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E-Mobile gestern und heute

Schon vor mehr als 100 Jahren gab es Autos mit Elektromotor. Seither konstruierten die Entwickler immer wieder Versuchsträger und Serienfahrzeuge. Doch der durchschlagende Erfolg bleibt bis heute aus. Dabei war der E-Motor einmal das überlegene Antriebskonzept.

Schon 1888 stellte die Coburger Maschinenfabrik Flocken eine Kutsche mit Elektromotor vor, hat Immo Mikloweit, Gründer der Automobilhistorischen Gesellschaft in Köln, recherchiert. Und in Paris hatte bereits sieben Jahre zuvor Charles Jeantaud eine Kutsche mit E-Motor gezeigt. „Der erste, der ab 1888 Elektroautos allerdings für die Serie entwickelte, war der Franzose Louis Kriéger“, weiß Mikloweit.

Zur Jahrhundertwende war das Rennen um den bevorzugten Antrieb noch nicht gemacht: Dampfwagen existierten neben Gefährten mit Verbrennungsmotoren und Stromfahrzeugen. Elektroautos hatten damals den Vorteil, dass sie weniger wartungsbedürftig waren als anders motorisierte Modelle. Doch je handhabbarer Verbrennerfahrzeuge wurden, desto mehr fielen die Nachteile des Elektroautos ins Gewicht. Das Hauptproblem sei damals schon die Batterie gewesen, so Mikloweit. Überlandfahrten waren wegen der geringen Reichweite nahezu unmöglich.

Die Autobauer blieben aber am Ball: Zur Pariser Weltausstellung 1900 hatte Ferdinand Porsche als Cheftechniker der k.u.k.-Hofwagenfabrik Jakob Lohner & Co. den Lohner-Porsche entwickelt, ein E-Auto mit Nabenmotoren an den Vorderrädern. „Dann hatte Porsche die Idee, zusätzlich zwei Verbrennungsmotoren einzubauen, die die Batterie laden“, berichtet Dieter Gross vom Porsche-Archiv. Die Reichweite stieg von 50 auf 200 Kilometer. Über 100 Jahre später debütierte bei Porsche der Panamera als Hybrid.

In den 1970er Jahren lebte die Idee vom E-Auto wieder auf. Zu den Olympischen Spielen in München 1972 präsentierte BMW den 1602, der bei den Marathonwettbewerben als Begleitfahrzeug eingesetzt wurde. Schon 1971 hatte Mitsubishi die Entwicklung von E-Fahrzeugen gestartet. Den Anfang machten die Modelle Minica Van EV und Minicab EV – lange vor dem seit 2009 verfügbaren i-Miev. Mitte der 70er Jahre begann Volkswagen mit der Forschung zur E-Mobilität.

Erstes Ergebnis der Wolfsburger war ein Golf I mit 20 kW/27 PS starkem E-Motor, der bis 1986 als Versuchsträger diente. Drei Jahre später debütierte der Golf City-Stromer auf Basis der zweiten Golf-Generation als Kleinserienfahrzeug. 1993 folgte der nächste City-Stromer auf Basis des Golf III, von dem bis 1996 120 Einheiten gebaut wurden. Den nächsten E-Golf planen die Wolfsburger für Ende 2013 auf Basis der siebten Auflage. Vorher startet der VW e-Up.

Während 1991 BMW lange vor dem für 2013 geplanten Stadtwagen i3 mit dem E1 den „Stand des Machbaren“ demonstrierte, und Citroën Bundeskanzler Helmut Kohl 1992 in Hannover das E-Stadtauto Citela vorführte, blieb auch Mercedes nicht untätig. Ab 1992 testete die Marke ihre Versuchsträger auf Rügen. 2003 brachten die Schwaben die Brennstoffzelle in die A-Klasse F-Cell. 2009 startete der Daimler-Konzern die Serienproduktion des Smart fortwo electric drive.

In Ingolstadt bei Audi verlief die Entwicklung der E-Fahrzeuge nahezu parallel, wenngleich man dort ein Hybridkonzept verfolgte: 1996 stellte die Marke den Dieselhybrid Audi Duo auf Basis des A4 Avant vor, den es ab 1997 für rund 60 000 Mark zu kaufen gab. Der häufig als Hybridvorreiter bezeichnete Toyota Prius ging im gleichen Jahr in Serie. Als reines E-Auto plant Audi aktuell eine A3-Variante.

In den USA leistete man sich bei General Motors mit dem EV1 einen Flop: 1996 ging das E-Auto in Serie. Wenig später forderte der Hersteller die Halter auf, ihre Autos zurückzugeben. Angeblich war die Versorgung mit Ersatzteilen nicht gewährleistet war. Jetzt hat der Konzern den Chevrolet Volt mit Range Extender und bei der Tochter Opel den baugleichen Ampera im Programm.

Aus Frankreich, wo einst die ersten E-Mobile in Serie gingen, kommen heute wieder recht viele Elektro- und Hybridfahrzeuge: Renault hat als Akkuautos die Modelle Kangoo Z.E., Fluence Z.E., Twizy und Zoe parat. Von Peugeot und Citroën surren die mit dem Mitsubishi i-Miev baugleichen Kleinwagen iOn und C-Zero umher. Als Dieselhybride liefert Peugeot die Modelle 508 und 3008 aus, und Citroën plant mit dem DS5 ebenfalls ein Fahrzeug mit dieser Technik.

(APA/dpa)