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Wirtschaft wächst kräftig - Arbeitslosigkeit sinkt rascher

16.03.2018 - 14:03
Die Arbeitslosenzahlen sind laut der Prognose rückläufig© APA (dpa)Die Arbeitslosenzahlen sind laut der Prognose rückläufig

Österreichs Wirtschaft behält das hohe Tempo bei und wächst heuer noch eine Spur stärker als bisher angenommen. Der Aufschwung sei breit abgesichert, sagten die Chefs von Wifo und IHS am Freitag zur neuen Konjunkturprognose. Das sollte zur Budgetkonsolidierung ausgenutzt werden. Die für heuer erwarteten rund drei Prozent BIP-Plus sind das stärkste Wachstum seit zehn Jahren.

"Auch uns überrascht die Stärke des Aufschwungs immer wieder", sagte Wifo-Makroökonom Stefan Ederer vor Journalisten. Auch habe man bei der letzten Prognose im Dezember schon für Frühjahr mit einer Abschwächung gerechnet, jetzt nicht vor Sommer.

Heuer im ersten Quartal gebe es wohl "den Höhepunkt der Konjunktur-Amplitude", meinte IHS-Chef Martin Kocher - und: "Um es sportlich auszudrücken. Wir sind auf dem Höhepunkt der Formkurve u nd müssen schauen, diese Form weiter aufrechtzuerhalten."

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sieht heuer 3,2 Prozent reales Wachstum, 2019 dann 2,2 Prozent, das Institut für Höhere Studien (IHS) 2,8 und 1,9 Prozent - nach 2,9 Prozent 2017. Die Gesamtlage habe sich seit der letzten Prognose nicht verändert, sagen beide Institute.

Das Wachstum kommt aktuell zum Großteil aus dem Ausland und beflügelt die Exporte. Davon profitiert die Industrie, die stark in Erweiterungen investiert, etwa Maschinen. Das sich abschwächende internationale Umfeld wird laut Wifo in der Folge die heimischen Ausfuhren etwas dämpfen, womit das Wachstum 2019 geringer ausfällt. Beim IHS sieht man aber auch schon "die ersten kleinen Wolken am Konjunkturhimmel", wie Kocher meinte, nämlich nicht mehr weiter steigende Konjunkturindikatoren.

Der dynamische Konjunktur führt auch zu einer Verbesserung der Arbeitsmarktlage. Es gibt eine starke Ausweitung der Beschäftigung, aber nicht aus dem Arbeitslosen-Pool. Die Arbeitslosigkeit sinkt, auch bei Langzeitarbeitslosen und älteren Job-Suchenden. Dieser Trend soll den Experten zufolge anhalten. Die Arbeitslosenrate liege zwar bereits zwei Prozentpunkte unter 2015, aber noch eineinhalb Prozentpunkte höher als vor der Wirtschaftskrise, betont das Wifo.

Es gebe "massive strukturelle Probleme" am Arbeitsmarkt, sagte Wifo-Chef Christoph Badelt und verwies auf Facharbeiter-Mangel und die Langzeitarbeitslosenproblematik, die 2017 noch über ein Drittel der Jobsuchenden betroffen habe. Erst heuer im Jänner und Februar habe es bei Langzeitarbeitslosen und Älteren eine Entspannung gegeben. Insgesamt geht das Wifo für heuer von einem Rückgang der Arbeitslosenrate von 8,5 auf 7,7 und dann 7,3 Prozent aus, das IHS sieht für heuer 7,8 Prozent und für 2019 noch 7,7 Prozent - der Rückgang sei schwächer als man ihn in dieser Konjunktur erwarten sollte, so Kocher. Die Integrationsmaßnahmen für Asylberechtigte, die länger hierbleiben sollen, zu kürzen, schaffe Probleme, warnte IHS-Arbeitsmarktexperte Helmut Hofer.

Unterschiedlich sehen die beiden Institute die Entwicklung des Privatkonsums. Das Wifo sieht ihn heuer und 2019 real um 1,8 und 1,6 Prozent wachsen, das IHS jedoch nur um 1,4 und 1,2 Prozent. Grund: Das Wifo erwartet, dass zusätzliche Einkommen der Menschen stärker in den Konsum gehen, das IHS rechnet vor allem mit einem kräftigen Anstieg der Sparquote. Diese soll laut Kocher nach 6,5 Prozent im Vorjahr heuer auf 7 Prozent und 2019 nochmals leicht weiter zulegen auf 7,1 Prozent.

Die Chefs von Wifo und IHS Wifo forderten am Freitag die Regierung dazu auf, die gute Konjunktur zur Budgetkonsolidierung zu nutzen. Es gebe sehr wohl Handlungsbedarf, denn das strukturelle Defizit - bereinigt um Konjunktureffekte - liege 2018 bei 0,9 und 2019 bei 0,8 Prozent der Wirtschaftsleistung, sagte Badelt: "Es braucht nach wie vor Anstrengungen für die Budgetkonsolidierung."

Denn nur das Maastricht-Defizit profitiere - massiv - von der guten Konjunktur, etwa durch stärker sprudelnde Steuereinnahmen oder nicht nötige Ausgaben bei Arbeitslosenunterstützung oder Staatszuschüssen zu den Pensionen. Gemäß Maastricht werde das Defizit des Gesamtstaates heuer von 0,6 auf 0,4 Prozent sinken, so das Wifo, das für 2019 sogar von 0,1 Prozent Überschuss ausgeht. Vor allem "wirkliche Strukturreformen" seien nötig, so Badelt. Kocher verwies auf "langfristige Kostentreiber" wie Pensionen, Pflege.

Die Inflation wird sich in Österreich aus Wifo-Sicht nicht beschleunigen, auch wenn die Löhne 2018 und 2019 etwas stärker anziehen. Die Rate sieht das Wifo heuer und 2019 bei je 1,9 Prozent, laut für Euroraum-Vergleiche relevante HVPI-Rate bei je 2,0 Prozent.

Risiken sehen die Experten sowohl negative als auch positive. So könnte bei der US-Handelspolitik ein Eskalieren Folgen haben, andererseits könnte die US-Steuerpolitik expansiver ausfallen als unterstellt, das in Deutschland erwartete Investitionspaket neuen Schwung bringen oder sich auch der heimische Konjunkturaufschwung noch stärker ins zweite Halbjahr hineinziehen, so das Wifo.

(APA)

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