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Zum „Tiefschneetauchen“ nach Wyoming

An diesem Abend segeln nur rosa Schäfchenwolken über den Himmel. Doch pro Jahr fallen im Schnitt rekordverdächtige 13 Meter Schnee auf den kleinen Wintersportort an der Westflanke der zerklüfteten Teton-Berge. Jackson Hole mit seinem Après-Ski-Rummel, Promi-Gästen und Freestyle-Fanatikern liegt gleich auf der anderen Seite. Er ist eine knappe Autostunde nah und doch eine halbe Welt entfernt.

Genau 96 Gästezimmer gibt es in Grand Targhee, drei Speiselokale, eine Kneipe, ein Gemischtwarenlädchen und fünf Lifte. Das Skigebiet mitten im Wald verknüpft zwei Gipfel mit den dazugehörigen Felsnasen und Gebirgskämmen, rund 70 gekennzeichnete Abfahrten gibt es. „The Bad“, „The Good“ and „The Ugly“ heißen die zum Beispiel: drei schwierig zu fahrende Scharten, die in den „East Woods“ münden.

Wyoming ist Wilder Westen. Dies war das Zuhause von Shoshonen und Schwarzfuß-Indianern, und nach dem Häuptling Targhee ist das Resort benannt worden. Hier werden Skipässe noch per Lochzange abgeknipst. Die Stockbetten in den Lodges erinnern an Jugendherbergen, und zum knallrotem Skianorak werden gern ausgebeulte Cowboyhüte getragen.

Wer aus dem höchsten Lift, dem „Dreamcatcher“-Vierersessel, steigt und der „Teton Vista Traverse“ folgt, empfindet die Viertausender nur eine kurze Steilpiste entfernt wie zum Greifen nah. Selbst vom Grand Teton Nationalpark aus hat man nicht so eine Sicht. Der liegt gleich auf der Ostseite und schützt seit 1929 die Gipfelkette, die aus dem Talkessel ragt wie eine Reihe gigantischer Haifischzähne. Frankophone Trapper fühlten sich eher an weibliche Formen erinnert – sicher wegen monatelanger Einsamkeit. Tétons ist das französische Wort für Brust.

Trotz der pikanten Namensgebung, den glitzernden Gletschern, kristallklaren Seen und donnernden Wasserfällen lassen die meisten Durchreisenden den Teton Park aber links liegen – die geologische Wunderwelt von Yellowstone, wo Geysire zischen und Schlammlöcher blubbern, ist nur ein paar Meilen auf den Highway 191 entfernt. Alta, das nächste Dorf mit 469 Einwohnern, liegt 20 Kilometer weiter in die andere Richtung, nur Urlauber wohnen oben im Skigebiet. Doch das soll sich ändern. Das Resort gehört dem Milliardär George Gillett jr. Der hat seine Expansionspläne zwar vorerst auf Eis gelegt. Irgendwann soll es aber 450 Wohneinheiten und neue Lifte geben.

An diesem Morgen wühlen sich auf dem „Snowcat Terrain“ von Peaked Mountain nur umgebaute „Schneekatzen“ die „Powder Reserve“ herauf. Die Gäste sind mit dem Skiführer Dana Stillson unterwegs, zu dessen Markenzeichen ein Paar „Fat Ski“ gehört. Die sind breiter und kürzer als normale Bretter, „damit schwimmst Du im Tiefschnee oben“. Einen Lawinenpiepser hat Dana im Rucksack, ein Schnorchel ist nirgendwo zu entdecken. Selbst im „Snorkels Café“ war am Abend vorher keiner zu kriegen. Vielleicht lässt man den extra dicken Strohhalm, für alle Fälle mitgenommen, jetzt doch lieber in der Jackentasche?

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(APA)