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5G-Mobilfunkfrequenzen für 188 Millionen Euro versteigert

Die ersten Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G sind vergeben. Die Versteigerung brachte dem Staat rund 188 Mio. Euro ein. A1 (Telekom Austria) gab 64 Mio. Euro aus, T-Mobile 57 Mio. Euro und Drei (Hutchison) 52 Mio. Euro. Das gab die zuständige Behörde am Donnerstag bekannt. Weitere Nutzungsrechte gingen an Mass Response, Liwest, Salzburg AG und Holding Graz.

Die Auktion fiel für die Branche damit deutlich günstiger aus als jene für die Vorgängertechnologie LTE (4G) im Jahr 2013. Für die Lizenzen gaben die Mobilfunker damals mehr als 2 Mrd. Euro aus. Jedoch liegt der Erlös deutlich über dem Mindestgebot von 30 Mio. Euro und über den 50 Mio. Euro, die die Regierung budgetiert hatte.

„Aus unserer Sicht spiegelt dieser Preis den Wert wider, den die Bieter dem Frequenzspektrum gegeben haben. Bei diesem Preis haben sich Angebot und Nachfrage getroffen“, sagte RTR-Chef Johannes Gungl. Österreich sei beim 5G-Ausbau damit in Europa in der Spitzengruppe, sowohl was die Frequenzmenge als auch den Zeitpunkt der Vergabe betreffe.

„Drei“ und T-Mobile dürfen die Frequenzen ab Zustellung des Bescheids in gut einem Monat nutzen. A1 sowie die regionalen Bieter dürfen das ersteigerte Spektrum ab dem 1. Jänner 2020 verwenden. Mit der Installation der Sendeanlagen können die Betreiber schon früher beginnen. Die Nutzungsrechte laufen bis 31. Dezember 2039.

Bei T-Mobile sind bereits die ersten 25 5G-Sendestationen montiert. In einem ersten Schritt will das Unternehmen „schon in wenigen Wochen den ersten Kunden mobiles Breitband in Glasfasergeschwindigkeit über 5G anbieten können“. Der Start erfolge mit WLAN-Routern, die via 5G ans Internet angebunden werden. Erst später folgen die ersten 5G-Smartphones. Hersteller wie Samsung und Huawei haben aber entsprechende Geräte bereits angekündigt.

Sowohl T-Mobile als auch „Drei“ kritisierten die Art der Versteigerung. „Schwächen des Auktionsdesigns haben dazu geführt, dass einzelne Akteure Preise in Regionen, in denen kein ernsthaftes Interesse bestand, in die Höhe getrieben haben“, sagte Drei-Chef Jan Trionow. Das Ergebnis ist, dass 5G in Österreich jetzt teilweise ungenützt bleibt, auch in Wien. Mehr als sechs Prozent der Frequenzen sind den Branchenangaben zufolge nicht vergeben worden.

„Drei“ geht davon aus, dass der Frequenzerwerb durch die vier regionalen Bieter zu einem noch härter umkämpften österreichischen Mobilfunkmarkt führen wird. T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth sagte, man stelle sich auch gern dem neuen Wettbewerb mit der Salzburg AG und der Graz Holding, „wenn es ein marktwirtschaftlicher Wettbewerb ist“. Falls Kommunalpolitiker so Infrastrukturpolitik machen wollen, wo Förderungen hineinfließen, lehne man das ab. Die regionalen Bieter erklärten, mit 5G vorwiegend ländliche Gebiete mit Breitbandinternet versorgen zu wollen.

Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis der Versteigerung. „Das neue von der RTR gewählte Auktionsdesign war einfach und transparent“, erklärte Hofer in einer Aussendung. Auch die Gliederung in Regionen sei eine gute Entscheidung gewesen. Der Auktionserlös von 188 Mio. Euro sei zweckgebunden für die Breitbandförderung. „Im Gegensatz zu früheren Ausschreibungen lag der Fokus dieser Auktion auf Qualität und Ausrollung und nicht auf Erlösmaximierung für das Staatsbudget“, ergänzte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP).

Der Chef der teilstaatlichen Telekom Austria, Thomas Arnoldner, sagte, es sei eine „langfristige Investition in unser Mobilfunknetz“. Der mehrheitlich zu America Movil gehörende Ex-Monopolist will den Kaufpreis aus dem laufenden Geschäft finanzieren.

Die Lizenzen sind mit Versorgungsauflagen verbunden, ab 31. Dezember 2020 müssen 989 Funkstationen in Betrieb sein, ab 30. Juni 2022 müssen es 3.264 sein. Der Großteil der Auflagen betrifft A1, T-Mobile und Drei mit zunächst je 303 und später je 1.000 Standorten. Meist handelt es sich um die Umrüstung bestehender Sendemasten.

Zum Aufbau eines flächendeckenden Mobilfunknetzes eignet sich das versteigerte Frequenzspektrum jedoch nicht. Das Band 3,4 bis 3,8 Gigahertz (GHz) habe schlechte Ausbreitungseigenschaften, lasse dafür aber hohe Bandbreiten zu, damit sei es gut geeignet für hohe Internetgeschwindigkeiten in Ballungsräumen, erklärte die RTR.

Nächstes Jahr werden in einer Multiband-Auktion auch Bänder (700, 1.500 und 2.100 Megahertz) versteigert, die eine großflächigere Versorgung ermöglichen. Ein Mindestgebot gibt es für die Versteigerung im Frühjahr 2020 noch nicht, von der Regierung budgetiert sind 350 Mio. Euro.

5G soll Datengeschwindigkeiten ermöglichen, die mindestens 100 Mal schneller sind als die bestehenden 4G-Netze und für sehr niedrige Reaktionszeiten (Latenz) sorgen. Zudem müssen keine Unterbrechungen während der Übertragung befürchtet werden. Das sind Bedingungen, wie sie auch für künftige Schlüsseltechnologien nötig sind – etwa das autonome Fahren, virtuelle Realität und Industrie 4.0.

Der britische Staat hatte im April 2018 mit der Versteigerung neuer Mobilfunkfrequenzen umgerechnet fast 1,6 Mrd. Euro eingesammelt. Italien hatte im Oktober sogar 6,6 Mrd. Euro eingenommen. In der Schweiz flossen bei der Auktion heuer im Februar rund 380 Mio. Franken (335 Mio. Euro) in die Staatskassa. In Deutschland startet die Vergabe am 19. März.

(APA)