Quelle: ZAMG

Wirtschaftskolumne

Partner

PR Inside

Medienjahr 2012: Von Sparzwängen und Skandalen

18.12.2012 - 13:29
Printbranche unter Druck© APAPrintbranche unter Druck

Das Jahr 2012 könnte der Beginn der mageren Jahre für Medienunternehmen gewesen sein. Sparen, sparen, sparen lautete die Devise in fast allen heimischen und internationalen Verlagshäusern. Zu teuer wurde den Verlegern auch der Journalisten-KV, der im September kurzerhand gekündigt wurde. Der ORF war von umstrittenen Personalentscheidungen gezeichnet.

Die Palette reichte von der sogenannten Causa "Pelinka" bis hin zum Protest gegen die Bestellung von Radio-Innenpolitik-Chef Edgar Weinzettl. Ein Thema wurde heuer vorerst endgültig zu Grabe getragen, das war die mögliche Übersiedelung des ORF-Zentrums nach St. Marx.

Der Amtsantritt der im Jahr 2011 neu- bzw. wiedergewählten ORF-Führung stand völlig im Schatten der Affäre um Niko Pelinka. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hatte unmittelbar vor Weihnachten 2011 verkündet, den Laura Rudas-Vertrauten und Leiter des SPÖ-"Freundeskreises" im Stiftungsrat, der die Wrabetz' Wiederwahl maßgeblich organisiert hatte, als seinen Büroleiter in den ORF zu holen. Es folgte ein nichtendenwollender Sturm der Entrüstung von ORF-Mitarbeitern, Politikern - mit Ausnahme der SPÖ - und Prominenten. Sogar Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek griff zur Feder und sah mit dem Fall des "kleinen Niko" das Ende der Sozialdemokratie gekommen.

"ZiB"-Mitarbeiter veröffentlichten zu Jahresbeginn via YouTube ein Protestvideo, in dem sie sich gegen parteipolitische Einflüsse auf den ORF zur Wehr setzen. Für das Video wurden sie später mehrfach ausgezeichnet. Rund vier Wochen nach Bekanntgabe der Personalie gab Pelinka dem öffentlichen Druck nach und zog seine Bewerbung für den Büroleiterposten zurück. Die Causa Pelinka gilt seither als Synonym für parteipolitische Einflussnahme im ORF.

Aufregung um Personalentscheidungen

Allzu große Lehren dürfte die ORF-Führung aus den Ereignissen nicht gezogen haben. Denn nur zehn Monate später stand eine weitere Personalentscheidung im Zentrum öffentlicher Kritik. Gegen die Empfehlung der Redakteure und gegen Radio-Chefredakteur Hannes Aigelsreiter hatte Radiodirektor Karl Amon Radio Wien-Wortchef Edgar Weinzettl als Ressortleiter der Radio-Innenpolitik vorgeschlagen. Wrabetz stellte sich auf Amons Seite und bestellte den mit SPÖ-Punze versehenen Weinzettl. Der Jahreskreis schloss sich für den ORF, wie er begonnen hatte - mit Protest der Redaktion, der das Unternehmen wohl auch 2013 noch beschäftigen wird.

Vorerst begraben musste ORF-Chef Wrabetz im Laufe des Jahres seine langjährigen, von der roten Wiener Stadtregierung unterstützten, Ambitionen auf einen Umzug des Unternehmens nach St. Marx. Die Unentschlossenheit des Generaldirektors, unterschiedliche Zahlen bei den Kostenberechnungen und der Vorwurf, der Stadt Wien dienlich sein zu wollen, machten es dem Stiftungsrat unmöglich, den Umzug zu genehmigen. Vielmehr wurde die Sanierung des Küniglbergs in Auftrag gegeben. Unbesiedelt blieb das Media-Quarter in St. Marx dennoch nicht: Puls 4, die "Wiener Zeitung" und das Echo-Medienhaus schlugen 2012 dort ihre Zelte auf.

Für Schlagzeilen sorgte der ORF auch in seinem Kerngeschäft, dem Programm. Ein gefundenes Fressen für alle Societyreporter war die handgreifliche Auseinandersetzung zwischen "Große Chance"-Juror Sido und Unterhaltungsjournalist Dominic Heinzl vor laufenden Kameras. Heinzls seit Jahren kritisiertes Society-Format "Chili" wurde mit Jahresende eingestellt. On Air gingen unterdessen die ersten Teile von TV-Direktorin Kathrin Zechners angekündigter Programmreformkette. Ohne Publikumsverluste glückte dabei der Umzug der "DonnerstagNacht" auf den Dienstag, während der mit den ORF-Stars Armin Assinger und Mirjam Weichselbraun neu formatierte Mittwochabend nicht wirklich ins Rollen kam. Harte Kritik an der Ausgewogenheit des ORF-Programms kam von der Medienbehörde KommAustria, die dem öffentlich-rechtlichen Sender zu hohen Unterhaltungsanteil attestierte.

In der Printbranche war Sparen das dominierende Thema. Anders als in Deutschland gab es hierzulande immerhin keine Zeitungseinstellungen, dafür aber Personalkürzungen und deutliche Kosteneinsparungen. "Presse" und "WirtschaftsBlatt" mussten etwa den Abbau von 26 Stellen bekannt geben. Mit Hans Gasser, Reinhold Gmeinbauer, Michael Fleischhacker und Wolfgang Unterhuber verließ fast die gesamte Führungsmannschaft der beiden Zeitungen das Unternehmen. Stattdessen übernahm Michael Tilian als Geschäftsführer die Sanierung der Qualitätsblätter. Einen Abbau von 25 Mitarbeitern gab der "Kurier" bekannt, flankiert von der Zusammenlegung der Print- und Onlineredaktion. Auch der "Standard" musste den Gürtel enger schnallen, die APA - Austria Presse Agentur läutete ebenfalls Sparmaßnahmen ein, und die "Kärntner Tageszeitung" schrammte vor dem Sommer knapp an der Insolvenz vorbei.

Streit über Journalisten-Kollektivvertrag

Dass in Sachen Sparen 2012 der Hut brannte, ließen die Verleger auch die Gewerkschaft spüren. Nach drei Jahren ergebnisloser Verhandlungen kündigte der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) den Journalisten-Kollektivvertrag. Die Kündigung wurde später nach heftigen Protesten der Arbeitnehmer wieder zurückgenommen, die Gewerkschaft akzeptierte dafür gelockerte Kündigungsbestimmungen für den Kollektivvertrag. Beide Seiten einigten sich auf rasche Verhandlungen, so dass ein neuer KV spätestens mit 1. Juli 2013 in Kraft treten kann.

Die Veränderungen bei "Presse" und "WirtschaftsBlatt" hatten auch Konsequenzen im VÖZ, wo Hans Gasser nach seinem Ausscheiden bei der Zeitung auch seine Funktion als Präsident zurücklegte. "Kurier"- und Mediaprint-Geschäftsführer Thomas Kralinger übernahm.

Endlich Licht ins Dunkel der Inseratenvergabe aus öffentlicher Hand sollte das neue Medientransparenzgesetz bringen. Mehr als 5.500 Rechtsträger mussten im dritten Quartal 2012 erstmals veröffentlichten, wo sie um wieviel inseriert hatten. Die Stadt Wien entpuppte sich dabei als größter Auftraggeber von Werbeaufträgen - größte Profiteure waren erwartungsgemäß die Wiener Boulevardzeitungen.

Weniger Licht als Dunkel musste der News-Verlag Anfang des Jahres bezüglich der Veröffentlichung seiner Auflagenzahlen einräumen. Über Jahre hinweg wurden der Auflagenkontrolle ÖAK zu hohe Verkaufszahlen gemeldet, die gefälschten Zahlen wurden nachträglich korrigiert.

Medienspektakel des Jahres war Felix Baumgartners Sprung vom Rande des Weltalls. Die Liveübertragung der Mission Red Bull Stratos verfolgten allein in Österreich mehr als drei Millionen Menschen im TV. 830.000 waren es auf Dietrich Mateschitz' Privatsender Servus TV. Der Videoplattform YouTube verschaffte Baumgartner einen neuen Höchstwert. Den Live-Stream des Absprungs verfolgten bis zu acht Millionen Menschen gleichzeitig.

(APA)

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech