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Twitter will nationale Filter einsetzen

27.01.2012 - 12:50
Geplante Aktion sorgt für Zensurdebatte© APA (dpa)Geplante Aktion sorgt für Zensurdebatte

Der Online-Kurznachrichtendienst Twitter will künftig Inhalte in bestimmten Ländern mit Filtern blockieren und hat damit eine Debatte um Zensur in den sozialen Medium losgetreten. Bisher sei es nur möglich gewesen, einzelne Einträge ("Tweets") komplett zu löschen, so dass sie weltweit nicht mehr zur Verfügung stehen, teilte das in San Francisco ansässige Unternehmen in einem Blogeintrag mit.

Nun könnten einzelne Nachrichten jeweils nur in einem bestimmten Land blockiert werden, weltweit aber verfügbar bleiben. So wolle der Dienst gesetzlichen Regeln in den jeweiligen Ländern entsprechen. Als Beispiel führt Twitter etwa Deutschland und Frankreich an, wo anders als in vielen anderen Ländern "Pro-Nazi"-Inhalte verboten seien. In Österreich ist die Betätigung im Sinne des Nationalsozialismus in der Verfassung verboten.

Nahezu jedes Land halte die Meinungsfreiheit als schützenswertes Gut sehr hoch, argumentiert der Kurznachrichtendienst. Mit dem internationalen Wachstum sei Twitter inzwischen aber in Ländern verfügbar, die auch ganz verschiedene Vorstellungen von Meinungsfreiheit hätten. Sollte ein Tweet künftig geblockt werden, sei er aber in anderen Ländern weiterhin verfügbar. Der Nachrichtenschreiber werde zudem darüber informiert. Bisher seien aber noch keine Tweets in einzelnen Ländern zurückgehalten worden.

Auf globaler Ebene entfernte Twitter bisher vor allem in Inhalte wegen Urheberrechtsverletzung. In der Datenbank "chillingseffects.org", die das gerichtlich angeordnete Entfernen von Inhalten aus großen Suchmaschinen und Webseiten registriert, gibt es keine Notizen über wegen dem Verbotsgesetz blockierte Twitter-Meldungen. Lediglich Google entfernte in den Jahren 2005 und 2006 laut der Datenbank offenbar rassistische und neonazistische Inhalte auf Betreiben österreichischer Behörden. In einem Fall wurden sie lediglich von den deutsche und österreichischen Google-Domains entfernt.

Twitter hatte zuletzt mit seinen rund hundert Millionen Nutzern eine bedeutende Rolle in den arabischen Demokratiebewegungen gespielt und den Menschen zum Teil als einziger Kommunikationsweg vor allem auch ins Ausland gedient. Viele Nutzer äußerten sich auf Twitter inzwischen enttäuscht über die Ankündigung und sprachen von Zensur. Twitter dürfte es mit den nationalen Filtern aber auch darum gehen, seine Präsenz in Ländern wie China aufzubauen.

(APA/ag)

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