Quelle: ZAMG

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Arbeitslosigkeit geht zurück - Problembereiche bleiben

02.11.2018 - 15:12
Den größten Rückgang gab es am Bau© APADen größten Rückgang gab es am Bau

Die Zahl der Arbeitslosen geht weiterhin deutlich zurück, aber noch immer waren im Oktober 365.553 Personen auf Jobsuche. Insbesondere bei Ausländern, Frauen, Älteren und Personen mit Beeinträchtigung kommt die Hochkonjunktur nicht im vollen Umfang an. Und nach wie vor gibt es mehr Lehrstellensuchende als Lehrstellen. Gleichzeitig legte aber die Beschäftigung insgesamt um rund 77.000 Menschen zu.

Von den 365.553 Personen ohne Job waren 69.317 in Schulung. Damit gab es um sieben Prozent weniger Arbeitsuchende als noch im Oktober 2017. Alle Bundesländer verzeichnen weiterhin sinkende Arbeitslosigkeit. Die größten Rückgänge gab es in Oberösterreich und der Steiermark. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition lag bei 7,3 Prozent, das ist ein Rückgang von 0,6 Prozentpunkten.

Nach Branchen betrachtet gab es das höchste Minus am Bau mit 11,6 Prozent, im Tourismus und bei den Zeitarbeitsfirmen war das Minus mit rund sechs Prozent "unterdurchschnittlich", so das Sozialministerium heute, Freitag, in einer Aussendung.

Überdurchschnittlich stark rückläufig waren die Zahlen bei Langzeitarbeitslosen (minus 16,3 Prozent) und Jugendlichen (minus 9,7 Prozent). Die geringsten Rückgänge der Arbeitslosigkeit verzeichneten ältere Arbeitslose (minus 2,8 Prozent), gesundheitlich Beeinträchtigte (minus 2,3 Prozent) und Ausländer (minus 0,8 Prozent).

Die Lehrstellenlücke lag im Vormonat bei 274 Lehrstellen, das ist ein Rückgang von 1.091 Stellen. Ohne die Teilnehmer der überbetrieblichen Lehrausbildung standen den 6.873 sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden nur 6.599 gemeldete, sofort verfügbare Lehrstellen gegenüber. In Oberösterreich und Tirol stehen jedem sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden rund drei sofort verfügbare Lehrstellen gegenüber. In Wien hingegen stehen einer offenen Lehrstelle sieben Lehrstellensuchende gegenüber.

Dies führt AMS-Vorstand Herbert Buchinger auf zwei Faktoren zurück: Während in den Bundesländern die Zahl der Jugendlichen rückläufig sei, steige sie in Wien. Dazu komme, dass der produzierende Sektor als wichtigster Lehrlingsausbilder seit geraumer Zeit aus Wien ins Umland abwandert. Dass es gerade der produzierende Bereich ist, der Jobs schafft, merke man auch daran, dass die Arbeitslosigkeit bei Männern (minus 8,5 Prozent) deutlich stärker zurückgeht als bei Frauen (minus 3,5 Prozent).

Dass es trotz stark rückläufiger Arbeitslosigkeit bei Ausländern eine Stagnation gibt, erklärt Buchinger damit, dass nun die Asylverfahren nach dem großen Andrang der vergangenen Jahre abgeschlossen seien und damit eben mehr Ausländer auf den Arbeitsmarkt kämen.

Zu den heute präsentierten Zahlen hielt Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) fest: "Anhand des Rückgangs der Arbeitslosenquote sieht man, dass wir uns auf einem guten Weg befinden."

NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker meinte heute, die gute Arbeitsmarktlage biete "eine günstige Gelegenheit, hier die Zumutbarkeitsbestimmungen in der Arbeitslosenversicherung strenger zu fassen".

Für SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch ist die sinkende Arbeitslosigkeit auch ein Erfolg der SPÖ/ÖVP-Vorgängerregierung. "Die schwarz-blaue Regierung profitiert immer noch davon, dass die Vorgängerregierung sehr viel richtig gemacht hat", so Muchitsch. Dieser Erfolg sei aber gefährdet, "weil Schwarz-Blau die Mittel für Arbeitsuchende um eine halbe Milliarde Euro gekürzt hat".

Er fordert, dass die "Aktion 20.000" für ältere Arbeitslose sofort wieder eingeführt wird. "Die aktuelle Auswertung des AMS zeigt nun, dass es von den 100.000 Arbeitssuchenden über 50 Jahre nur für rund 6.000 eine Schulung vom AMS gibt, weil die Regierung die Beschäftigungsaktion 20.000 gestrichen hat", so Muchitsch. Er spricht sich dagegen aus, dass die jetzige Regierung "tausende Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten holt, und die Arbeitslosen in Österreich, Inländer und Ausländer gleichermaßen, im Regen stehen lässt".

Die Wirtschaftskammer wiederum nahm die Arbeitslosenstatistik zum Anlass, auf den Fachkräftemangel in Westösterreich hinzuweisen. Hier müssten mehr Initiativen gesetzt werden um die räumliche Flexibilität der Arbeitssuchenden zu fördern. Besonders ausgeprägt sei das Ost-West-Gefälle am Lehrstellenmarkt. "So kommen etwa in Wien auf eine offene Lehrstelle für einen Metall- und Elektroberuf 13 Lehrstellensuchende, in Oberösterreich ist es komplett anders, ein Lehrstellensuchender kann zwischen mehr als 5 Lehrstellen wählen, die er sofort antreten könnte", so WKÖ-Arbeitsmarktexperte Martin Gleitsmann.

Der ÖGB forderte heute mehr Anstrengungen zur Qualifizierung von Arbeitssuchenden ein. "Nur so kann es gelingen, diejenigen wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen, die jetzt trotz Hochkonjunktur keine Arbeit finden", betonte Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende.

(APA)

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