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Insignia OPC – Der Opel-Sportler im Test

Der Sportler der krisengeschüttelten Opelaner

Mit 239 kW/325 PS ist der Sportler aus dem Opel Performance Center (OPC) das stärkste Straßenmodell der Firmengeschichte und damit das richtige Auto, um in Krisenzeiten zwischendurch auch mal auf andere Gedanken zu kommen.

Auslauf bis 250 km/h

Die Psychotherapie für PS-Praktiker beginnt schon beim Anlassen: Der mit neuer Motorsteuerung und Sportauspuff getunte 2,8-Liter-Sechszylinder beginnt laut zu grollen, wenn man nur den Fuß ans Pedal lehnt. Tritt man kräftig zu und lässt den ersten Gang einschnappen, folgt ein kurzes Dröhnen bei 2.000 Touren. Dann beginnt der Turbo zu kreischen und der heiße Hesse schießt flink davon. Dank Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung mittlerweile hinreichend trittsicher, beschleunigt er kraft- und schwungvoll in 6,0 Sekunden auf Tempo 100. Auch jenseits von 200 km/h hat er noch so viel Dampf, dass die Limitierung auf 250 km/h nach Willkür aussieht. Nicht umsonst läuft der Wagen laut OPC über 270 Sachen.

Der V6-Turbo ist Kraftprotz und Kampftrinker

Wer mit dem Insignia OPC hart am Limit fahren will, braucht allerdings nicht nur einen schweren Gasfuß, sondern auch einen flinken Schaltarm. Denn wo die Konkurrenz in dieser Leistungsklasse auf Automatik- oder Doppelkupplung setzt, gibt es den OPC nur mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe. Das ist zwar gut geführt, hat aber relativ lange Schaltwege und muss zudem oft bemüht werden. Gemütlich gleiten kann man natürlich bei so viel Anzugskraft jederzeit in beinahe jedem Gang. Doch ihren Gipfel erreicht die Drehmomentkurve erst jenseits von 5.000 Touren, so dass man vor einem Zwischenspurt lieber kurz herunterschaltet.

Wer so fährt, darf sich freilich über einen hohen Verbrauch nicht wundern. Schon bei gemäßigter Gangart muss man mit knapp 12 Litern rechnen. Und wer den 325 Pferden ihren Lauf lässt und ein langes Autobahnstück ohne Limit findet, kann locker 20 Liter verheizen.

Das Fahrwerk ist straff und spurstabil

Zum kräftigen Motor passt das Fahrwerk: In der Grundstellung straff, aber nicht unkomfortabel, kann man seinen Charakter auf Knopfdruck ändern. Dann färbt sich nicht nur die Instrumentenbeleuchtung glutrot ein, sondern Federn und Dämpfer werden härter und der Insignia fährt wie ein ICE durch die Kurven – genau so schnell, aber manchmal auch so ungehobelt. Außerdem könnte zumindest im Rennmodus die Lenkung ein wenig direkter sein.

Dank Allrad kommt die Kraft sicher auf die Straße

Vollkommen problemlos dagegen ist die Traktion. Obwohl der Insignia als Fronttriebler entwickelt wurde und 435 Nm für die wuchtigen 245er Reifen eine schwere Prüfung sein können, bringt die Sportlimousine die Kraft gut auf die Straße. Dabei hilft ihr ein variabler Allradantrieb, der Schlupf sehr schnell unterbindet und so dafür sorgt, dass die Leistung nicht nur in Schall und Rauch aufgeht.

Im Rückspiegel fletscht der Insignia die Zähne

Zwar sind die Zeiten von breiten Schwellern, dicken Spoilern und dem legendären Fuchsschwanz bei Opel spätestens seit dem Manta vorbei. Doch trägt natürlich auch der Insignia OPC seine Muskeln zur Schau: Innen gibt es enge, aber bequeme Sportsitze (die einzigen mit dem Gütesiegel der Aktionsgemeinschaft Gesunder Rücken) sowie ein unten abgeflachtes Lenkrad. Und außen duckt sich der Wagen tief auf die Straße, macht dicke Wangen, hat ein knackiges Heck und wirkt mit den senkrecht verchromten Lüftungsschlitzen im Rückspiegel, als fletsche ein Raubtier seine Reißzähne. Mach Platz, oder es wird ungemütlich, lautet die unmissverständliche Botschaft.

Fazit: PS sind manchmal besser als eine Psychotherapie

Natürlich bedient der Insignia OPC nur eine kleine Kundenschicht, die für den stärksten Opel aller Zeiten einen Grundpreis (in Österreich) von 49.790 Euro bezahlt und den Expresszuschlag von über 20.000 Euro auf das Basismodell locker wegsteckt. Doch ist der ambitionierte Leistungsträger mit potentem Motor und gut ausbalanciertem Fahrwerk nicht nur gut fürs Image, sondern auch fürs Selbstwertgefühl und die Stimmung der Hessen. Manchmal helfen PS eben besser als Psychotherapie.

(APA)