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Bio-Trend erreicht auch Parfüms

„Das Wichtigste sind die Qualität der Ausgangsmaterialien und ihre richtige Verarbeitung“, sagt der Parfümeur Roland Tentunian. „Rosen müssen beispielsweise früh am Morgen gepflückt werden“, erklärt der Geschäftsführer von Florascent in Karlsruhe. Die Mittagshitze würde das kostbare ätherische Öl der Rose verdampfen lassen. Auch tierische Sekrete wie Moschus oder Lebensmittel wie Schokolade, Honig oder Mandel können in Naturdüften vorkommen.

Natürliche Essenzen sind in ihren Bestandteilen komplexer als synthetische. So stoßen Parfümeure mitunter auch auf besondere Probleme. „Ein Bestandteil des natürlich gepressten Zitronenöls ist beispielsweise phototoxisch“, sagt Frank Hahlbohm, der Geschäftsführer des Duftherstellers Kurt Kitzing in Wallerstein (Baden-Württemberg). Sein Unternehmen ist Mitglied im Deutschen Verband der Riechstoff-Hersteller (DVRH). „Es darf deshalb in bestimmten Produkten wie Sonnenschutzmitteln oder Bodylotions kaum verwendet werden.“

Synthetische Zitronenöle verzichten auf den Stoff, der unter Einwirkung von Sonne auf der Haut giftig wirkt. Darunter leidet zwar das Aroma, wie Hahlbohm sagt, aber dafür darf das synthetische Zitronenöl auch in Hautprodukten verwendet werden. „Prinzipiell ist die Herstellung natürlicher ätherischer Öle mit größerem Aufwand behaftet als die Herstellung synthetischer Riechstoffe“, fügt Hahlbohm hinzu. Außerdem ist die Ausbeute sehr gering. Hinzu kommen mögliche Ernteausfälle aufgrund von Dürre oder Schädlingsbefall. All das macht den relativ hohen Preis mancher natürlicher Öle aus.

Auch deshalb fallen Natur-Düfte nach Einschätzung des Kosmetikverbands VKE in Berlin bislang auf dem Parfümmarkt kaum ins Gewicht. Das sei bei Pflegeprodukten anders – das Thema Naturkosmetik gewinnt zunehmend an Bedeutung. „Reine Bio-Düfte bleiben unter anderem aufgrund der enorm hohen Rohstoffpreise und wegen eines nicht zu unterschätzenden Allergierisikos Nischenprodukte“, sagt VKE-Geschäftsführer Martin Ruppmann.

Oft ist das Allergierisiko von Bio-Düften schwer abzuschätzen, sagt der Dermatologe und Allergologe Johannes Geier, der auch Vorsitzender der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe mit Sitz an der Universität Göttingen ist. „In vielen Fällen ist die vollständige Zusammensetzung der Natur-Parfüms nicht genau bekannt.“

Die Hautärztin Gertraud Kremer aus Berlin rät Allergikern deshalb: „Vor dem Kauf sollte das Parfüm auf der Haut ausprobiert werden – am besten nicht im Gesicht, sondern in der Ellenbeuge.“ Dass natürliche Stoffe besser verträglich seien als synthetische oder umgekehrt – auf eine solche Formel ist es aber auch nicht zu bringen. Allergiker können sich an den Inhaltsstoffen orientieren. Sie müssen nach der Richtlinie INCI auf der Verpackung angegeben sein.

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(APA)