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Kinesio-Tapes erobern Olympia

Dem Schmerz eine kleben: Immer mehr Sportler kleben sich die bunten Bänder namens Kinesio-Tapes auf die Haut. Nachdem schon bei der Fußball-EM in Polen und der Ukraine Stars wie der italienische Dreifachtorschütze Mario Balottelli damit auffielen, ziehen nun auch die Olympioniken in London nach. Auch der deutsche Chef-Physiotherapeut Klaus Eder ist von ihrer vielfältigen Wirkung überzeugt.

Beachvolleyballerin Laura Ludwig hat zwei große blaue Streifen oberhalb der Bikinihose und lacht bei der Frage, was das denn sein soll: „Das ist zum Bauch halten. Der ist so dick geworden bei dem vielen Mensa-Essen.“ Die bunten Heftplaster sind Kinesio-Tapes und kleben in London auf der Haut aller möglichen Sportler. „Hier benutzen es 30 bis 40 Prozent aller Athleten“, schätzt Klaus Eder, Chef-Physiotherapeut des deutschen Olympia-Teams bei seinen bereits achten Spielen.

Kinesio-Taping liegt voll im Trend. Erfunden hat es der japanische Chiropraktiker Kenzo Kase bereits in den 70er Jahren. Nach Europa brachte es unter anderem der frühere niederländische Fußball-Profi Alfred Nijhuis, der einst nicht nur in der Bundesliga beim MSV Duisburg spielte, sondern auch in Japan. Eder, der seit einem Vierteljahrhundert auch die DFB-Auswahl betreut, hat es vor zehn Jahren erstmals entdeckt und verwendet es auch bei den Nationalspielern. Der 59-Jährige aus Donaustauf schwärmt von den vielfältigen Möglichkeiten des elastischen Klebebandes.

„Das Kinesio-Tape ist sowohl präventiv als auch rehabilitiv verwendbar“, erklärt Eder und anscheinend hilft das Wunderpflaster gegen fast alles. „Es unterstützt die Muskeln bei der Bewegung, es vitalisiert die Nerven, es verbessert den Fluss der Körperflüssigkeiten und den Stoffwechsel der Haut.“ Bei Bänderdehnungen werde es eingesetzt, auch bei geschwollenen Gelenken und bei Muskelverletzungen. Studien an Lymphgefäßen hätten bewiesen, dass die Technik therapeutische Wirkung habe. Medizinische Ratgeber im Internet empfehlen es unter dem Motto: Dem Schmerz eine kleben.

Doppel-Europameisterin Laura Ludwig (Berlin) will mit Kineso-Tapes natürlich keine Fettpölsterchen kaschieren, sondern hatte Rückenprobleme: „Die kommen aber vom Bauch, daher, habe ich den etwas entspannt.“ Ihre Physiotherapeutin klebt es drauf und macht es wieder ab. „Ein paar Haare gehen schon verloren, es zieht schon. Aber es gibt Schlimmeres“, erklärt ihr Beachvolleyball-Kollege Jonathan Erdmann. Der 24-Jährige aus Potsdam hat „ein bisschen Stress mit der Wade, weil der Sand ziemlich tief ist. Ein Tape unterstützt mich, dass ich trotzdem springen kann.“

Auch viele Tennisprofi benutzen das auffällige Pflaster, wie Olympia-Teilnehmerin Julia Görges berichtet: „Ich spiele lieber mit einem Kinesio-Tape als mit einem Leuko-Tape, weil es einfach angenehmer ist.“ Kinesio wird auch von Ärzten, Heilpraktikern und Krankengymnasten angeboten. Die Klebefläche der Bänder besteht aus Acryl, die Außenseite aus Baumwolle und ist meist in blau, rot, schwarz oder gelb zu sehen. Es gibt sogar eine „Farbenlehre“ (Eder) dazu. Blau entzieht zum Beispiel Energie, Rot verstärkt sie.

(APA/dpa)