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Maldeghem bleibt Intendant des Salzburger Landestheaters

Carl Philipp von Maldeghem bleibt nun also doch Intendant des Salzburger Landestheaters und wechselt nicht ans Schauspiel Köln. Die Freitagnachmittag bekannt gegebene Entscheidung begründet der 49-Jährige gegenüber mehreren Medien nun nicht nur mit der harschen Kritik in Deutschland an seiner am 24. Jänner verkündeten Berufung. Sein Schritt sei primär auch eine Entscheidung für Salzburg.

Gegenüber der deutschen „Bild“-Zeitung hob Maldeghem nochmals die „Schmutzkampagne“ in Köln hervor, die ihn verstört habe: „Die Aussicht auf eine vergiftete Atmosphäre in Köln machte mich nicht glücklich.“ Gegenüber dem „Bonner Generalanzeiger“ unterstrich der Theatermacher aber zugleich, dass sein Schritt nicht nur eine Entscheidung GEGEN Köln war: „Das ist eine Entscheidung für Salzburg. Ich habe den Eindruck, dass ich hier auf Dauer die besseren Möglichkeiten habe, das größere, intaktere Theater, mehr Zuschauer.“

Dass er von den Salzburger Proponenten mit Geld zum Bleiben überredet worden sei, stellte Maldeghem indes gegenüber den „Salzburger Nachrichten“ in Abrede: „Kulturpolitiker von Stadt und Land gaben am Freitag Signale der Unterstützung, ohne dass wir über Geld geredet hätten.“ Es sei vielmehr eine Frage des Vertrauens: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Aussicht auf meinen Abgang so wehmütig wahrgenommen würde. […] Da ist mir klar geworden, wie sehr mein Herz an Salzburg hängt.“

Das renommierte Portal www.nachtkritik.de bezeichnete in einem Kommentar Maldeghems Rückzug indes als „Erleichterung“, was nicht primär an dem kurzzeitig designierten Intendanten, sondern dem Vorgehen der Kulturpolitik der Domstadt liege: „Empörend und beschämend war an seiner Berufung nur eins: das selbstherrliche Gebaren der Kölner Kulturpolitik, ohne jede Diskussion mit der Stadtgesellschaft einen Intendanten zu installieren, der in der dritten Liga spielt, überregional nie aufgefallen war und schon gar nicht mit so etwas wie politischer Reibung oder Innovation. Eine künstlerische Notlösung ohne Not, weitgehend im Alleingang getroffen.“

Dass der gebürtige Bayer Maldeghem ohne breitere Diskussion in der Stadtgesellschaft installiert werden sollte, hatte zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. Die prononcierteste Stimme gegen Maldeghems Berufung war dabei wohl Friedenspreisträger Navid Kermani gewesen, der in einem Kommentar im „Kölner Stadt-Anzeiger“ von einer „Demütigung für Köln“ gesprochen hatte. In Maldeghems Biografie finde sich „nichts, was aufregend und frisch für eine Großstadt sein könnte“, kritisierte der Schriftsteller. Dieser Kandidat sei lediglich „bequem, dankbar und pflegeleicht“.

Maldeghem hatte am 24. Jänner überraschend erklärt, er werde im Sommer 2021 als Nachfolger von Stefan Bachmann Intendant am Schauspiel Köln werden. Sein eigentlich bis 2024 laufender Vertrag in Salzburg beinhalte eine Ausstiegsklausel. Dass er diese nun nicht zieht, stieß bei den offiziellen Vertretern der Stadt Köln auf Bedauern. „Persönlich kann ich seine Entscheidung sehr gut nachvollziehen“, zeigte sich Oberbürgermeisterin Henriette Reker in einer Aussendung allerdings verständnisvoll: „Ich habe großes Verständnis dafür, dass Herr Dr. von Maldeghem nach ungerechtfertigter Ablehnung und Vorurteilen, die seine Fachlichkeit betreffen, keine Ambitionen mehr hat, in Köln zu wirken.“

Nach all den Kalamitäten steht nun am Samstagabend wieder die praktische Theaterarbeit Maldeghems im Fokus: Im Landestheater hat seine Inszenierung von Ödön von Horvaths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ Premiere.

(APA)