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Bereits mehr als 1.000 Tote durch Coronavirus in China

Das neuartige Coronavirus hat in China inzwischen mehr als 1.000 Menschen das Leben gekostet. Der Höhepunkt der Epidemie ist allerdings noch nicht erreicht. Der Chef des Expertengremiums der chinesischen Regierung, Zhong Nanshan, rechnet Ende Februar mit dem Höchststand. 108 neue Todesfälle wurden erfasst – so viele wie nie zuvor binnen eines Tages.

Die Gesamtzahl liegt nach der offiziellen Statistik in China nun bei 1.016. Nachweislich infiziert haben sich demnach bisher gut 42.600 Menschen – knapp 2.500 mehr als noch am Vortag. Allerdings zählt die Gesundheitskommission Menschen, bei denen das Virus mit einem Test nachgewiesen wurde, die aber keine Symptome der Lungenkrankheit zeigen, schon seit einigen Tagen nicht mehr mit – ein Vorgehen, dass klar der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) widerspricht.

Die WHO betrachtet jemanden als nachweislich infiziert, wenn eine 2019-nCoV-Infektion durch ein Labor bestätigt wurde – „ungeachtet klinischer Zeichen oder Symptome“, wie es heißt. Einen Grund, warum die Statistik geändert wurde, nannte die chinesische Kommission nicht. Mit dem Coronavirus infizierte Menschen können in der Inkubationszeit schon selbst ansteckend sein – auch wenn sie keine Symptome zeigen. Experten gehen in der Regel von bis zu 14 Tagen aus. Die WHO hatte zuletzt betont, dass rund 80 Prozent der Infektionen einen milden Verlauf nähmen.

Generell dürfte die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle in China immens sein. „Wir sehen nicht den echten täglichen Anstieg, sondern die tägliche Obergrenze in der Fähigkeit, neue Fälle zu identifizieren“, erklärte der Coronavirus-Experte Christian Drosten von der Berliner Charite. „Ich gebe inzwischen nichts mehr auf diese Zahlen.“

Das Coronavirus trägt nun offiziell den Namen „Covid-19“. Der Name ersetze die bisherige Bezeichnung 2019-nCoV, teilte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus mit. „Co“ steht demnach für „Corona“, „vi“ für „Virus“ und „d“ für „disease“ (Krankheit).

Nach Einschätzung der WHO ist das Virus eine weltweite Bedrohung. Zwar beschränkten sich derzeit noch rund 99 Prozent der Infektionsfälle auf China, doch stelle das Virus auch eine „sehr ernste Bedrohung für den Rest der Welt dar“, sagte WHO-Chef Tedros. „Das Wichtigste ist, die Ausbreitung aufzuhalten und Leben zu retten“, sagte Tedros. „Gemeinsam können wir das schaffen“, fügte er hinzu.

Vor dem Hintergrund von Vorwürfen über eine zu langsame Reaktion der Behörden auf den Ausbruch, der im Dezember in Zentralchina begann, gibt es inzwischen personelle Konsequenzen: Wie Chinas Staatsfernsehen am Dienstag berichtete, wurden die Chefs der Gesundheitskommission in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei entlassen. Zhang Jin, Parteisekretär der Gesundheitskommission von Hubei, und Liu Yingzi, der Direktor der Behörde, wurden von Wang Hesheng, dem Vizedirektor der nationalen Gesundheitskommission in Peking, abgelöst.

Zuletzt war in China immer mehr Kritik an Untätigkeit und Vertuschung der Behörden laut geworden. Für landesweite Bestürzung und große Anteilnahme sorgte vergangene Woche der Tod des Arztes Li Wenliang, der frühzeitig vor dem Ausbruch des Coronavirus gewarnt hatte, aber gezwungen worden war, diese „Gerüchte“ nicht weiter zu verbreiten. Der 34-Jährige starb, weil er sich mit dem Virus angesteckt hatte.

Von neuer Offenheit im Umgang mit der Epidemie lässt sich auch nach den Entlassungen nicht reden. So setzte die Polizei zwei chinesische „Bürgerjournalisten“ fest, die im Internet über die überfüllten Krankenhäuser in Wuhan, der schwer heimgesuchten Provinzhauptstadt von Hubei, berichtet hatten.

Der renommierte Chef der Expertenkommission, Zhong Nanshan, räumte in einem Interview der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua „viele Probleme und Herausforderungen“ beim Kampf gegen die neuartige Lungenkrankheit ein. Wie viele medizinische Fachkräfte sich bereits angesteckt haben, wird weiter verschwiegen.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief die Welt zu Solidarität auf. „Es geht jetzt nicht um Publikationen, Patente und Profite“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus zum Auftakt eines Expertengipfels in Genf. „Jetzt geht es darum, den Ausbruch zu stoppen und Leben zu retten. Mit Ihrer Unterstützung können wir das hinbekommen.“ In Genf tagen bis Mittwoch Experten aus aller Welt, um die Erforschung des Virus voranzubringen und möglichst die Grundlage zur Entwicklung eines Impfstoffs zu legen.