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T-Mobile Austria übernimmt UPC Austria

22.12.2017 - 14:25
UPC mit 1,9 Mrd. Euro bewertet© APA (Symbolbild)UPC mit 1,9 Mrd. Euro bewertet

Die Deutsche Telekom baut ihr Geschäft in Österreich mit einer Milliardenübernahme aus. T-Mobile Austria übernimmt die Österreich-Sparte des Kabelnetzbetreibers Liberty Global, teilte das US-Unternehmen in Denver mit. Die Sparte UPC Austria mit ihren 654.000 Kunden werde dabei mit rund 1,9 Milliarden Euro bewertet. Der Verkauf muss noch von den Behörden genehmigt werden.

Durch den Kauf von UPC Austria kann T-Mobile in Österreich erstmals Mobilfunk- sowie Festnetzangebote aus einer Hand anbieten - was auch Drei durch die Übernahme von Tele2 erreicht hat. "Drei ist für den sportlichen Dreikampf um Platz 1 in Österreich gut aufgestellt", heißt es vom Mitbewerber. "Bereits in den nächsten sechs Monaten werden wir erste Hybrid-Angebote österreichweit auf den Markt bringen."

"Wir glauben auch, dass der Markt sich nochmal deutlich beleben wird", sagte T-Mobile-Austria-Chef Andreas Bierwirth im Ö1-"Mittagsjournal". T-Mobile Austria bietet ab Jänner 2018 hybrides Breitband-Internet durch die Kombination von Mobilfunk und Festnetz in einem Anschluss (Router) an. Dazu wird ein Vertrag mit A1 Telekom Austria genutzt.

Mit der UPC-Übernahme in Österreich sei die Deutsche Telekom bei ihrem Ziel "ein wichtiges Stück vorangekommen", solche "Produkt-Bündel" in ganz Europa bereitstellen zu können, sagte Europa-Vorstand Srini Gopalan.

Der ehemalige deutsche Staatskonzern setzt in Europa seine Abkehr von der Fokussierung aufs Mobilfunkgeschäft fort. In den Niederlanden holte sich die Telekom-Tochter T-Mobile NL mit dem Tele2-Kauf ebenfalls Festnetz ins Haus und in Polen wird mit der dortigen Orange-Tochter über den Zugang zu deren Glasfasernetz verhandelt. Einigen sich die beiden, bleiben neben den USA nur noch Albanien und Tschechien, wo die Telekom in großem Stil nur im Mobilfunk tätig ist. Experten rechnen damit, dass die US-Tochter T-Mobile US nach den gescheiterten Fusionsgesprächen mit dem Rivalen Sprint auch dort nach einer branchenübergreifenden Partnerschaft Ausschau halten könnte.

Analysten und Börsianer begrüßten den Österreich-Kauf. Die zweite Übernahme innerhalb einer Woche zeige, dass sich die Telekom wieder auf Europa konzentriere, meinten Börsianer. Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe erklärte, dass es durch die Übernahme künftig einfacher werde, mit dem Marktführer Telekom Austria zu konkurrieren. Zudem werde die Markteinführung der nächsten Mobilfunk-Generation 5G leichter.

Die Kombination beider Firmen werde die notwendige Größe schaffen, um mit Wettbewerbern mitzuhalten, sagte Liberty-Global-Chef Mike Fries. Medienberichten zufolge könnte der Verkauf in Österreich Auftakt für neue Fusionsverhandlungen zwischen Liberty Global und Vodafone sein, die bisher immer im Sande verlaufen waren.

Zusammen kommen T-Mobile Austria und UPC auf einen voraussichtlichen Jahresumsatz 2017 von rund 1,2 Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr erlöste T-Mobile Austria 855 Mio. Euro und trug damit knapp sieben Prozent zum Europa-Umsatz bei. Stimmen die Wettbewerbsbehörden zu, könnte die Übernahme den Angaben zufolge im zweiten Halbjahr 2018 zum Abschluss kommen. Die Synergien werden nach Integrationskosten mit rund 800 Mio. Euro veranschlagt.

UPC beschäftigt in Österreich derzeit rund 1.000 Leute und hat im vergangenen Jahr rund 342 Mio. Euro Umsatz erzielt. Ein Mitarbeiterabbau sei definitiv nicht vorgesehen, sagte Bierwirth im "Mittagsjournal". Man brauche die Kompetenz und das Know-how der UPC-Mitarbeiter, "und insoweit ist der Mitarbeiterabbau nicht das Rational für die Übernahme und auch nicht das Rational für die Synergien".

Auch die Privat- und Geschäftskunden der UPC sollen derzeit keine Änderungen zu spüren bekommen. Derzeit bildet UPC Österreich gemeinsam mit UPC Schweiz eine gemeinsame Regionalorganisation - diese wird nun getrennt, Eric Tveter bleibt Chef der Schweizer UPC.

T-Mobile sieht beim Breitband-Internet noch großen Aufholbedarf und somit Wachstumspotenzial in Österreich. Während hier lauf einem OECD-Vergleich im Dezember 2016 auf 100 Personen rund 115-Breitbandanschlüsse kamen, waren es beim europäischen Spitzenreiter Finnland bereits 178 Anschlüsse pro 100 Personen.

(APA/dpa-AFX)

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