Quelle: ZAMG

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Arbeitslosigkeit: Stärkerer Rückgang bei Männern

03.09.2018 - 13:55
Die Arbeitslosenzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr niedriger© APA (Pfarrhofer)Die Arbeitslosenzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr niedriger

Die Arbeitslosigkeit ist in Österreich im August im Vergleich zum Vorjahresmonat wieder deutlich gesunken, bei Männern wesentlich stärker als bei Frauen. 288.186 Menschen waren arbeitslos gemeldet, um 23.306 weniger als vor einem Jahr. Der Rückgang betrug bei den Männern 9,1 Prozent, bei den Frauen 5,7 Prozent, teilte das Arbeitsmarktservice am Montag mit. Die Arbeitslosenquote betrug 7,0 Prozent.

Die Arbeitslosenquote lag damit um 0,7 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr, aber saisonal bedingt etwas höher als im Juli (6,9 Prozent), teilte das Arbeitsmarktservice am Montag mit. "Alle Altersgruppen, alle Bundesländer, alle beschäftigungsstarken Branchen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, sogar langzeitarbeitslose Menschen können erfreulicherweise von der guten Arbeitsmarktentwicklung profitieren", schreibt das AMS. Auch bei Menschen über 50 Jahren gab es einen Rückgang, ebenso in allen Ausbildungskategorien vom Pflichtschulabschluss bis zu den Akademikern.

Inklusive Schulungen waren im August 344.651 Menschen ohne Job, um 30.000 weniger als vor einem Jahr. Zugleich verzeichnete das AMS einen Anstieg der unselbstständig Beschäftigten um 86.000 auf 3,811.000.

Die Betriebe haben zuletzt 41 Prozent der offenen Stellen dem Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet, das sei der höchste jemals erreichte Wert, sagte AMS-Chef Johannes Kopf im "Mittagsjournal". Das AMS fördere im Kampf gegen Fachkräftemangel 35.000 Menschen auf ihrem Weg zum Lehrabschluss. Weitere 35.000 Menschen, vor allem Ältere und Frauen, erhalten AMS-Förderung für die betriebliche Qualifikation.

In Wien machte der Rückgang 5,7 Prozent aus. 116.364 Personen waren als arbeitslos gemeldet - ein Minus von 2,7 Prozent. Die Zahl der Schulungsteilnehmer ging um 18 Prozent auf 23.310 zurück. Die Gruppe der unter-25-jährigen Arbeitslosen ist um 9 Prozent kleiner geworden, die der über-50-jährigen hat dagegen um 1,9 Prozent zugenommen. Außergewöhnlich stark gestiegen sei der Bestand an offenen Stellen, die die Wiener Unternehmen dem AMS gemeldet haben.

Zweistellige Rückgänge bei Menschen ohne Job (Arbeitslose und Schulungen zusammen) verzeichneten Tirol (15,7 Prozent), die Steiermark (11,6 Prozent) und Oberösterreich (10,7 Prozent). Den geringsten Rückgang gab es in Vorarlberg (2,3 Prozent).

Langsam stellt sich das Thema, wie schnell Firmen ihre offenen Stellen besetzen können: "Damit verbunden zeigt sich, dass es Unternehmen nunmehr schwerer fällt, Stellen rasch zu besetzen, so ist die durchschnittliche Laufzeit einer offenen Stelle mit 49 Tagen um 9 Tage gegenüber dem Vorjahr gestiegen", so das AMS. Die Zahl der offenen Stellen wuchs um rund 17.500 auf 79.354, die Zahl der offenen Lehrstellen um 962 auf 6.653, bei 8.390 Lehrstellensuchenden.

"Vor allem Menschen mit Behinderung profitieren erst seit diesem Jahr spürbar von der guten Arbeitsmarktlage", schreibt Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ). Im August sank die Arbeitslosigkeit dieser Gruppe um 4,5 Prozent. Das sei auf Regierungsmaßnahmen zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderungen zurückzuführen.

NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker begrüßt in einer Aussendung das Absinken der Arbeitslosen, hält aber den Anstieg offener Stellen für "besorgniserregend". Der Mangel an qualifiziertem Personal entwickle sich zu einem Hemmschuh für die wirtschaftliche Dynamik. Er fordert eine "Flexibilisierung der Zumutbarkeitsbestimmungen mit Augenmaß".

Eine Wiederbelebung der "Aktion 20.000" für ältere Langzeitarbeitslose forderte der Leitende Sekretär des ÖGB, Bernhard Achitz in Reaktion auf die Arbeitsmarktdaten. Er wirft Hartinger-Klein unter Verweis auf das noch nicht beschlossene AMS-Budget vor, "mit weniger Geld fast gar nichts mehr für Arbeitslose zu tun".

Auch SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch kritisiert drohende Budgetkürzungen beim AMS. Muchitsch ist dafür, Asylwerbern den Zugang zur Lehre zu ermöglichen. Das trage auch zur Reduzierung des Fachkräftemangels bei. Die derzeit gut 1.000 Asylwerber in einer Lehre "nehmen keinem jungen Österreicher, keiner jungen Österreicherin eine Lehrstelle weg". AK-Präsidentin Renate Anderl hält die Arbeitslosenquote trotz Rückgangs für "nach wie vor viel zu hoch", Ziel seien Werte wie vor der Finanzkrise von 2009.

(APA)

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