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Jörg Haider: Ein Mythos und seine Scherben

Mit bemerkenswerter Chuzpe und mindestens genau so erstaunlicher Abwesenheit von Konsequenzen habe „das System Haider“ agiert – so der Tenor einer ausführlichen „profil“-Analyse von Herbert Lackner:

Herbert Lackner zählt die Protagonisten einer „Buberlpartie“-Saga auf: Da habe es den ehemaligen Tankstellenpächter und FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger gegeben, wegen Anstiftung zur Steuerhinterziehung verurteilt und – nicht versteuernder – Empfänger eines 2,5 Millionen schweren Schwarzgeld-Sparbuchs von Jörg Haider. Da sei ein Gernot Rumpold aufgetreten, gelernter Installateur aus dem Gurktal und, unter anderem, Bezieher eines 140.000-Euro-Honorars für die Vermittlung eines Gesprächstermins beim Landeshauptmann. Da habe Sekretär Franz Koloini seinem Chef Haider 197.000 Euro, die aus einem höchst fragwürdigen Formel-1-Sponsoring-Deal des Patrick Friesacher (aus Wolfsberg) übrig geblieben waren, einfach übergeben. Und dann sei noch Steuerberater Dietrich Birnbacher bedacht worden: Mit sechs Millionen Euro für ein schwachbrüstiges, kaum sechsseitiges Gutachten zum Hypo-Verkauf.

Die Anzahl der von Lackner ausführlich geschilderten degoutanten Episoden rund um Jörg Haider vermag immer noch zu verblüffen. Besonders augenscheinlich, wie sehr offenbar auf Gesetze und Wahrheiten gepfiffen wurde, wurde es 2007. Lackner zitiert einen damals vom Verkauf der Hypo-Anteile euphorisierten Jörg Haider: „Kärnten ist ein reiches Land!“

Dass zu diesem Zeitpunkt freilich schon die Verschuldung enorm war, rechnet Lackner vor: Die durchschnittliche Belastung habe in Kärnten bei 1549 Euro pro Kopf gelegen; der Vergleichswert aus Wien zum damaligen Zeitpunkt: 833 Euro. Haiders Taktik beschreibt Lackner so: „Um die sich anbahnende Pleite zu verschleiern, legte Haider dem Landtag seit 2006 einfach keine Rechnungs­abschlüsse mehr vor“ – um einmal mehr eine zum Himmel stinkende Konsequenzlosigkeit feststellen zu müssen: „Das war zwar ungesetzlich, bleibt aber sanktionslos.“