Architekt des Essl-Museums: Heinz Tesar 84-jährig gestorben

Staatspreisträger zeichnete u.a. für Kirche in Donaucity verantwortlich, wo am 7. Februar die Seelenmesse stattfindet

Er schuf prominente Bauten wie das 1987 errichtete Schömer-Haus, das 1999 eröffnete Essl-Museum in Klosterneuburg oder die 2000 eingeweihte Kirche in der Donaucity in Wien: Gestern, Donnerstag, ist der österreichische Architekt Heinz Tesar im Alter von 84 Jahren im Hilde-Wagener Künstlerheim in Baden bei Wien verstorben, wie die Organisation „Künstler helfen Künstlern“ am Freitag mitteilte. Anteilnahme kam aus Politik, Kunst und Architekturszene.

Der Träger des Großen Österreichische Staatspreis zeichnete weiters für das Keltenmuseum in Hallein und den Hörsaal des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg verantwortlich. Kurz vor seinem Tod habe er die Kirche in der Donaucity als eines seiner wichtigsten Baukunstwerke bezeichnet, heißt es von „Künstler helfen Künstlern“. Dort findet am 7. Februar (14.30 Uhr) auch eine Seelenmesse statt.

Geboren wurde Heinz Tesar am 16. Juni 1939 in Innsbruck. Obwohl er sich für bildende Kunst interessierte, sich mit „Embryobildern“ und „Weichmonumenten“ beschäftigte, studierte Tesar 1961 bis 1965 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Roland Rainer Architektur. Nach Auslandsaufenthalten in Hamburg, München und Amsterdam gründete er 1973 sein eigenes Architekturbüro in Wien, 2000 folgte ein weiteres in Berlin. Nach der Schließung beider Büros und der Überantwortung seines Vorlasses an das Architekturzentrum Wien verbrachte er seinen Lebensabend im Künstlerheim in Baden bei Wien.

Zu seinen wichtigsten Bauten zählen die Evangelische Kirche in Klosterneuburg, der Umbau des Stadttheaters Hallein, das „Haus am Zwinger“ in Dresden, ein Bankgebäude in Innsbruck und ein Geschäftshaus am Gendarmenmarkt in Berlin. „Tesars Architektur ist der intensive Objektivierungsversuch eines bewusst subjektiven Standpunkts, jedoch eingeklinkt in die Kontinuität einer mitteleuropäischen Architekturentwicklung“, fasste Friedrich Achleitner einmal zusammen. Tesar selbst formulierte sein Credo einst im APA-Gespräch so: „Für den Inhalt das angemessene Gebäude in seinem jeweiligen Umfeld definieren.“ Oder kürzer: „Bauten, die Sinn machen.“

Tatsächlich ließ sich für Tesars Bauten nur schwer eine wiedererkennbare Typologie und Formensprache finden, jedoch stets die gründliche Analyse der Bauaufgabe feststellen: Das Schömer-Haus, bis 2015 Verwaltungszentrum der Baumarktkette Baumax, war nicht nur Firmensitz, sondern mit seiner ovalen Mittelhalle, den umlaufenden Galerien und der käfigartigen Feststiege gleichzeitig repräsentative Heimstätte einer außerordentlichen Kunstsammlung, der er über ein Jahrzehnt später am Rande der Klosterneuburger Au mit dem Essl-Museum einen seiner Funktion untergeordneten und dennoch prägnanten Museumsbau schaffen konnte. Das Gebäude dient nach wie vor als Depot für die Werke der Sammlung Essl, die sich mittlerweile im Besitz der Albertina und der Haselsteiner-Privatstiftung befinden und soll dieses Frühjahr als dritter Standort der Albertina auch wieder Kunst der Öffentlichkeit präsentieren.

Für seine katholische Kirche „Christus, Hoffnung der Welt“ in der Wiener Donaucity entwickelte Tesar den souveränen Einsatz von Lichtöffnungen für spirituelle Raumwirkungen weiter, den er bereits ein paar Jahre zuvor bei der evangelischen Kirche Klosterneuburg bewiesen hatte. Der mit Chromstahlplatten verkleidete, niedrige Bau behauptet sich so elegant gegen die Baumassendominanz der umliegenden Hochhäuser in der Donaucity.

Seit den 1980er Jahren lehrte Heinz Tesar an verschiedenen Universitäten in Europa und Amerika. Sein Werk wurde mit zahlreichen Ausstellungen geehrt, so war ihm 2008 die erste Einzelausstellung eines zeitgenössischen österreichischen Architekten in Japan gewidmet. Aus der Liste seiner zahlreichen Auszeichnungen ragt der Große Österreichische Staatspreis hervor, der ihm 2011 verliehen wurde. Mit ihm wurde damals „ein international gefragter Baukünstler, der nicht nur auf dem Gebiet der Architektur, sondern auch als Maler, Zeichner und Literat tätig ist“, ausgezeichnet.

„Heinz Tesar war ein Gesamtkünstler und ein Menschenfreund. Wer eines seiner Gebäude betritt, fühlt sich einerseits beschützt, andererseits in der Lage, weit über die Mauern hinauszublicken“, werden Karlheinz und Agnes Essl, die Tesar seit den 1980er Jahren bis zu dessen Tod begleitet haben, in der „Künstler helfen Künstlern“-Aussendung zitiert. „Heinz Tesar hat es geschafft, mit seiner Architektur Menschen zu verbinden. Wir verneigen uns vor einem der größten Architekten, die Österreich je hervorgebracht hat, und seinem zeitlosen baukünstlerischen Erbe, das noch lange Zeiten wirken wird.“

Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) würdigte in einer Aussendung Tesars „prägnante Bauten“ und „einzigartige architektonische Handschrift“, die sich weit über unsere nationalen Grenzen hinaus in die Baugeschichte einschrieben habe. Mit Tesar habe Österreich „einen großen Baukünstler verloren, der die architektonische Identität dieser Stadt mit ikonischen, einprägsamen, lichterfüllten – und vor allem das Leben in ihnen wertvoll machenden – Bauten mitgestaltet hat“, betonte Bürgermeister Michael Ludwig. Tesar habe Architektur „als wirkmächtiges Gesamtkunstwerk“ verstanden und als Lehrender in drei Jahrzehnten „international Generationen angehender Architektinnen und Architekten geprägt“, so Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (beide SPÖ).

Das Architekturzentrum Wien (Az W) nannte Tesar einen „Grenzgänger zwischen Architektur und Kunst und unter den österreichischen Architektinnen und Architekten eine Ausnahmeerscheinung“. Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder hatte Tesar zuletzt mehrmals in Baden im „Haus der Künstler“ besucht: Der Architekt habe die Pläne rund um die Wiedereröffnung „seines“ ehemaligen Essl-Museums mit großem Interesse verfolgt: „Österreich verliert mit ihm einen seiner prägendsten Architekten, der mit seinen strukturierten, lichtdurchfluteten Bauten eine zeitlose Ästhetik hinterlässt“, so Schröder.

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