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Mittsommerfeiern in Europa

Wenn die Sonne nicht untergeht: In der Mittsommernacht – dieses Jahr vom 20. auf den 21. Juni – feiern viele Menschen eine besondere Magie. Je nach Land spielen Traditionen, heidnische Bräuche oder der Tourismus die Hauptrollen.

„Midsommar“ in Schweden: Blonde Frauen und Männer aller Altersgruppen schmücken sich mit einem Blumenkranz auf dem Haupt, ganze Sippen tanzen um den Maibaum und ganze Ortschaften trinken viel Schnaps und Bier zu Hering, Rotfisch und Kartoffeln: In keinem anderen Land wird das Mittsommerfest so intensiv gefeiert wie bei den Schweden, wo es auch im südlichen Landesteil zur Sommer-Sonnenwende kaum noch dunkel wird. Das halbe Land ist hier auch am frühen Morgen noch auf den Beinen.

Das lange Wochenende mit einem arbeitsfreien Freitag kommt für die Skandinavier gleich nach Weihnachten. Oder vielleicht noch vorher, denn das ganze Land freut sich jetzt auf die zwei vielleicht doch mal richtig warmen Monate des Jahres. Die Idylle des alle verbindenden Tanzes um den Maibaum wie bei Astrid Lindgren stimmt aber längst nicht überall mehr. Teenager finden die alten Traditionen peinlich und verdrücken sich lieber zum „alternativen Mittsommer“ irgendwo an einem stillen Seeufer.

Nach dem inoffiziellen Nationalfeiertag meldet sich auch jedes Jahr die Polizei mit der oft traurigen Mittsommer-Statistik über Schlägereien als Folge von Suff. Mal geht es überraschend friedlich zu, und mal gar nicht. Das ist so unberechenbar wie die angeblich zu Mittsommer besonders süß schmeckenden schwedischen Erdbeeren.

In Russland in der früheren Zarenmetropole St. Petersburg sind die „Weißen Nächte“ das Highlight des Jahres. Auch nachts bleibt in der Metropole an der Ostsee die Sonne über dem Horizont. Das Ereignis lockt in der Zeit vom 11. Juni bis zum 2. Juli alljährlich Tausende Touristen in die Newa-Metropole. Es ist eine schlaflose Zeit für die Millionenstadt, denn neben den Besuchern ziehen Schüler und Studenten bis spät in die Nacht durch die Straßen und Liebespärchen bevölkern die Parkanlagen.

Das wohl wichtigste Ereignis ist die Schüler-Abschlussparty namens „Purpurrote Segel“, die um die Sommersonnenwende herum gefeiert wird – ein grandioses Fest mit Feuerwerk und Lasershow über dem Fluss Newa und einem riesigen Open-Air-Konzert auf dem Schlossplatz.

England: Nach Stonehenge im Süden lockt ein besonderes Sommersonnenwende-Spektakel jedes Jahr tausende Sonnenanbeter, Druiden oder einfach nur Neugierige. Die Kulturerbe-Organisation English Heritage erwartet am 21. Juni im Olympia-Jahr rund 20 000 Besucher am prähistorischen Steinkreis, etwas mehr als im vergangenen Jahr. Allerdings sind die Wetterprognosen mit hoher Regenwahrscheinlichkeit nicht so verheißungsvoll.

Die Schaulustigen harren traditionell in der Nacht an dem 1986 zum Weltkulturerbe erklärten Ort aus und vertreiben sich die Zeit bis die Sonne aufgeht mit heidnischen und anderen mystischen Ritualen. „In der Nacht gibt es Gelegenheit zum Feiern. Es wird spontan getrommelt, Musik gemacht, getanzt und Poesie gelesen“, erklärt der 58-jährige Leiter der Druidenfeiern, der selbsternannte King Arthur Pendragon.

(APA/dpa)