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Arbeitsmarktöffnung – „EU-10“-Zuwanderer meist gut ausgebildet

Am 1. Mai laufen die noch geltenden Übergangsbeschränkungen für Arbeitnehmer aus 2004 der EU beigetretenen Staaten aus. Schon jetzt leben in Österreich rund 167.300 Menschen im Alter von 15 oder mehr Jahren, die in einem Land der „EU-10“ geboren wurden. Berücksichtigt man lediglich die Staatsangehörigkeit, so sind es 82.800. Die Zuwanderer aus den zehn Staaten sind in überwiegendem Maße gut ausgebildet, wie die aktuellsten verfügbaren Zahlen der Statistik Austria für das dritte Quartal 2010 zeigen.

78.200 der in Österreich lebenden Personen mit „EU-10“-Geburtsland haben demnach Matura oder eine höhere Ausbildung, rund 64.100 haben eine Lehre oder eine berufsbildende mittlere Schule (BMS) abgeschlossen, und insgesamt 25.000 verfügen über einen Pflichtschulabschluss als höchste Ausbildungsstufe. Damit ist die Zahl derer, die nach eigenen Angaben mindestens Matura haben, mehr als dreimal so hoch wie die der reinen Pflichtschulabsolventen.

Sowohl bei den Erwerbstätigen (86.700) als auch bei den Nicht-Erwerbstätigen (80.600) – in diese Gruppe fallen nicht nur Personen im Haupterwerbsalter, sondern auch Pensionisten – stellen die Personen mit reiner Pflichtschulausbildung die kleinste Gruppe. Das war auch schon im Beitrittsjahr 2004 so: Damals lebten 152.800 Menschen im Erwerbsalter aus den neuen EU-Ländern in Österreich, von denen 62.200 mindestens Matura hatten, 58.400 eine Lehre oder BMS und 32.200 einen Pflichtschulabschluss.

Unter den Erwerbstätigen entfielen im dritten Quartal des Vorjahres 8.100 Personen auf die Baubranche, 10.600 auf sonstige Industrien und Gewerbe, 11.100 auf den Handel, 11.200 auf den Bereich Beherbergung und Gastronomie, und der überwiegende Rest, 45.700, auf sonstige Dienstleistungen. Darunter fallen unter anderem das Sozial- und Gesundheitswesen, der Verkehrs- und der Finanzbereich sowie Information und Kommunikation. Während bei Frauen der Handel mit 8.300 Beschäftigten einen wichtigen Bereich darstellte, war es bei den Männern mit 7.500 Beschäftigten die Baubranche. Eine derartige Diversifizierung nach Geschlecht ist auch generell auf dem österreichischen Arbeitsmarkt zu beobachten.

Beim Zuzug von Bürgern der „EU-10“ lag im Jahr 2009 Ungarn mit 5.778 Staatsangehörigen an erster Stelle, gefolgt von der Slowakei mit 4.023, Polen mit 3.848 und Tschechien mit 1.258. Allerdings zogen im selben Jahr auch 3.869 Ungarn, 3.634 Polen, 3.067 Slowaken und 1.142 Tschechen aus Österreich weg. Besonders niedrig fielen die Zahlen für Zypern und Malta aus: 27 im Jahr 2009 neu zugezogenen Zyprioten stehen 18 wieder weggezogene gegenüber. Aus Malta kamen zwölf Bürger nach Österreich, zehn verließen es. Für 2010 liegen die Zahlen noch nicht vor.

Josef Kytir, der bei der Statistik Austria für Bevölkerungs- und Arbeitsmarkt verantwortlich ist, geht davon aus, dass sich die Zuwanderung aus den Staaten der „EU-10“ nach dem 1. Mai um eine Spur erhöhen wird. „Aber einen eklatanten Zuwanderungsboom wird es unserer Einschätzung nach nicht geben. Es muss die Qualifikation passen, und es muss der Arbeitsplatz passen, und es muss sich am primären Arbeitsmarkt abspielen“, erklärt er. Auf diesem gesetzlich und sozialversicherungstechnisch geregelten Arbeitsmarkt stehe nur eine begrenzte Zahl unbesetzter Stellen zur Verfügung, und umgekehrt müsse auch die Qualifikation der Bewerber passen. Auf den sekundären Arbeitsmarkt, den Bereich der Schwarzarbeit, werde sich das Ende der Übergangsregelungen kaum auswirken, meint Kytir.

Der Zuzug werde in hohem Maße davon abhängen, wie sich die Nachfrage am Arbeitsmarkt entwickle. „Wenn die Konjunktur weiter sehr gut läuft, wird es natürlich ein bisschen mehr und höher sein, als in einer Situation, wo die Nachfrage nach Arbeitskräften nicht so groß ist.“ Entscheidend werde neben der Konjunkturentwicklung in Österreich aber auch jene in anderen europäischen Ländern sein, denn gut ausgebildete Facharbeiter hätten natürlich auch anderswo Möglichkeiten. „Es spielen so viele Faktoren eine Rolle, die weit über das hinausgehen, was man in Österreich überblicken kann, dass es unseriös wäre, jetzt konkrete Zahlen nennen zu wollen.“

Erste Schätzungen der Statistik Austria gingen generell davon aus, dass der Wanderungssaldo bei Ausländern – also die Gegenüberstellung von Zu- und Abwanderungen – ansteigen dürfte. 2009 seien etwa 25.000 mehr ausländische Staatsbürger zu- als abgewandert, so Kytir. Die Schätzung für 2010 gehe von einem Wanderungsgewinn von rund 30.000 Personen aus. 2011 und 2012 könnten laut Prognose um jeweils 35.000 bis 40.000 mehr Ausländer zu- als abwandern. Allerdings handelt es sich dabei um eine Gesamtschätzung, die alle Herkunftsländer einschließt, wie der Experte betont.

(APA)