Quelle: ZAMG

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Belastung durch neurologische Erkrankungen wird unterschätzt

01.06.2014 - 07:40

Mehr als 220 Millionen Menschen leiden in Europa an einer neurologischen Erkrankung. Neuro-psychiatrische Krankheiten insgesamt verursachen den europäischen Volkswirtschaften höhere Kosten als Krebs oder kardiovaskuläre Beschwerden zusammen. Alzheimer, Parkinson oder Schlaganfall werden in einer älter werdenden Gesellschaft explosionsartig zunehmen. Experten fordern auf dem Joint Congress for European Neurology von der Gesundheitspolitik, Neurologie ganz oben auf die Agenda zu setzen.

Istanbul, 1. Juni 2014 – „Die Dimension neurologischer Erkrankungen wird nach wie vor unterschätzt, sollte aber größte gesundheitspolitische Priorität genießen“, betonten heute Prof. Gustave Moonen (Universität Lüttich, Belgien) und Prof. Jacques L. De Reuck (Universitätsklinik Gent, Belgien) beim Joint Congress of European Neurology, der derzeit in Istanbul tagt. Die beiden Vorsitzenden des Kongress-Programmkomitees gaben einen Überblick, wie viele Menschen von neurologischen Erkrankungen betroffen sind und welche Krankheitslast die Gesundheits- und Sozialsysteme zu schultern haben.

Internationale Experten/-innen präsentieren auf dem wissenschaftlichen Großereignis in rund 120 Sitzungen die wichtigsten aktuellen Trends und Highlights moderner neurologischer Forschung und Therapie. In mehr als 1.800 Abstracts werden die Ergebnisse aktueller Studien vorgestellt. Im Rahmen des Kongresses, der gemeinsam von der European Federation of Neurological Societies (EFNS) und der European Neurological Society (ENS) gemeinsam veranstaltet wird, werden auch diese beiden europäischen Gesellschaften zur neuen European Academy of Neurology (EAN) zusammengeführt.

220 Millionen Europäer/-innen leiden an einer neurologischen Erkrankung

Aktuellen Daten des European Brain Council zufolge leiden in Europa 220,7 Millionen Menschen an einer neurologischen Erkrankung. Kopfschmerzen (152,8 Mio. Betroffene) führen die Liste der häufigsten neurologischen Leiden an, gefolgt von Schlafstörungen und -erkrankungen (44,9 Mio.), Schlaganfall (8,2 Mio.) und Demenzerkrankungen (6,3 Mio.). Das hat enorm belastende Auswirkungen auf die davon betroffenen Menschen, auf deren soziales Umfeld, die Gesellschaft und die Gesundheitssysteme. „Umso wichtiger ist es, dass der European Brain Council heuer das Europäische Jahr des Gehirns ausgerufen hat“, sagte Prof. Moonen. „Es ist von größter Bedeutung, das Bewusstsein für das Thema Gehirn und Gehirngesundheit in Öffentlichkeit, Wissenschaft und Politik zu schärfen.“

Neurologische Krankheiten nehmen drastisch zu

„Viele neurologische Krankheiten werden angesichts der steigenden Lebenserwartung geradezu explosionsartig zunehmen, denn beispielsweise Schlaganfall, Parkinson oder Alzheimer treten im Alter häufiger auf. Darauf müssen sich die Gesundheitssysteme schon jetzt vorbereiten“, gab Prof. De Reuck zu bedenken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO verwendet als ein Maß der Gesamtbelastung durch eine Erkrankung DALYs (Disability Adjusted Life Years: Zahl der verlorenen Lebensjahre durch vorzeitigen Tod kombiniert mit dem „Verlust“ an Lebensjahren durch Behinderung; dabei werden Jahre mit einem bestimmten Faktor multipliziert, je nach Höhe der Behinderung). Sie hat errechnet, dass die DALYs aufgrund von neurologischen Erkrankungen von prognostizierten 95 Millionen (2015) bis zum Jahr 2030 auf 103 Millionen ansteigen werden – um mehr als neun Prozent. In besonderem Maß sind dafür Alzheimer und andere demenzielle Erkrankungen (plus 37 Prozent von 2015 auf 2030) oder zerebrovaskuläre Erkrankungen (plus 13 Prozent) verantwortlich. „Inzwischen hat sich die Neurologie zudem von einem eher diagnostisch orientierten zu einem therapeutischen Fach entwickelt, was zusätzlich den Bedarf an Neurologinnen und Neurologen steigen lässt. Dies gilt es den Stakeholdern im Gesundheitssystem bewusst zu machen“, so Prof. De Reuck.

Enorme wirtschaftliche Belastung der Gesundheits- und Sozialsysteme

Neurologische Erkrankungen belasten die Gesundheits- und Sozialsysteme mit erheblichen Kosten. „Laut den vom European Brain Council und der CDBE2010 publizierten Zahlen schlagen sich die Gesamtkosten neurologischer Erkrankungen in den europäischen Volkswirtschaften – eingeschlossen sind in die Berechnung die 27 EU-Staaten sowie die Schweiz, Norwegen und Island – mit 336 Milliarden Euro pro Jahr zu Buche – 122 Milliarden entfallen je auf direkte Behandlungskosten und direkte nicht-medizinische Kosten, 93 Milliarden sind indirekte Kosten. „Erwartungsgemäß steht die Demenz in der Liste der teuersten Krankheiten an erster Stelle. Sie verursachte 2010 in Europa Kosten von 105,2 Milliarden Euro“, so Prof. De Reuck.

Intensive Forschungsbemühungen sind nötig

Gefordert ist nicht nur die Gesundheitspolitik, sondern auch die Wissenschaft: Trotz bedeutsamer Fortschritte der Gehirnforschung in den vergangenen Jahrzehnten sind manche Funktionsweisen des Gehirns noch immer nicht gänzlich nachvollziehbar. Hier seien weitere intensive Forschungsbemühungen nötig, so die Experten. „Um der wachsenden Last neurologischer Erkrankungen angemessen zu begegnen, bedarf es auf internationaler Ebene eines gut abgestimmten Generalkonzepts für Grundlagenforschung und klinisch-angewandter Forschung. Die Vernetzung auf europäischer Ebene, wie sie auch durch diesen Kongress angeregt wird, fördert gemeinsame Anstrengungen“, zeigte sich Prof. Moonen überzeugt. „Daraus und aus der länderübergreifenden Kooperation bei Studien und klinischen Prüfungen ist ein Fortschritt für die betroffenen Patienten/-innen zu erwarten“, so Prof. De Reuck.

Quellen: BrainFacts.org, Brain Disease in Europe, November 2013; Olesen J et al.: The economic cost of brain disorders in Europe. European Journal of Neurology 2012, 19: 155-162; WHO: Neurological Disorders: Public Health Challenges, Chapter 2, Global Burden of Neurological Disorders. Estimates and Projections; WHO-Atlas, Country Ressources for Neurological Disorders

Pressestelle Joint Congress of European Neurology
B&K - Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung
Dr. Birgit Kofler
Mobil: +43-676-63 68 930
E-Mail: kofler@bkkommunikation.com
Skype: bkk_Birgit.Kofler

(PR-Inside.com)

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