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Forscher schauen in die Energiezukunft

Nachhaltige Ressourcennutzung, Emissionsreduktion und klimaschonender Umgang mit Energie sind zentrale Aspekte zukünftiger gesellschaftlicher Herausforderungen. Verschiedenen wissenschaftlichen Herangehensweisen an diese Thematiken widmete sich der 6. „Science Brunch“, der kürzlich vom Klima- und Energiefonds in Kooperation mit der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) in Wien veranstaltet wurde.

„Entcarbonisierung“ braucht zielgerichtetes Handeln

Mit den aktuellen Rahmenbedingungen und der möglichen zukünftigen Entwicklung der Treibhausgasfreisetzung setzen sich Christian Redl von der TU Wien und Lukas Liebmann vom Wegener Zentrum der Universität Graz auseinander. Sie nehmen an, dass sich die europäischen Energiesysteme bis zum Jahr 2050 eher angleichen werden. Die Gründe dafür liegen für die Wissenschafter darin, dass alle EU-Staaten vor der gleichen Herausforderung stünden, nämlich der Reduktion ihrer Emissionen um etwa 80 Prozent, um einer Temperaturerhöhung über drei Grad Celsius weltweit entgegenzuwirken.

In ihrem Modell gehen die Forscher davon aus, dass der Treibhausgasausstoß vor allem von der Bevölkerungsentwicklung, dem Wohlstand und der technologischen Entwicklung einer Gesellschaft abhängt. Ohne zielgerichtete Aktionen würde sich punkto „Entcarbonisierung“ der Energieerzeugung wenig tun, wie die Projektionen von Liebmann zeigen.

Ähnlich sieht diese Thematik auch Reinhard Haas von der TU Wien, der eindringlich davor warnt, die Hände in den Schoß zu legen und die „rosarote Brille“ aufzusetzen. In seiner Betrachtung alternativer Energieträger der Zukunft (Endbericht im Herbst) strich er hervor, dass die Implementierung dieser Energieträger mit großen Anstrengungen verbunden sein wird. Haas zeigte in seinem Gesamtkostenvergleich verschiedener Rohstoffe eine Verbindung zwischen dem Ölpreis und den Preisen für Basisressourcen von Biotreibstoffen auf.

Klar sei, dass die Attraktivität von alternativen Energiequellen eng mit deren Preisentwicklung zusammenhängen werde. In seinen Prognosen erreichen Biotreibstoffe erst zwischen 2020 und 2030 die Wirtschaftlichkeit von fossilen Treibstoffen. Haas wies in diesem Zusammenhang auf begrenzte Anbauflächen für Energiequellen wie Raps und verschiedene Getreidesorten in Österreich und somit auf das begrenzte Potenzial von Biotreibstoffen der ersten Generation hin. Durchaus Potenzial sieht er aber vor allem für Biodiesel der zweiten Generation, der aus Grundstoffen wie Zellulose, Sägenebenprodukten und Abfallprodukten aus der Landwirtschaft hergestellt werden könnte.

Die Frage nach der Zielgruppe

Wie sieht es aber nun mit der Bereitschaft der Bevölkerung zur Implementierung energiesparender Verhaltensweisen und der Akzeptanz von Energiesparmaßnahmen aus? Roland Hierzinger von der Österreichischen Energieagentur stellte als Koordinator des Projekts „Energy Styles“ eine im Zuge der Untersuchung gefundene „Energielifestyle-Typologie“ vor. Den Hintergrund für die Studie bildet die Erkenntnis, dass breit angelegte Programme nur selten auf ihre Wirksamkeit überprüft werden und somit oft nicht klar ist, welche Bevölkerungsgruppen damit erreicht wurden bzw. erreicht werden sollten. Die Analyse förderte fünf verschiedene „Energietypen“ zu Tage, die sich hinsichtlich ihrer Motiv- und Wertestruktur und in ihrem sozioökonomischen Hintergrund unterscheiden. Laut den Studienautoren könnte diese Gegenüberstellung dabei helfen, an bisher schwer erreichbare Zielgruppen heranzukommen und Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung in Zukunft zielgerichteter auf bestimmte Gruppen zuzuschneiden.

Den Ansatz der direkten Ansprache von Verbrauchern verfolgt die Methode des Dialogmarketings, dem sich Reinhard Hössinger von der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien wissenschaftlich annähert. Diese Methode zielt auf die „Unterstützung zur Verhaltensänderung von Konsumenten“ ab, so der Wissenschafter. Diese Herangehensweise erfolge bereits insofern adaptiv, als dass hier nach einer Vorabinformation per Anruf eine Segmentierung der Konsumenten hinsichtlich ihrer Interessen stattfinde, und die Zielpersonen dann die von ihnen benötigten Informationen selbst auswählen können.

In einer vorläufigen Analyse fand Hössinger heraus, dass das Interesse an Energiesparmaßnahmen hinter dem Interesse an Mobilitätsthemen liegt, was er und sein Team vor allem auf die Komplexität und die noch nicht hinreichende Verankerung der Thematik in der Bevölkerung zurückführen. Das Dialogmarketing biete insgesamt eher Möglichkeiten bei der Propagierung von einfacheren Energiesparmaßnahmen, wogegen für komplexe Gebäudesanierungsmaßnahmen tiefer gehende Strategien bessere Ergebnisse erbringen könnten, schränkte Hössinger ein.

Beweggründe der Veranstaltung

Die Veranstaltungsreihe bietet Projekten ein Forum, die im Zuge der Ausschreibungen „Neue Energien 2020“ vom Klima- und Energiefonds gefördert werden. Ziel ist es, die Vernetzung innerhalb der Scientific Community zu fördern, wissenschaftliche Diskussionen und die kritische Reflexion über konkrete Forschungsarbeiten anzuregen. Unter dem Titel „Foresightstudien/Verhaltensänderungen zur Erreichung der Klimaziele“ fokussierte man auf zukunftsgerichtete Strategien, die zu Verbesserungen bei der Klimazielerreichung beitragen könnten.

(APA)