Ukraine: Russland greift mit Dutzenden Raketen an – Mehrere Tote

Kiew drängt Verbündete zur rascherer Waffenlieferung – Polen lässt Kampfjets aufsteigen

Bei mehreren Wellen schwerer russischer Luftangriffe auf Ziele in der Ukraine sind Dienstag mindestens vier Menschen getötet worden. „Mein Beileid den Angehörigen und Nahestehenden“, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram. Mehr als 90 Menschen seien verletzt worden, mehr als 500 Rettungskräfte seien im Einsatz. Hauptsächlich betroffen waren die Hauptstadt Kiew und die ostukrainische Großstadt Charkiw. Die Ukraine drängt ihre Verbündeten, rascher Waffen zu liefern.

Außenminister Dmytro Kuleba habe die westlichen Partner aufgefordert, auf die jüngsten russischen Angriffe zu reagieren, indem sie „die Lieferung zusätzlicher Luftverteidigungssysteme, Kampfdrohnen aller Art und Langstreckenraketen mit einer Reichweite von über 300 Kilometern beschleunigen“, teilt sein Ministerium mit.

Kuleba habe die Partner außerdem aufgefordert, eine Entscheidung zu treffen und eingefrorene russische Vermögenswerte für den Bedarf der Ukraine zu transferieren. Zudem sollten die Verbündeten ihre Kontakte mit russischen Diplomaten in den entsprechenden Hauptstädten und internationalen Organisationen beenden.

Der ukrainischen Luftwaffe zufolge setzte die russische Armee insgesamt 99 Raketen und Marschflugkörper verschiedener Typen ein. Davon seien 72 Geschosse abgefangen worden, darunter alle zehn Hyperschallraketen des Typs Kinschal (Dolch). Es handle sich um zehn Kinschal-Raketen, 59 Marschflugkörper und drei Raketen vom Typ Kalibr, teilte Armeechef Walerij Saluschnyj auf Telegram mit. Die ukrainische Hauptstadt Kiew sei das Hauptziel des russischen Raketen- und Drohnenangriffs gewesen. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

In Kiew kam es in acht der zehn Stadtbezirke zu Schäden und Bränden – vor allem durch herabstürzende Raketentrümmer. Früher in der Nacht hatte die ukrainische Luftwaffe nach eigenen Angaben alle anfliegenden 35 Shahed-Kampfdrohnen iranischer Bauart abgeschossen. Die Ukraine wehrt seit über 22 Monaten mit westlicher Unterstützung eine russische Invasion ab. Die ukrainische Luftabwehr wurde mit modernen westlichen Systemen verstärkt.

In mehreren Stadtteilen gebe es Stromausfälle, schrieb Bürgermeister Witali Klitschko auf Telegram. Es seien Anlagen der zivilen Infrastruktur getroffen worden; eine Gasleitung sei beschädigt. Auch Probleme mit der Wasserversorgung wurden gemeldet. In einem Hochhaus seien dreizehn Menschen verletzt worden, als eine Rakete einen Brand verursachte, schrieb Klitschko.

Am Montag hatte der russische Machthaber Wladimir Putin angekündigt, die Angriffe auf militärische Ziele in der Ukraine als Reaktion auf ukrainische Vergeltungsangriffe auf die russische Stadt Belgorod verstärken zu wollen. Bei einem Angriff auf Belgorod waren am Samstag 25 Menschen getötet worden, darunter fünf Kinder.

Im EU- und NATO-Mitgliedsland Polen wurden die Luftschläge gegen den Nachbarn Ukraine genau beobachtet. Zur Sicherheit seien je zwei Kampfjets vom Typ F-16 der polnischen und der amerikanischen Luftwaffe aufgestiegen, teilte ein Kommando der Streitkräfte auf der Plattform X (vormals Twitter) mit. Erst am Freitag war nach Angaben des polnischen Generalstabs eine russische Rakete für drei Minuten in den polnischen Luftraum eingedrungen, bevor sie ihn Richtung Ukraine wieder verließ.

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