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Weiter große Lawinengefahr in Teilen Österreichs

Nach den heftigen Schneefällen am vergangenen Wochenende ist die Lawinengefahr in Teilen Österreichs auch am Montag groß geblieben. Betroffen waren vor allem der Westen Kärntens, Osttirol sowie an Südtirol angrenzende Gebiete Nordtirols. In Salzburg, Vorarlberg und dem Rest Nordtirols wurde die Lawinengefahr mit „3“ („erheblich“) eingestuft.

In Tirol ist unterdessen eine Debatte über die Verantwortung für das Schneechaos vom Wochenende entbrannt, während sich mit zunehmend schönem Wetter die Verkehrssituation wieder komplett beruhigte. So war der Brenner wieder frei befahrbar. Das Schneechaos hatte viele gestrandete und unter anderm in Innsbruck in Notunterkünften untergebrachte Reisende zur Folge.

Der italienische Frächterverband Anita machte die Tiroler Lkw-Fahrverbote dafür verantwortlich. „Das Chaos ist nicht den auf Schnee unvorbereiteten Lkw-Fahrern, sondern einfach Österreichs Lkw-Blockadepolitik zuzuschreiben“, hieß es in einer Aussendung der Frächter. Daraufhin folgte ein Konter von Tirols Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne). „Die Aussagen sind einseitig, populistisch und entbehren jeglicher Sachlichkeit“, sagte Felipe der APA. Der Leiter der Verkehrsabteilung der Tiroler Polizei, Markus Widmann, kritisierte zudem das Verhalten der Verkehrsteilnehmer. Diese seien „sehenden Auges in das Chaos“ gefahren.

Auch LH Günther Platter (ÖVP) wies die Kritik der italienischen Frächterverbände zurück. „Es kann nicht sein, dass bei jedem Problem, welches auf der A22 entsteht, die Tiroler Verkehrspolitik verantwortlich gemacht wird“, so Platter, der künftig einen schnelleren Informationsfluss forderte. Tirol habe die italienischen Behörden in dieser prekären Situation vollends unterstützt. Gemangelt habe es aber „anscheinend an der internen Kommunikation in Italien“, so der Tiroler Landeschef: „Ich fordere deshalb die italienischen Behörden auf, bei solch absehbaren Wetterereignissen eine bessere und schnellere Informationspolitik zu betreiben, denn es ist nicht das erste Mal, dass es stärker schneit – und es wird auch nicht das letzte Mal sein.“

Die möglichen Behinderungen auf der A22 in Südtirol hätten sich durch die anhaltenden Schneefälle in Italien bereits am Freitagabend abgezeichnet. Daher seien in Tirol auch die nötigen Vorkehrungen getroffen worden. „Offensichtlich ist es auf italienischer Seite der Brennerautobahn nicht gelungen, rechtzeitig für eine ausreichende Räumung der Fahrbahn in Richtung Norden zu sorgen“, kritisierte Platter. Trotz der großräumigen Ankündigungen der Brennersperre bereits in Bayern habe der Zulauf zum Brenner aber nicht gänzlich unterbunden werden können.

Die Lawinengefahr wurde am Montag vor allem in Lagen oberhalb von 1.600 Metern in weiten Teilen Ost- und Südtirols mit groß, also „Stufe 4“ der fünfteiligen Skala, bewertet. Einzelne spontane Lawinen seien immer noch möglich, teilte der Lawinenwarndienst mit. Für Wintersport abseits gesicherter Pisten sind die Verhältnisse gefährlich, hieß es. Nach dem Ende der intensiven Schneefälle nehme die spontane Lawinenaktivität deutlich ab. „Einzelne große spontane Lawinen sind aber immer noch möglich, besonders an sehr steilen Südhängen oberhalb von rund 2.300 Metern, dies vor allem am Nachmittag“, warnten die Experten. Zudem sind am Nachmittag an Südhängen einige kleine und mittlere trockene Lockerschneelawinen zu erwarten.

Auch im Westen Kärntens blieb die Lawinensituation zunächst weiter angespannt. Der Lawinenwarndienst des Landes stufte die Gefahr von den Karnischen Alpen bis zu den Hohen Tauern als groß ein. In Richtung Osten sank die Gefahrenstufe schrittweise. Das Wetter besserte sich zu Wochenbeginn deutlich, für Montag und die folgenden Tage war sonniges Wetter prognostiziert. Die Lawinenkommission plante Aufklärungsflüge, um die Situation noch besser einschätzen zu können. Wegen nur leichten Ostwinds und etwas milderer Temperaturen gingen die Experten von einer sinkenden Lawinengefahr aus.

Bei einem Lawinenabgang in Großkirchheim (Bezirk Spittal an der Drau) kam am Sonntagnachmittag ein Kärntner ums Leben. Nach Angaben der Polizei waren zwei Männer im Alter von 30 und 52 Jahren verschüttet worden. Der 52-Jährige konnte nur noch tot geborgen werden. Der Jüngere, der nur teilweise vom Schnee begraben worden war, überlebte das Unglück.

Auch ein 38 Jahre alter Villacher, der am Sonntag von einer Dachlawine einer Skihütte am Nassfeld (Bezirk Hermagor) verschüttet worden war, ist am Montag im Klinikum Klagenfurt gestorben. Das teilte die Landespolizeidirektion am Abend mit. Der Villacher sowie ein weiterer Mitarbeiter waren dabei gewesen, das Dach der Hütte freizuschaufeln, als sie vom Schnee in die Tiefe gerissen wurden.

Der 38-Jährige stürzte von einer Leiter auf die darunterliegende Terrasse und wurde von den Schneemassen verschüttet. Der zweite Mann, ein ebenfalls 38 Jahre alter Slowene, wurde nur teilweise verschüttet und konnte um Hilfe rufen. Nach mehreren Minuten wurde der Villacher ausgegraben. Die Reanimation durch andere Mitarbeiter und in weiterer Folge durch Bergrettung und Notärztin gelang zunächst. Im Klinikum verloren die Ärzte aber letztlich den Kampf um das Leben des Mannes. Der Slowene hatte den Unfall unverletzt überstanden.

Unterdessen war der im Salzburger Lungau einen Tag lang von der Außenwelt abgeschlossene Ortsteil Hintermuhr ab dem späten Vormittag wieder erreichbar. „Die Gefahr ist so weit zurückgegangen, dass die Straße wieder freigegeben werden kann“, sagte Bürgermeister Sepp Kandler (SPÖ). Derzeit sei mit größeren Lawinen nicht zu rechnen, man werde die Situation aber in den nächsten Tagen noch genau beobachten. In der Ortschaft der Gemeinde Muhr waren seit Sonntagfrüh 25 Häuser nicht mehr erreichbar gewesen. Nach Schneefällen in der Nacht waren mehrere Lawinen abgegangen, unter anderem wurde ein Teil der einzigen Straße nach Hintermuhr verschüttet. Verbreitet herrschte in Salzburg erhebliche Lawinengefahr (Warnstufe 3).

(APA)