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Profumo will Wien als Ost-Zentrale überdenken

UniCredit-Chef Alessandro Profumo hat am Mittwochabend klar gemacht, dass er Bankensteuern zur Sanierung der Staatsbudgets – also auch die von Österreich geplante Bankenabgabe – für einen großen Fehler hält.

Führt Österreich die von der Regierung auf 500 Mio. Euro pro Jahr veranschlagte Bankensteuer 2011 auf die Bank-Austria-Gesamtbilanz ein, wird für UniCredit die Frage ein Thema, ob Wien weiterhin die Osteuropa-Zentrale des Konzerns bleiben soll, bestätigte Profumo vor Journalisten in Wien: „Wir müssen darüber nachdenken“. Festgeschrieben ist Wien (also die Bank Austria) als Osteuropa-Zentrale des UniCredit-Konzerns im sogenannten Bank der Regionen-Vertrag. Diesen Vertrag nächstes Jahr zu ändern, dafür sieht Profumo jetzt aber keinen Anlass. „Warum sollten wir? Nein“.

Von der Bank Austria wurde bei dem Mediengespräch mit Profumo betont, dass die Warnungen in Sachen Bankensteuer nicht als Drohung einer bevorstehenden Abwanderung der CEE-Zentrale zu verstehen seien. Profumo fügte hinzu, dass es keine Businesspläne in der Causa gibt. Sehr wohl befürchtet die Bank Austria in Österreich viele Stellen streichen zu müssen, wenn sie künftig neue Steuern, Kosten für neuen Sparerschutz und neue Kapitalvorschriften zu verkraften hat.

Einlenken der Regierung erwartet

Anders als die meisten Beobachter in Österreich, die die 500-Millionen-Bankensteuer als unabwendbar werten, ist Profumo optimistischer, dass der Bund in Österreich bei der Bankensteuer einlenkt. Die UniCredit-Bank Austria-Gruppe wendet zum Beispiel ein, dass das Ost-Geschäft nicht doppelt belastet werden kann. Ungarn hat seine Bankensteuerpläne bereits im Parlament beschlossen. Und das Österreich-Geschäft selbst sei nicht brüllend profitabel, wird aus Mailand gegen eine Belastung der Austro-Erträge argumentiert. UniCredit sei gerade dabei, seine Gewinne in Österreich zu steigern.

Für Bankensteuern, mit denen Staaten die nach Bankenhilfspaketen klammen Budgets sanieren wollen, hat Profumo ausgerechnet für seine Gruppe kein Verständnis. UniCredit und Bank Austria haben keine Staatshilfen in Anspruch genommen, erinnerte der Mailänder Banker, der sich zudem „stolz“ gibt, dass seine Bank weiterhin Privaten gehöre. In Italien gibt es keine Bankensteuerpläne, sagte Profumo. Die überdurchschnittlich hohe Bankensteuer in Ungarn (700 Mio. Euro) hält der italienische Banker im übrigen für eine temporäre Angelegenheit.

Weil UniCredit heuer ihr Kapital ohne Staatshilfe um 4 Mrd. Euro erhöht hat, leitet Profumo aus den geplanten neuen Eigenkapitalregeln („Basel III“) aus jetziger Sicht keinen Bedarf an frischem Kapital ab. Alle Banken seien aufgefordert, ihr Kapital zu verbessern, vielfach sicher auch aufzufüllen. Den Streit um Ungleichbehandlungen zwischen Investmentbanken und Kommerzbanken sieht er entspannter. Es sei nicht so, dass Investmentbanken grundsätzlich nur Risiko hätten und Kommerzbanken kein Risiko. Es gehe um adäquate Kapitalausstattungen.

Profumo: Hohe Kapitalkosten

Die Kapitalkosten seien hoch, gab der UniCredit-Chef zu bedenken. Was der Markt erwarte: Bei einer rein national tätigen Bank wie etwa in Österreich rund 9 Prozent Kapitalverzinsung, für internationale Banken (Kommerzbanken) wären das mittlerweile schon 10,5 Prozent und bei Investmentbanken würden mindestens 12,5 Prozent auf das eingesetzte Kapital verlangt

Beim EU-weiten Banken-Stresstest hat sich laut UniCredit erwiesen, dass selbst unter Schockszenarien der Bedarf an frischem Kapital nicht so hoch sei wie viele fürchteten. Für Profumo war dieser Test notwendig zur Wiederherstellung des Vertrauens in die Bankenbranche. Über die Kriterien (es wurde etwa keine Staatspleite unterstellt) lasse sich sicher streiten. Wichtig sei, dass sie überall gleich seien. UniCredit hat im „Stress“ mit einer Kernkapitalquote (Tier 1) von 7,8 Prozent abgeschnitten, die Bank Austria ist als Konzerntochter noch nicht veröffentlicht. Für sie wird ein Stresswert von rund 9 Prozent beim Tier-1-Kapital kolportiert und bisher nicht dementiert. Töchter ausländischer Bankengruppen mussten ihre Ergebnisse bisher nicht verlautbaren. Da fallen Entscheidungen erst im August.

Übernahme vor fünf Jahren

Vor genau fünf Jahren, am 29. Juli 2005, hat UniCredit per Hauptversammlungsbeschluss die Übernahme der bayerischen HypoVereinsbank samt deren damaliger Tochter Bank Austria (Österreich und Osteuropa) perfekt gemacht. Für Profumo ist dieser Deal und die Heranbildung der heutigen „wirklich starken“ Gruppe besser verlaufen als damals in der Öffentlichkeit erwartetet. Größtenteils seien auch die eigenen Erwartungen übertroffen worden. Wo man hinter den Erwartungen blieb, sagte er nicht.

Die Gruppe sei gut aufgestellt und unglaublich stark in Osteuropa vertreten. Die heutige Bank Austria sei dreimal größer als vor fünf Jahren. Für die von der Wirtschaftskrise stark getroffene Region ist der UniCredit-Chef zuversichtlich. Befragt nach einer neuen Konsolidierungswelle unter Banken im Osten, sagte Profumo, größere Deals zeichneten sich derzeit nicht ab. In Polen hat sich UniCredit für die Bank BZ WBK interessiert. Der UniCredit-Chef bestätigte gestern Abend, dass seine Gruppe nicht mehr im Rennen ist. Die Gründe dafür seien „vielfältig“. Bei UniCredit rechnet man für diese polnische Bank eher mit einer „nationalen“ Lösung.

(APA)