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Arbeitsmarkt: Wettbewerb um die besten Kräfte

Mit der Öffnung des Arbeitsmarktes am 1. Mai steigt auch Österreich in den europäischen Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte ein. Es werde aber nicht leicht werden, denn die meisten gut ausgebildeten Fachkräfte sind bereits vergeben, so der Chef des Personalanbieters startpeople, Michael Wottawa, bei einem Pressegespräch.

Österreich habe ein für ausländische Arbeitskräfte „nicht sehr freundliches Image aufgebaut“. Die Folge sei, dass zum Beispiel die Polen lieber nach Großbritannien oder Holland gehen, denn „dort werden sie geschätzt“. Ab Mai werden auch in Österreich und in Deutschland nach siebenjährigen Übergangsregelungen die Arbeitsmärkte für die Bürger aus den acht osteuropäischen Ländern geöffnet, die erst 2004 der Union beigetreten sind.

Damit können Polen, Ungarn, Tschechen, Slowaken, Slowenen, Esten, Letten und Litauer ohne Einschränkungen, also ohne Ausländerbeschäftigungspapiere, in Österreich arbeiten. Bei den österreichischen Unternehmen bestehe ein hoher Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften. Allerdings würden auch in Tschechien oder Polen Facharbeiter gesucht, so dass es immer schwieriger werde, gute Arbeitskräfte nach Österreich zu holen, so Wottawa.

Er geht davon aus, dass rund 25.000 Arbeitskräfte durch die Ostöffnung nach Österreich kommen werden und schließt sich damit den Schätzungen des Arbeitsmarktservice (AMS) an. Davon dürften rund 40 Prozent Facharbeiter sein. Werben werden die österreichischen Personalvermittler mit hohem Lohnniveau und besten Arbeitsbedingungen. Denn: Das Lohnniveau für einen Facharbeiter in der Slowakei liegt derzeit immer noch um 70 Prozent unter jenem in Österreich.

Lohndumping werde es in Österreich nicht geben, meint Wottawa. Alle Zeitarbeiter und fixen Mitarbeiter unterliegen den in Österreich geltenden Kollektivverträgen. Probleme könne es aber bei der Anerkennung von Zeugnissen und Qualifikationen und durch Sprachbarrieren geben.

Der Zeitarbeitsmarkt in Österreich werde in den nächsten Jahren kräftig zulegen. Bis 2013 erwartet Wottawa nahezu eine Verdoppelung von jetzt 66.000 auf 120.000 Zeitarbeiter. Denn Österreich habe im europäischen Vergleich ein enormes Aufholpotenzial. Bei einem Anteil von 2 Prozent der Zeitarbeitskräfte in Relation zur Gesamtbeschäftigung liege Österreich erst im guten Mittelfeld. Spitzenreiter ist Großbritannien mit 3,6 Prozent gefolgt von den Niederlanden mit 2,9 Prozent. In Deutschland liegt der Anateil bei 1,6 Prozent, in Frankreich bei 1,7 Prozent und in Ungarn lediglich bei 0,6 Prozent.

Der österreichischen Zeitarbeitsmarkt hat laut startpeople ein Volumen von 2 Mrd. Euro. Insgesamt sind in Österreich rund 600 Unternehmen in dieser Branche tätig, allerdings entfällt rund 40 Prozent des Marktvolumens auf die Top 10 der Branche.

Größter Kunde der heimischen Zeitarbeitsfirmen ist das heimische Gewerbe mit 24.000 Zeitarbeitern, die Industrie beschäftigt derzeit 23.000 geleaste Mitarbeiter. Größter Partner der Zeitarbeitsfirmen in Österreich ist das AMS. Mit einem Anteil von 67 Prozent kommen die meisten Zeitarbeiter in Österreich aus dem Inland. 80 Prozent sind Arbeiter, und nur 20 Prozent Angestellte – allerdings mit steigender Tendenz. Mit einem Verhältnis von 77 zu 23 Prozent sind in dieser Branche deutlich mehr Männer beschäftigt.

startpeople Austria gehört zum niederländischen Personaldienstleister USG People N.V., der an der Amsterdamer Unyse Euronext notiert. Der Konzern setzte 2010 rund 3 Mrd. Euro um und ist in 10 europäischen Ländern an 1.400 Standorten vertreten. Mehr als 80.000 Mitarbeiter werden derzeit an Kunden überlassen. Dazu kommen fast 8.000 interne Mitarbeiter. In Österreich ist startpeople nach eigenen Angaben der 7. größte Anbieter und setzte zuletzt 51,6 Mio. Euro um.

(APA)