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Austro-Kapitalmarkt derzeit „ausgetrocknet“

Internationale Investoren haben immer mehr Gründe, ihr Geld 2011 in Schwellenländern wie Brasilien oder China anzulegen. Diese Staaten erhöhten ihre wirtschaftlichen Aktivitäten und verbesserten deren Kapitalmarktsysteme und institutionelle Strukturen.

Dies ergab ein am 23. März präsentierter Index für Venture Capital und Private Equity, der seit 2007 vom International Center for Finance Research gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Ernst & Young erhoben wird. Österreich erreichte im Länderranking zwar den 22. Platz von 80 Staaten – es gibt hierzulande aber große Probleme, etwa bei der Kapitalmarkttiefe und beim Anlegerschutz. Dass Österreich seit 2007 um einen Rang vorgerückt ist, sei großteils darauf zurückzuführen, dass „wir deutlich besser durch die Krise gekommen sind als andere Länder“, sagte Gerhard Schwartz von Ernst & Young zur APA. „Davon abgesehen haben wir uns in allen anderen Bereichen verschlechtert.“

Schwergewichte haben Wiener Börse verlassen

Sorgen macht Schwartz insbesondere der heimische Kapitalmarkt, der aus seiner Sicht „ein bisschen ausgetrocknet“ ist. Die Wiener Börse habe in den vergangenen Jahren „massiv“ an Schwergewichten verloren. So sei weder die von Siemens übernommene VA Tech, noch die AUA, die nur mit staatlicher Mitgift an die deutsche Lufthansa verkauft werden konnte, oder die Constantia Packaging ersetzt worden.

Der letzte Börsengang habe 2007 stattgefunden (Strabag). Heuer würden zwar zwei bis drei IPOs erwartet, sollten sich in anderen Ländern aber mehr Unternehmen an die Börse wagen, „könnten wir trotzdem verlieren“. Auch mit der Liquidität am Wiener Handelsplatz sehe es eher mau aus. „Die Free Floats der Gelisteten sind nicht so riesengroß.“ Zugutegekommen sei Österreich bei der Kapitalmarkttiefe der im Vergleich zu anderen Ländern geringere Anteil der faulen Kredite (Non Performing Loans) heimischer Banken.

Verschlechterung im Ausbildungsbereich

Massiv verschlechtert habe sich Österreich hingegen im Ausbildungsbereich (von Rang 13 auf 17). „Da trifft die Politdiskussion voll ins Schwarze“, konstatierte Schwartz. Die Probleme im Bildungsbereich würden „durchaus in der Wirtschaft gesehen.“ Auch bei den Kriterien Innovation, Unternehmensgründungen und Forschung und Entwicklung sowie bei der Korruption ist Österreich etwas abgerutscht.

Besorgniserregend sei auch die Verschlechterung im Bereich Anlegerschutz und Corporate Governance. Trotz jahrelanger Diskussion habe Österreich als letztes Land der EU noch immer keine Enforcementstelle („Bilanzpolizei“) installiert. Die Probleme mit dem Corporate Governance Kodex, also jenem Regelwerk, dem sich börsenotierte Unternehmen freiwillig unterwerfen, machten sich mittelbar bemerkbar. „Man sinkt in der Attraktivität des Kapitalmarkts“, sagte der Experte. Puncto Besteuerung landete Österreich diesmal auf dem noch recht guten 9. Platz. Die neue Kursgewinnsteuer (Wertpapier-KESt) sei hier aber noch nicht berücksichtigt, warnte Schwartz. Diese sei „nicht förderlich“.

USA, Großbritannien und Kanada an der Spitze

Am besten abgeschnitten haben die USA, Großbritannien und Kanada. Sie bekommen laut einer Aussendung Bestnoten in Bezug auf die von dem Index berücksichtigten sechs wichtigsten Faktoren für die Venture-Capital- und Private-Equity-Attraktivität eines Landes: wirtschaftliche Aktivität, Kapitalmarkttiefe, Besteuerung, Anlegerschutz und Corporate Governance, Arbeitsmarkt und soziales Umfeld sowie Unternehmenskultur und Transaktionsmöglichkeiten.

Brasilien habe sich in den vergangenen fünf Jahren am besten entwickelt: Das Land konnte 14 Plätze gutmachen und belegt heuer Rang 43. Auch Indonesien und Saudi-Arabien haben große Schritte gemacht und sind um je elf Plätze auf Rang 48 bzw. 25 vorgerückt. Federn lassen mussten dagegen – wenig überraschend – Europas Sorgenkinder: Irland verschlechterte sich um zehn Plätze, Spanien rutschte von Rang 20 auf Rang 23 ab, auch einzelne osteuropäische Länder büßten einige Plätze ein.

(APA)