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„Film ab“ beim 29. Filmfest München

Mit dem Film „Der Junge mit dem Fahrrad“ der belgischen Regie-Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne hat das 29. Filmfest München am Freitag begonnen. „Das wird ein Festival des Films“, sagte Festivalleiter Andreas Ströhl bei der Eröffnung seines letzten Filmfestes. Ströhl tritt nach acht Jahren an der Spitze der Veranstaltung ab.

Zu Beginn seiner Rede erinnerte er an den verstorbenen Filmemacher Peter Schamoni, der wenige Stunden zuvor in Seeshaupt am Starnberger See beigesetzt worden war. „Wir werden Peter Schamoni sehr vermissen.“ Ein Thema vieler Filme auf dem diesjährigen Fest seien vernachlässigte oder misshandelte Kinder, die unter Erwachsenen leiden, sagte Ströhl. So auch der Eröffnungsfilm.

Die Dardenne-Brüder erzählen darin die anrührende Geschichte des Heimjungen Cyril (Thomas Doret), der sich mit dem Fahrrad auf die Suche nach seinem Vater macht. „Es ist das erste Mal, dass einer unserer Filme dieses Festival eröffnet“, sagte Jean-Pierre Dardenne der Nachrichtenagentur dpa. „Aber wenn wir einen Film fertiggestellt haben, dann lassen wir ihn los. Dann ist er der Film eines jeden Zuschauers. Wir können dann nichts mehr machen“, fügte sein Bruder Luc hinzu. Die Brüder, die seit den 70er Jahren zusammen arbeiten, waren zuletzt vor sechs Jahren auf dem Filmfest zu Gast – damals mit ihrem Erfolgsfilm „Das Kind“.

Fast traditionell ließen die ganz großen internationalen Leinwand-Stars sich auch in diesem Jahr nicht zur Eröffnung auf dem roten Teppich in München blicken. Dafür kam viel einheimische Prominenz wie Jutta Speidel, Suzanne von Borsody und Liedermacher Konstantin Wecker. Schauspielerin Speidel sagte: „Es ist sehr viel persönlicher als die Berlinale“. Ihre Kollegin Michaela May sprach von einem „Klassentreffen“.

Auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) wagte den Vergleich mit dem großen Festival in Berlin – nicht ohne deutliche Spitze: „Wie arm muss man eigentlich sein, um Geld so hemmungslos ausgeben zu können“, fragte er mit Blick auf das weitaus höhere Budget des Berliner Festivals. „Wir in München haben dieses höhere Stadium noch nicht erreicht.“

Bis zum 2. Juli stehen in München 237 Filme aus mehr als 50 Ländern und insgesamt mehr als 400 Aufführungen in Kinos in der ganzen Stadt auf dem Programm. Mit dem US-Amerikaner John Malkovich und seiner britischen Kollegin Charlotte Rampling haben sich auch zwei internationale Schauspielgrößen angekündigt.

Ströhl hat das Festival stets unter dem Motto Gespräche statt Glamour geführt. Im kommenden Jahr wird seine Nachfolgerin Diana Iljine das 30. Festival leiten. Sie hat bereits angekündigt, den Glamour-Faktor in Zukunft erhöhen zu wollen.

(dpa)