 8.000 Menschen, die in dem Krankenhaus Schutz gesucht hätten, evakuiert worden seien. Rund 40 Vertriebene, 80 Patienten und 100 Mitarbeiter seien nach der Evakuierung im Krankenhaus verblieben.

Die Hamas hatte den Krieg am 7. Oktober mit ihrem brutalen Überfall auf Israel ausgelöst. Kämpfer der von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuften Hamas und weiterer militanter Palästinensergruppen Israel drangen am 7. Oktober in israelische Orte ein und verübten Massaker an Zivilisten. Sie töteten israelischen Angaben zufolge etwa 1.160 Menschen, darunter viele Zivilisten. Rund 250 Menschen wurden zudem als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Als Reaktion auf den Angriff startete Israel einen massiven Militäreinsatz im Gazastreifen. Nach jüngsten Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden seitdem mehr als 27.900 Menschen getötet.

Zuletzt war der südliche Gazastreifen verstärkt in den Fokus der israelischen Armee gerückt. In den Gebieten östlich von Rafah und der Hamas-Hochburg Khan Younis vermutet Israel die Verstecke hochrangiger Hamas-Funktionäre. Zuletzt hatte die Armee eigenen Angaben zufolge einen „strategischen Tunnel“ der Hamas als Teil eines ausgedehnten unterirdischen Netzwerks „im Herzen eines zivilen Gebiets“ in Khan Younis entdeckt, in dem auch Geiseln festgehalten worden seien.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.