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ARD-Chef: Netzpräsenz verbessern

Ein separater Jugendkanal, wie er immer wieder ins Gespräch gebracht werde, sei nicht die richtige Lösung. „Wir streben eine behutsame Verjüngung im Fernsehen an, ohne unser Stammpublikum zu verprellen. Jugendinseln in einem Vollprogramm wollen wir aber nicht bieten. Das funktioniert nicht“, sagte Boudgoust. Das ZDF hatte im Gegensatz Anfang November seinen digitalen Kanal ZDFneo gestartet, der sich vor allem an die jüngere Zielgruppe wendet.

Die Rundfunkanstalten müssen nach Boudgousts Worten auch in den elektronischen sozialen Netzwerken stärker präsent sein. Die wichtigsten Voraussetzungen dafür seien jeweils deren Seriosität und ein werbefreies Umfeld. Der ARD-Chef betonte: „Eine Lektion haben wir gelernt: Wir müssen die Leute da erreichen, wo sie zu Hause sind, und das ist bei den Jüngeren das Netz.“

Zugleich wandte er sich gegen die Kritik deutscher Verleger und Privatsender an der ARD-Ankündigung, kostenfreie Nachrichten als Applikation für Multifunktionshandys vom Typ iPhone anzubieten: „Der Vorwurf der „Wettbewerbsverzerrung“ ist völlig unverständlich. Bereits seit Jahren sind im absoluten Einklang mit der Mediengesetzgebung die Inhalte von tagesschau.de auch auf Handys oder Smartphones mobil verfügbar. Warum dies nun mit einer simplen Software zur Wahrnehmung des Angebots von tagesschau.de auf dem iPhone nicht möglich sein soll, verstehe wer will.“ Die ARD halte die Regeln des entsprechenden Staatsvertrages vollständig ein.

Fall Brender: „Böser Betriebsunfall“

Er betonte zugleich, der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse seine Unabhängigkeit von Parteien und Interessengruppen bewahren und notfalls verteidigen. „Die öffentlich-rechtlichen Sender gehören nicht einer bestimmten Gruppierung oder einem Eigentümer, sondern buchstäblich allen Bürgern“, sagte Boudgoust mit Blick auf die Ablösung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender durch die Mehrheit der Mitglieder von CDU und CSU im ZDF-Verwaltungsrat. „Der Fall Brender ist ein böser Betriebsunfall. Ich hoffe, dass er sich nicht wiederholen wird“, mahnte Boudgoust.

Er gehe davon aus, dass dies ein einmaliger Fall politischer Einmischung in eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt bleiben werde: „Sonst wäre es fatal, weil die Unabhängigkeit unser Markenzeichen ist. Wir müssen ohne Wenn und Aber dafür stehen, dass wir unabhängig sind.“

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(APA)