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OMV kauft 15 Prozent an Raffinerie in Abu Dhabi

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV erwirbt um 2,5 Mrd. Dollar (2,2 Mrd. Euro) 15 Prozent an der ADNOC Refining in Abu Dhabi sowie einen ebenso großen Anteil an einem Trading Joint-Venture, das gegründet werden soll. Das hat die OMV am Sonntag bekanntgegeben.

Die Vereinbarung dazu unterzeichnete OMV-Chef Rainer Seele in Abu Dhabi mit ADNOC-Generaldirektor Sultan Ahmed Al Jaber. Bei der Unterzeichnung waren auch Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) und Kronprinz Sheikh Mohammed bin Zayed Al Nahyan anwesend.

Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der ADNOC (Abu Dhabi National Oil Company) und hat in Abu Dhabi eine Raffineriekapazität von 922.000 Fass pro Tag. Das umfasst auch die Ruwais-Raffinerie, Teil des Ruwais-Komplexes und weltweit viertgrößte Raffinerie an einem Einzelstandort.

Die Beteiligungsstruktur ADNOC Refinings und des zu gründenden Trading Joint Ventures wird wie folgt sein: OMV 15 Prozent, Eni 20 Prozent und ADNOC mit den verbleibenden 65 Prozent. Der 15-Prozent-Anteil der OMV wird at-equity bilanziert. Der endgültige Kaufpreis ist u.a. von der Nettoverschuldung zu Jahresende 2018 abhängig.

Mit dem Einstieg bei ADNOC Refining erhöht die OMV ihre Raffinerie-Kapazität um 40 und ihre Petrochemie-Kapazität um 10 Prozent. Durch den Deal steigt die jährliche Rohölverarbeitungskapazität der OMV um 7,1 Mio. Tonnen, die kleinste Raffinerie im OMV-Portfolio, Burghausen, kommt auf 3,8 Mio. Tonnen. „Wir haben fast zweimal Burghausen dazugenommen“, sagte OMV-Chef Seele.

„Diese Raffinerie sitzt logistisch gerade im Zentrum zwischen dem asiatischen und dem europäischen Markt, sie bedient aber auch den afrikanischen Markt“, so Seele zur APA. 70 Prozent der Kapazitäten dieser Raffinerie werden exportiert. 30 Prozent dienen dem Inlandsverbrauch, insbesondere um das Joint-Venture Borouge mit Petrochemikalien zu versorgen. An Borouge ist der Chemiekonzern Borealis beteiligt, an dem die OMV wiederum 36 Prozent hält. Die Verarbeitungskapazität der gesamten Raffinerie, an der sich die OMV nun beteiligt, beträgt 922.000 Fass pro Tag, „das ist fast das gesamte Rohöl, das Libyen zur Zeit produziert“.

Das Closing der Transaktion werde im dritten Quartal 2019 erwartet, aber rückwirkend zum 1. Jänner 2019, sagte Seele zur APA. Die Transaktion werde sich auf das OMV-Ergebnis bereits im ersten Jahr positiv auswirken. „Wir werden diese Beteiligungen at equity konsolidieren, das heißt, die werden nicht auf allen Ebenen in unsere Bücher eingehen, sondern wir werden im wesentlichen das Beteiligungsergebnis haben. Beim Beteiligungsergebnis erwarten wir eine zweistellige Rendite auf unser eingesetztes Kapital.“

Für die Finanzierung des Zukaufs will die OMV ihren operativen Cashflow nutzen. „Im letzten Jahr hat die OMV Akquisitionen in der Größenordnung von über 2 Mrd. Dollar getätigt“, so Seele, „die haben wir voll aus dem Cashflow finanzieren können. Das mag uns vielleicht nicht jedes Jahr gelingen. Wenn wir hier weiteren Finanzierungsbedarf haben sollten, dann würden wir entsprechende Bonds platzieren.“ Darüber werde man aber erst in den nächsten Monaten entscheiden.

Der Gesamtwert der OMV-Beteiligung wird auf 2,9 Mrd. Dollar geschätzt, darin enthalten sind rund 400 Mio. Dollar Nettoschulden. Gleichzeitig mit der OMV hat auch der italienische Energiekonzern Eni einen Anteil von 20 Prozent erworben, die ADNOC wird also nach dem Closing die verbleibenden 65 Prozent halten.

Das Golf-Emirat Abu Dhabi ist neben der Republik Österreich der zweite Kernaktionär der OMV. „Der heutige Einstieg der OMV bei ADNOC Refining wird unsere überaus guten & engen bilateralen Beziehungen mit Abu Dhabi weiter stärken“, twitterte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nach der Bekanntgabe des Deals. Für Seele gibt es in der Region „kein schöneres Paradies als Abu Dhabi. Hier haben wir die politische Sicherheit und extrem gute Beziehungen zwischen der Republik Österreich und Abu Dhabi, auf denen können wir aufsetzen. Wir haben uns mit dieser Beteiligung nicht nur ein laufendes Geschäft gekauft, sondern auch eine Option, hier weiter zu wachsen – sowohl im Raffineriebereich als auch im Petrochemiebereich.“

(APA)