Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung über die Signa Prime eröffnet

Norbert Abel wurde zum Insolvenzverwalter der Prime bestellt – Gläubiger können Forderungen bis Mitte Februar anmelden

Das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung über die Signa Prime AG ist am Donnerstagnachmittag in Wien beim Handelsgericht eröffnet worden, wie die Gläubigerschutzverbände Creditreform, AKV und KSV1870 berichteten. Gläubiger können ihre Forderungen demnach bis 14. Februar 2024 anmelden. Zum Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Norbert Abel bestellt. Die Passiva liegen bei 4,5 Milliarden Euro.

Die erste Gläubigerversammlung und Berichtstagsatzung wurde den Angaben zufolge für den 15. Jänner 2024 anberaumt. Der Sanierungsverwalter werde dann zu berichten haben, ob der Finanzplan eingehalten wird und ob Gründe für die Entziehung der Eigenverwaltung vorliegen, schreibt der KSV.

Die Prüfungstagsatzung folgt am 26. Februar 2024. Die für die Prime entscheidende Sanierungsplantagsatzung mit der Abstimmung über den Sanierungsplan soll dann am 18. März 2024 stattfinden. Das Unternehmen bietet seinen Gläubigern eine Sanierungsquote von 30 Prozent zahlbar binnen zwei Jahren an.

Von den Passiva dürften laut KSV 2,3 Mrd. Euro auf Konzernverbindlichkeiten entfallen. Die Aktiva liegen nach übereinstimmenden Angaben der Gläubigerschützer bei rund 1,3 Mrd. Euro. Betroffen sind gut 350 Gläubiger und 28 Arbeitnehmer. Das Unternehmen soll fortgeführt werden. Zur Verwertung dürften im Rahmen des Verfahrens unter anderem die Bestandsimmobilien des Unternehmens kommen. Kurzfristig benötige die Prime jedenfalls eine Überbrückungsfinanzierung zwischen 300 und 500 Mio. Euro, schreibt der KSV.

Die Insolvenzursachen ortet die Signa laut den Gläubigerschützern unter anderem im Tempo der Zinswende, dem gestiegenen Kostendruck aufgrund der Inflation sowie damit einhergehenden finanziellen Engpässen – also „externe Faktoren“, die sich negativ auf die Geschäftsentwicklung ausgewirkt haben, wie die Signa selbst in einer Aussendung schrieb. Im 16-seitigen Insolvenzantrag, aus dem „Standard“ (online) und „Kurier“ (online) zitierten, nannte das Unternehmen zudem eine Anfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) an die Kreditinstitute nach ihrem Signa-Engagement. Auch diese habe sich äußerst negativ ausgewirkt, wodurch sich letztlich ein „toxischer Mix“ ergeben habe.

Wichtigste Aktionärin der Signa Prime ist laut AKV die übergeordnete Signa Prime Holding, die 18,88 Prozent der Anteile hält. Die insolvente Signa Holding verfügt über Anteile von 14,54 Prozent. Weitere wichtige Aktionärin ist die RAG-Stiftung mit 6,02 Prozent. Bei der Prime selbst handelt es sich um eine Beteiligungsgesellschaft, die laut den Gläubigerschützern an 369 Gesellschaften unmittelbar und mittelbar beteiligt ist.

Die Signa hatte das bevorstehende Insolvenzverfahren heute am Vormittag kommuniziert. „Ziel ist die geordnete Fortführung des operativen Geschäftsbetriebs im Rahmen der Eigenverwaltung und die nachhaltige Restrukturierung des Unternehmens“, hieß es in einer Aussendung. Die Signa Development Selection AG sei in derselben Situation und werde den Antrag auf Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung morgen, den 29. Dezember 2023, stellen.

In der Signa Prime hat Benko die Signa-Anteile an bekannten Immobilien wie dem Wiener „Goldenen Quartier“, dem Kaufhaus Lamarr in der Wiener Mariahilfer Straße oder dem Berliner KaDeWe gebündelt. Ende November wurde bereits über die Muttergesellschaft Signa Holding ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung eröffnet.

Bei dem ehemaligen Paradeunternehmen Signa rund um den politisch gut vernetzten Shooting-Star Benko sind zuletzt die schlechten Nachrichten nicht mehr abgerissen. Kurz vor Weihnachten meldete die Signa Real Estate Management 45 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung an. Gleichzeitig wurde bekannt, dass eines der renommiertesten Hotels in Venedig, das Hotel Bauer am Canale Grande, wie viele andere Projekte von Signa, auf Eis liegt. Das soll auch bei dem geplanten Einkaufstempel Lamarr in der Wiener Mariahilfer Straße der Fall sein.

Mitte Dezember war auch verkündet worden, dass der äußerst prominent besetzte Signa-Beirat aufgelöst wird. Im Beirat der Holding saßen unter anderem Ex-SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sowie Wüstenrot-Chefin und Ex-FPÖ-Vize-Kanzlerin Susanne Riess-Hahn. Firmengründer René Benko war bis zu seinem Abgang im November 2023 Vorsitzender des Gremiums. Zuvor hatte der Sanierungsverwalter der insolventen Signa-Holding die Veräußerung von Vermögenswerten wie dem Chrysler Building sowie der Medienbeteiligungen an „Krone“ und „Kurier“ kund getan.

Rene Benko stammt aus einfachen Verhältnissen und schaffte es ohne Schulabschluss zu einem der reichsten Unternehmer des Landes. Sein nun strauchelndes Imperium hat der Innsbrucker mit 22 Jahren aufzubauen begonnen. Auf 4,2 Mrd. Euro schätzte das Magazin „Trend“ noch heuer das Vermögen von Benko. Ihm wird eine sehr schnelle Auffassungsgabe und ein außergewöhnliches Zahlengedächtnis sowie sehr viel Fleiß nachgesagt. Und er gilt als begnadeter Netzwerker, zu seinem herbstlichen Törggelen – dem Südtiroler Brauch mit Maroni-Essen und Wein – erscheinen alljährlich wichtige Menschen aus Wirtschaft, Politik, Medien und Kultur. Medial thematisiert wurde immer wieder seine Nähe zum ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

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