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Reisschnaps und neue Freunde: In Thailands Bergen

Noch umhüllt Dunkelheit das Dorf. Doch gegen 4.00 Uhr grunzen die Schweine unter den Stelzen des Nachbarhauses, und die Hähne werden lebendig. Kurz nach 5.00 Uhr tippelt Kalayanee zum Reisstößel. Das Rundholz schlägt dumpf im Holzbottich auf. So trennt die 23-Jährige Körner und Schalen und macht die Tagesration Reis fertig. Ihr Vater öffnet die Tür zum Bad- und Toilettenhäuschen. Das Wasser ist kalt und macht wach. Es muss fast 6.00 Uhr sein – die Sonne geht auf.

Aus dem Küchenhaus der Familie Pongtwo quillt Rauch. Ehefrau Sangworn stellt Schalen mit Reis, Paprika, Schweinefleisch, Fisch und gebratenen Eiern mit Gemüse auf die Bastmatte. Familie Pongtwo lebt im Dorf Mae Klang Luang im Nationalpark Doi Inthanon, gut 90 Autominuten entfernt von Chiang Mai, der Metropole Nordthailands. „Mae Klang Luang gehört zu den 20 besten Orten Thailands, die auch Ausländern Familienquartiere, Gästehäuser und abwechslungsreiches Landleben anbieten und nachhaltigen Tourismus pflegen“, erklärt Potjana Suansri vom Community Based Tourism Institute (CBTI) in Chiang Mai. Etwa 20 Familien in dem 300-Seelen-Ort bieten Quartiere.

Inzwischen hat sich der Gast der Familie Pongtwo von seiner Matratze erhoben. Es ist 7.00 Uhr. Das Essen in der Familie des Karen-Volkes am Abend zuvor war lecker. Der Hausherr schenkte auch großzügig den Reisschnaps aus, den der Gast im Kramladen erworben hatte – dort wurde eine leere 0,7-Liter-Bierflasche für umgerechnet 1,20 Euro mit Hochprozentigem gefüllt. Nun gibt es die Spezialitäten vom Abend leicht variiert zum Frühstück – und später zum Mittagessen.

Die Menschen in Mae Klang Luang sind freundlich, jeder grüßt jeden. Die Ruhe und ein gutes Gefühl von Sicherheit faszinieren viele Gäste. Der Anbau von Kaffee, die Blumen-, Fisch- und Krabbenzucht „sind alles Projekte, die vom Königshaus gefördert werden“. Und der Blick über Reisfelder und Palmen auf die Bergkuppen ist spektakulär. Richtig arm ist keiner im Dorf. Die Natur und die Karen-Farmer decken reichlich den Tisch. Bei Familie Pongtwo stehen drei Mopeds unter dem Haus, eine Parabolantenne im Hof zwischen Hühnern und Enten liefert 50 TV-Programme. Im Wohn- und Essraum verlieren sich außer dem Fernseher und vielen Matten nur drei Plastikkörbe mit Wäsche.

Tische, Stühle und Schränke werden bei den Karen nicht gebraucht, Regale gibt es nur in der Küche. Besonders die Frauen tragen noch die lange Kleidung mit gestickter Bluse und einer Art Wickelrock. Gäste können bei der Ernte helfen und Zuchtkrabben aus den Teichen in den Reisfeldern herausfischen. Im Wald locken Wasserfälle und kleine Tempel. Lebhaft wird es im Kindergarten, wenn ausländische Besucher eintreffen. Die Vier- und Fünfjährigen lernen das Thai-Alphabet.

Kommune, Regierung und CBTI bemühen sich, dass zwischen den Traditionen der Bergvölker sowie den Touristen-Bedürfnissen die Balance gewahrt wird. „Sie sind alle herzlich willkommen, wenn Sie unsere Sitten respektieren“, erklärt Mae Klang Luangs Bürgermeister Pongsap Alaipraison. Auch andere Bergvölker wie die Akha, Lahu und Shan leben im Norden Thailands rund um die Städte Mae Hong Song, Chiang Mai und Chiang Rai. In Huai Kee Lek bieten Akha-Familien Quartiere an, in Mae Lana stehen die Türen der Shan Touristen offen.

Urlaub bei Familien ist aber auch in Inseldörfern mit weißen Stränden möglich, etwa auf Koh Yao Noi in in Südthailand. Ein Bett und die Mahlzeiten sind oft für 300 Bath, gut sechs Euro, zu haben.

Viele Dörfer mit „Home Stay“-Programm werden vom staatlichen Büro für Tourismusentwicklung betreut. „In jeder Kommune bilden wir einen Einheimischen aus, der sich mit den Gästen in Englisch verständigen kann“, sagt Pairaya Juwattanasaran von dem Büro in Bangkok. Die Kosten für die Betreuung eines mitreisenden Dolmetschers entfallen dann. „Wir fördern Begegnungen, Kulturaustausch und Freundschaften, keinen kommerziellen Tourismus.“ Viele Information gibt es aber nur in Thailändisch. Um europäische Touristen wolle man sich nun aber auch nach und nach bemühen. Auch diese Behörde vermittelt Unterkünfte bei einigen hundert Familien, vor allem auch im Nordosten des Landes.

INFO: . Pairaya Juwattanasaran im Büro für Tousimusentwicklung in Bangkok freut sich über E-Mail-Anfragen auf Englisch an c_pairaya@hotmail.com. Das Community Based Tourism Institute stellt seine Projekte online unter vor.

(APA)