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Kulturhauptstadt 2024: St. Pölten bot „lebendiges Bid Book“

Ein „lebendiges Bid Book“ hat sich der Jury für die Europäische Kulturhauptstadt 2024 am gestrigen Samstag in St. Pölten geboten. Nach Dornbirn und dem Salzkammergut hat damit der dritte und letzte Bewerber seine Vorhaben vorgestellt, bevor es am Montag zur Abschlusspräsentation in Wien kommt. Projektleiter Jakob Redl zeigte sich im APA-Gespräch guter Dinge.

„Wir sind natürlich aufgeregt und freuen uns schon auf die Präsentation morgen. Es ist der Abschluss eines langen und intensiven Bewerbungsprozesses. Wir haben versucht, der Jury die Grundideen und das Programm sowie die Langzeitstrategie und die Einbindung der Bevölkerung zu präsentieren“, erklärte Redl, der die vierköpfige Delegation gemeinsam mit Geschäftsführer Michael Duscher von Station zu Station führte. „Wir wollten einen sehr guten Eindruck der Stadt, ihres kulturellen Profils und vor allem jener vielen Menschen, die hinter dem Bid Book stehen, vermitteln“, ergänzte Duscher. Das reiche von der Plattform „KulturhauptSTART“ als Initiatoren des Prozesses bis zu politischen Verantwortungsträgern wie Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ).

Besucht habe man nicht nur große Kulturinstitutionen wie das Landestheater oder das Festspielhaus, Orte wie Rathaus- und Domplatz, sondern auch Vereine aus der lokalen Subkulturszene wie Sonnenpark oder LAMES, die im Süden der Stadt ein fünf Hektar großes Areal betreiben. Zudem ging es zu jenen Schauplätzen, die Teil des Projekts sind, „aber erst eine neue Bedeutung brauchen“, so Redl, der auf das Autohaus Wesely oder die Glanzstoff-Fabrik verwies. Einen Abstecher machte man außerdem zur ehemaligen Synagoge, für die eine langfristige kulturelle Bespielung etabliert werden soll.

Im Zentrum stand für das Team der Kulturhauptstadt-Bewerbung, „dass wir das lebendige Bid Book vorstellen wollen. Dementsprechend sind wir am Schluss auch auf diejenigen gestoßen, die Projekte eingereicht haben.“ Rund 60 davon haben es schlussendlich in das Konzept für das Jahr 2024 geschafft. „Wir wollten damit zeigen, wie breit die Basis war an Menschen, die dieses Bid Book ermöglicht haben“, sagte Redl.

Erleichterung sei nach dem achtstündigen Besuch jedenfalls da. „Wir hatten den Eindruck, dass wir das, was wir auf Papier gebracht haben, auch in der Realität abbilden und herzeigen konnten“, sagte Duscher. Grundsätzlich spüre man in der Stadt eine Aufbruchsstimmung: „Egal mit wem man spricht, man merkt, dass alle das wirklich wollen“, so Redl. „Das ist sehr motivierend und wir sind sehr dankbar dafür, weil es nicht selbstverständlich ist.“ Die Bewerbungsjahre hätten St. Pölten verändert. „Es ist ein Ruck durch die Stadt gegangen.“

Am Sonntag steht für das Team noch eine Abschlussbesprechung sowie eine Generalprobe für die Präsentation am Montag in Wien am Programm. „Wir schauen natürlich, dass wir perfekt vorbreitet sind“, unterstrich der Projektleiter. Was die Mitbewerber aus Vorarlberg und Oberösterreich betrifft, habe man deren Vorhaben natürlich via Medien verfolgt. Sich zu vergleichen, mache aber keinen Sinn, meinte Redl.

Unabhängig vom Ausgang am Dienstag hätten sich die drei Bewerber aber bereits darüber verständigt zu kooperieren. „Es ist etwas sehr besonderes. Die Herausforderungen, denen sich Europa stellen muss, verbinden die Städte schon. Also haben wir uns wechselseitig versichert, dass wir danach zusammenarbeiten wollen – egal, wer es wird.“ Und ohnehin sei St. Pölten durch den Bewerbungsprozess für die Kulturhauptstadt „aufgerüttelt und motiviert“ worden. „Das bestärkt einen: Es ist schon jetzt ein tolles Projekt, ohne über die Zeit nach Dienstag nachzudenken“, betonte Redl.