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Lebende Brücken – Unterwegs in Meghalaya

Im kleinen indischen Bundesstaat Meghalaya überragen Kirchen Hindutempel. Baumwurzeln biegen sich zu Brücken. Unzählige Grotten locken auch Höhlenfans: Der Nordosten Indiens bietet Urlaubern ungeahnte Möglichkeiten.

Es ist ein bisschen wie im Märchen- und Elfenwald der Film-Trilogie „Herr der Ringe“: Meghalaya ist das Land der Berge, der grünen Hügel, der reißenden Flüsse und Wasserfälle in der üppigen Regenzeit sowie das Land faszinierender Höhlen und eines ungewöhnlichen Rekordes: In Cherrapunji, knapp 1.400 Meter hoch und westlich von Mawlynnong, posieren Touristen vor einem Schild: „The wettest place on planet earth“ steht dort Schwarz auf Gelb. Die Ehre, wer der nasseste Platz auf dem Planeten Erde ist, wechselt manchmal. Auch woanders in Meghalaya und auf Hawaii gibt es Orte mit weltrekordverdächtigen Regenmengen.

Wegen der grünen Hügel und klaren Bäche fühlten sich manche Briten während der Kolonialzeit an ihre Heimat erinnert und nannten Meghalaya „Schottland des Ostens“. „Den Beinamen hat die Region auch wegen der Trinkgewohnheiten“, sagt Robert Garnett Lyngdoh schmunzelnd. Der Geschäftsmann, ein Khasi, war früher Tourismusminister. „Unglaublich, wie ordentlich und gepflegt Mawlynnong ist, das sauberste und schönste Dorf in meinem Land“, sagt Manu Singh. Das Panorama: Unendliches Grün mit einigen roten und grauen Dachtupfern und der Spitze eines kleinen Kirchturms.

Father Joseph begrüßt die meisten Gläubigen persönlich mit einem freundlichen Händeschütteln. Der katholische Priester hat viel zu tun an diesem ganz normalen Sonntag. Die große Cathedral of Mary Help im 1500 Meter hohen Shillong in den Khasi-Bergen strahlt in hellem Blau und geht farblich fast nahtlos in den wolkenfreien Himmel über. Die Kirche hat etwa 700 Sitzplätze. „In zehn Minuten sind die alle voll“, sagt der Pfarrer und schaut dabei auf seine Uhr. Und an Weihnachten und Ostern? „Dann übertragen wir mit Lautsprechern auch nach draußen.“ Die britischen Kolonialherrscher haben viele Missionare mitgebracht, Kirchen gebaut – und 1898 in Shillong auch einen Golfplatz.

Nahe Shillong liegen Attraktionen wie die Elephant-Wasserfälle und die heiligen Haine der Khasi sowie der von Kiefern umsäumte Umiam See mit Hotels, Boots- und Tauchtouren. Am Weg parken drei bunt bemalte Lastwagen: Einer mit Jesus über dem Frontfenster, einer mit einem Hindu-Gott und der dritte mit einem Hahn, das Symbol für Khasi-Riten. Im kleinen Meghalaya leben nur drei Millionen Menschen. Etwa 86 Prozent sind Adivasi, wie sich die indigene Bevölkerung nennt, die wichtigsten Stämme Khasi und Garo.

Doch nicht nur Naturliebhaber zieht es nach Meghalaya: Sportliche Urlauber reizen die vielen Tropfsteinhöhlen in Meghalaya. Veranstalter organisieren Caving-Touren mit Klettern, Kriechen, Waten, Floßfahrt.

(APA/dpa)