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Große Wachstumschancen für Direktbanken

Die wachsende Internetaffinität lässt Direktbanken auf mehr Neukunden hoffen. Momentan haben 1,1 Millionen Österreicher eine Kundenbeziehung zu einer Internetbank. Obwohl Österreich bereits als „overbanked“ gilt, der Wettbewerb mit immer härteren Bandagen geführt wird, könnten es viel mehr sein.

Eine am 22. März vorgestellte Studie von Marktführer ING-DiBa beziffert das langfristige Kundenpotenzial mit 2,1 Millionen. Nachholbedarf sehen die Befragten demnach bei Kundenorientierung und Kompetenz. „Die potenziellen Kunden haben sich verändert“, erläuterte Studienautor Matthias Bank vor Journalisten in Wien. Zum einen seien immer mehr Personen im Internet aktiv, zum anderen sprächen Direktbanken nicht mehr nur „Spezialisten“ an, sondern zunehmend auch die Altersgruppen ab 40 bzw. 50 Jahren.

„Direktbanken haben sich endgültig etabliert“, konstatierte der Bankenexperte von der Universität Innsbruck. Dennoch würden Direktbanken nach wie vor stärker von Männern und Akademikern nachgefragt. Doch bei Pflichtschulabsolventen und Maturanten habe es im Vergleich zu den Vorgängerstudien aus den Jahren 2004 und 2007 einen Anstieg gegeben. Das West-Ost-Gefälle – in Wien sind Direktbanken tendenziell beliebter als in „Tälern im Westen“ – habe sich hingegen eher vergrößert.

Das kurzfristige Neukundenpotenzial schätzt Bank auf etwa 96.000, mittelfristig könnten rund 440.000 Kunden gewonnen werden, langfristig 1,58 Millionen. „Direktbanken sind eine Ergänzung zur Hausbank.“ Zudem treffe der massive Vertrauensverlust, mit dem der gesamte Finanzsektor wegen der Krise zu kämpfen hat, Direktbanken etwas weniger als Filialbanken. „Einige haben ihr Geld nach der Finanzmarktkrise auf mehrere Banken verteilt“, so Bank.

Halbe Million Kunden für ING-DiBa Österreich

Die ING-DiBa Österreich will jedenfalls in Kürze eine halbe Million Kunden feiern, Ende 2010 hielt man bei 440.000, sagte Roel Huisman, seit November 2010 Chef der Österreichniederlassung der deutschen ING-DiBa. „Wir wollen das Profil der Bank weiter schärfen“, auch Fonds und Kredite stärker bewerben. In Kürze will die ING-DiBa mit einem Autokredit auf Kundenfang gehen. Großartig verändern will Huisman die Strategie aber nicht. Weiterhin setze man auf „Einfachheit, Transparenz und wenige Produkte“. Derzeit macht die ING-DiBa das meiste Geschäft mit Sparprodukten.

In den ersten Jahren schrieb die ING-DiBA in Österreich Verluste. Mittlerweile leiste man einen „positiven Beitrag“, Ergebniszahlen würden nicht bekanntgegeben. Der Gesamtkonzern ING-DiBa legte 2010 einen kräftigen Gewinnsprung hin. Das Vorsteuerergebnis von Europas größter Direktbank stieg von 280 auf 494 Mio. Euro, der Überschuss erreichte 345 nach 202 Mio. Euro. Die ING-DiBa gehört zum niederländischen Finanzkonzern ING, der nach der Krise mit einer staatlichen Geldspritze von 10 Mrd. Euro aufgepäppelt werden musste. Der Großteil wurde aber schon zurückgezahlt.

In Österreich ist die ING-DiBa im Mai 2004 mit der Übernahme der oberösterreichischen Entrium Direktbank gestartet. Damals zählte man 41.000 Kunden (hauptsächlich im Kreditbereich) und Einlagen von 400 Mio. Euro. Ende 2010 beliefen sich die Einlagen auf 6,3 Mrd. Euro (+21 Prozent von 2009 auf 2010).

Mit 440.000 Kunden ist die ING-DiBa laut Eigenangaben die Nummer eins unter Österreichs Direktbanken, gefolgt von der BAWAG-Direktbanktochter easybank (Huisman zufolge 320.000 Kunden), boerse-live.at (gehört zu Raiffeisen OÖ, 80.000 Kunden), Generali Bank AG (70.000 Kunden) und direktanlage.at (UniCredit-Gruppe, 59.300 Kunden).

(APA)