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Nowotny für Kennzeichnung von gebührenpflichtigen Bankomaten

31.10.2018 - 14:13
Bankomatgebühren laut Verfassungsgerichtshof erlaubt© APA (Hochmuth)Bankomatgebühren laut Verfassungsgerichtshof erlaubt

Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny spricht sich für eine klare Kennzeichnung von Bankomaten aus, an denen die Geldbehebung mit Gebühren verbunden ist. Diese Kennzeichnung sollte auch außen an den Geräten angebracht sein. "Das ist auf jeden Fall notwendig, ich halte das für unverzichtbar", sagte Nowotny am Mittwoch im Klub der Wirtschaftsjournalisten in Wien.

Die Versorgung mit Bankomaten hält der OeNB-Chef im Allgemeinen für ausreichend. Ein Problem könnte aber sein, dass es lokale Versorgungslücken gibt. Dazu gebe es aber keine ihm bekannte Studie. Dieses Thema der Versorgung gehöre aber prinzipiell diskutiert, um zu sehen, wie groß die praktische Relevanz ist.

Erst kürzlich hat sich der Verfassungsgerichtshof (VfGH) gegen ein generelles Verbot von Bankomatgebühren ausgesprochen. Die Gebühren müssten aber "im Einzelnen" ausgehandelt werden. Gebühren von Drittanbietern müssten die Banken nicht übernehmen. Das Finanzministerium fordert nunmehr von den Banken entsprechende transparente Kontomodelle.

Nowotny äußerte sich auch zur Lage der Banken in Österreich generell. "Es hat ein Strukturwandel stattgefunden, Banken haben Geschäftsfelder aufgegeben und Kostenstrukturen verbessert", sagte Nowotny. Dieser bereits erhebliche Strukturwandel werde weitergehen.

Die Gewinne der Geldinstitute liegen wieder auf Vorkrisenniveau, die Kapitalisierung hat sich mehr als verdoppelt, die Bilanzsummen sind fast um 25 Prozent geschrumpft und die Zahl der Bankstellen hat sich um mehr als 25 Prozent reduziert, fasste Nowotny die wesentlichen Änderungen zusammen.

Das ebenfalls durch die Finanzkrise hervorgerufenen Niedrigzinsumfeld habe Vor- und Nachteile. So sind die Zinserträge der Haushalte aus Bankeinlagen laut OeNB-Zahlen um kumuliert 46 Mrd. Euro und bei Unternehmen um 11 Mrd. Euro gesunken. Dagegen haben sich die Zinsausgaben der Haushalte für Kredit um rund 30 Mrd. Euro und für Unternehmen um 33 Mrd. Euro verringert. Der österreichische Staat habe sich in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 27 Mrd. Euro an Zinszahlungen erspart.

Die durchschnittliche Sparquote der Österreicher liegt bei 12 Prozent des Nettoeinkommens. "Der Sparer ist kein einheitliches Wesen, es gibt weder 'den Sparer' noch 'den kleinen Sparer'", meinte Nowotny. So würden fast ein Viertel der Haushalte aus dem unteren Einkommensbereich gar nicht sparen, was aber nicht erstaunlich sei. Erst im oberen Einkommensdrittel sei die Sparquote stark steigend. Sparende Haushalte sparen zwischen 2 und 50 Prozent des Haushaltseinkommens. Das Sparen als Sicherheitsnetz, wenn die Waschmaschine zusammenbricht, sei relativ unabhängig von der Zinshöhe. Das betreffe die kleineren und mittleren Einkommen. "Es ist sinnlos, zu verlangen, sie sollen in höherverzinste Einlagen gehen, weil sie das Geld sofort brauchen", so Nowotny.

Es gebe auch nicht "den Bankkunden". Laut OeNB-Umfrage spielt Online-Banking schon eine erhebliche Rolle, aber 43 Prozent machen zumindest einmal im Monat Bankgeschäfte am Bankschalter. Der Bankomat ist mit 89 Prozent am wichtigsten. Online-Banking am PC oder Notebook nutzen 51 Prozent, mit Smartphone oder Tablet sind es 34 Prozent.

Sorge bereitet der Notenbank die enorm unterschiedliche Nutzung nach Altersgruppen. "Wichtig ist, dass es keine Altersdiskriminierung gibt", so Nowotny. Es gebe wenige Geschäfte, wo die Nutzung nach Altersgruppen so unterschiedlich sei. Wobei die Altersgruppe 66+ deutlich weniger Bankgeschäfte Online oder per Telefon macht. Generell ist liegt die Nutzung von Online-Banking deutlich über dem EU-Schnitt, wobei in den nördlichen Staaten oder den Niederlanden die Nutzung deutlich höher ist. Aufgrund des Alterseffektes sei eine steigende Nutzung zu erwarten.

Auch bei den Präferenzen bezüglich der Zukunft des Bargeldes gibt es große Alterseffekte. Insgesamt sind 70 Prozent für die Beibehaltung der derzeitigen Bedeutung, aber nur 52 Prozent der Altersgruppe zwischen 16 und 35 Jahre, aber 93 Prozent der über 66-Jährigen.

Bezüglich der Nutzung von Fintech-Produkten oder Fintech-Dienstleistungen - inklusive Bank-Apps - geben 25 Prozent an, diese zu nutzen. 10 Prozent sind es, wenn Bank-Apps und 5 Prozent, wenn auch alternative Zahlungsanbieter ausgeblendet werden. 2 Prozent besitzen "Crypto-Coins, 8 Prozent sagen, dass sie sich dafür interessieren.

Das Finanzsystem in Österreich und dem Euroraum sei eher bankenbasiert, so Nowotny. Finanzierungen mittels Anleihen und Aktien sei in den USA ungleich wichtiger. Nowotny hält es für sinnvoll, dass es die Kapitalmarktfinanzierung - auch für KMU - eine stärkere Rolle bekommt. Auch die neuen Finanzmarktregeln von Basel II und Basel II+ seien sehr stark auf Kapitalmarktfinanzierungen ausgerichtet. "Für Banken ist es sehr wichtig, neben dem Kreditgeschäft das Dienstleistungsgeschäft wie Investmentbanking auszuweiten", so Nowotny.

(APA)

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