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Staatsoper wird 150: Buch, Premiere und Open Air

Die Wiener Staatsoper feiert ihren 150. Geburtstag – mit allem, was sie hat. Bücher und Ausstellungen beleuchten die Vergangenheit, eine illustre Premiere sorgt für neuen Gesprächsstoff und ein hochkarätiges Open-Air lädt alle Liebhaber bei freiem Eintritt zum Mitfeiern ein. „Es gibt keine andere Stadt, der ihre Oper so wichtig ist, wie Wien“, so Direktor Dominique Meyer am Donnerstag.

Auch nach neun Jahren sei er als „Fremder“ immer noch beeindruckt, welchen Stellenwert die Oper hierzulande „in allen Schichten der Gesellschaft“ genieße, betonte er bei der Präsentation der Geburtstagspläne im Mahler-Saal. Dort wird bereits ab heute eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses gezeigt, die sich in den kommenden Tagen durch das ganze Gebäude ausdehnen wird.

Das Festprogramm erstreckt sich dann über das gesamte Wochenende vom 25./26. Mai. Am Samstagvormittag wird „statt eines üblichen Festaktes“ eine Matinee stattfinden, mit jenen Menschen „die dieses Haus beleben“, so Meyer – kurz: Ensemblemitglieder, Chor, Bühnenorchester, aber auch Backstage-Mitarbeiter, die ebenso zu Wort kommen wie Festredner Clemens Hellsberg oder die Gewinnerin des SchülerInnen-Redewettbewerbs Laetitia Blahout.

Am Samstagabend öffnet sich der Vorhang für die „Frau ohne Schatten“ – genau hundert Jahre, nachdem das Werk hier unter der Intendanz ihres Komponisten Richard Strauss uraufgeführt wurde. Mit Nina Stemme, die ihr Rollendebüt gibt, Camilla Nylund und Evelyn Herlitzius ist eine „Traumbesetzung“ gegeben, so Meyer, Christian Thielemann wird aus der originalen Uraufführungspartitur dirigieren. Bei der Inszenierung setzte Meyer mit Vincent Huguet auf einen weitgehend unbekannten jungen Regisseur, „der zu begeistern weiß“.

Und weil man zum Geburtstag „nicht nur das Premierenpublikum“ erreichen möchte, sondern „alle Wiener“, sprach Meyer auch noch beim Bürgermeister vor, um zu erwirken, dass der Ring diesmal für und nicht zum Leidwesen der Oper gesperrt wird. Die Stadt habe alles ermöglicht und nun findet am Sonntag (26.) ab 20.30 Uhr ein Open Air am Karajan-Platz statt, das mit Stars klotzt statt kleckert: Neben Stemme und Nylund sind da etwa Jonas Kaufmann, Sonya Yoncheva, Tomasz Konieczny, Erwin Schrott, Roberto Alagna oder Günther Groissböck mit einem Best-Of Opernpotpourri im Einsatz.

Live am Platz konnte man dann freilich schon eine ganze Woche lang Höhepunkte und Stars aus dem Haus via Übertragung erleben, etwa Anna Netrebko (in „Andrea Chenier“ am 20.) oder Juan Diego Florez (im „Barbiere“ am 21.). Public Viewings werden rund um das Festwochenende auch in Moskau mit vier Produktionen gezeigt sowie in allen Landeshauptstädten und über das Botschaftsnetzwerk auch in zahlreichen anderen Ländern.

Internationales Interesse erwartet auch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz an den zahlreichen Übertragungen, die der ORF via seiner Fernseh- und Radiosender sowie durch die Beiträge zur European Broadcasting Union rund um das Staatsopern-Jubiläum sendet. Nach 93 Jahren der Zusammenarbeit müsse man sagen: Die Geschichte der Staatsoper ist auch „ein Stück Mediengeschichte“, so Wrabetz.

1926 bestritt man mit den „Meistersingern“ die weltweit zweite Radio-Liveübertragung, 1955 verzeichnete man mit der ersten Fernseh-Liveübertragung des Landes anlässlich der Staatsopern-Wiedereröffnung mit dem „Fidelio“ einen „historischen Moment“. Sendungen aus dem Opernhaus, eine „Lange Nacht der Oper“ sowie Übertragungen von den Feierlichkeiten in Radio bzw. ORF III bilden das Rückgrat der ORF-Beteiligung. Dass sich das nationale Fernsehen so für die Oper interessiere, wie das beim ORF der Fall sei, „ist für Sie vielleicht normal“, nahm Meyer erneut den Blick des Ortsfremden ein. „Ich kann ihnen sagen: das ist es nicht.“

Neben den Ausstellungen, die im Haus die Opern-, und im Theatermuseum die Ballettgeschichte der Staatsoper würdigen, hat man zwecks standesgemäßem Rückblick auf 150 Jahre auch ein ambitioniertes Publikationsprojekt gestartet: In Essays, prunkvollen Bildern und Faksimiles in die Geschichte vertiefen kann man sich in dem von Historiker Oliver Rathkolb herausgegebenen zweibändigen Werk „Geschichte der Oper in Wien“ sowie in zwei weiteren Prachtausgaben, die die Baugeschichte des ursprünglichen Gebäudes, sowie des Wiederaufbaus minutiös dokumentieren.

Auch Kenner würden hier viel Neues entdecken, versicherte Rathkolb, für den die Geschichte der Staatsoper zugleich „europäische Geschichte“ ist, die beispielgebend von „kulturellen Transfers“ erzählt.