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Regierung will insolvente Airline Niki retten

14.12.2017 - 23:03
"Niki" fliegt nicht mehr© APA"Niki" fliegt nicht mehr

Nach dem gescheiterten Übernahmedeal der Fluglinie Niki durch die Lufthansa springt die Regierung in die Bresche. "Wir wollen, dass die Arbeitsplätze und die Fluglinie gerettet werden", sagte Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) beim EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel. Das Verkehrsministerium bemüht sich derweil um die Rückholung von rund 5.000 österreichischen Passagieren.

An sich sei Niki "ein überlebensfähiges Unternehmen", sagte Kern. Die Bundesregierung stehe zu Beratungen auch am Wochenende zur Verfügung. Gleichzeitig betonte Kern, es werde "keine schnelle Lösung" geben. Es gehe jetzt aber einmal darum, eine Skizze zu haben, dann werde man sehen, ob es möglich sei, das Unternehmen aufzufangen.

"Es gibt Überlegungen, mit Zwischenfinanzierungen etwas zu tun, aber das muss man schon noch konkret prüfen", hatte Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) zuvor gesagt. Er verwies auf "sehr gute Gespräche" mit Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP). Immerhin gehe es um mehr als 1.000 Arbeitsplätze und um Familien, die davon betroffen seien. Gerade jetzt vor Weihnachten müsse es das Interesse jeder Bundesregierung sein, eine Lösung zu finden.

Die Vorbereitungen zur Rückholung der Passagiere durch das Verkehrsministerium laufen unterdessen auf Hochtouren. In einem ersten Schritt wird versucht, die Passagiere bei anderen Airlines unterzubringen. Sollten diese Kapazitäten nicht reichen, werde man zusätzliche Charterflüge bei der AUA in Auftrag geben, teilte das Verkehrsministerium mit.

Bei einer Informationsveranstaltung der Geschäftsführung wurden die Niki-Mitarbeiter am Donnerstag über den Stand der Dinge informiert. Details der internen Versammlung drangen nicht an die Öffentlichkeit. Gesprochen haben dem Vernehmen nach Geschäftsführer Oliver Lackmann und der deutsche Insolvenzverwalter Lucas Flöther.

Laut Flöther wollten in den nächsten 14 Tagen 40.000 Menschen mit Niki ihre Heimreise antreten. Davon hatten 15.500 selbst gebucht. Tausende Urlauber - nicht nur aus Österreich, sondern vor allem auch aus Deutschland und der Schweiz - warten auf Mallorca auf alternative Heimflüge.

Der Gründer der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki, Niki Lauda, rechnet sich unterdessen gute Chancen aus, die Pleite-Airline bald zu übernehmen. Durch die Insolvenz sei Niki nun von Altlasten und Schulden befreit, erklärte Lauda am Donnerstagabend in der ORF-Sendung "ZiB 2".

Lauda hatte bereits im September gemeinsam mit dem Reiseveranstalter Thomas Cook sein Interesse an Niki deklariert, nun tritt er alleine auf- aber auch Thomas Cook ist nach wie vor an Niki interessiert. Er werde morgen in Frankfurt versuchen herauszufinden, wie schnell man eine Übernahme über die Bühne kriegen könnte, sagte Lauda. Falls das in sieben Tagen gelingen könnte, dann stünden auch die Slots - also die Start- und Landerechte - noch zur Verfügung. "Zeit ist jetzt das Problem."

"Sollte das nicht gehen, aus Zeitnot, kann man es dann immer noch im Jänner machen, dann ist halt der Niki endgültig in Insolvenz. Über die Slots muss man sich dann halt nachher den Kopf zerbrechen", sagte Lauda.

Der Kaufpreis und sonstige Übernahmebedingungen würden jetzt u.a. davon abhängen, wie viele Flugzeuge Niki habe. Morgen wolle er in Frankfurt klären, "was ist vom Niki jetzt wirklich übergeblieben, und dann kann man den Preis bestimmen, und dann kann man verhandeln".

Soforthilfe für die Niki-Mitarbeiter bot ausgerechnet der erbitterte Konkurrent am Airport Wien, die AUA, an. An Piloten, Flugbegleiter und Techniker von Niki erging der Aufruf, sich bei der AUA zu bewerben. Von AUA-Chef Kay Kratky wurde ein beschleunigtes Bewerbungsverfahren zugesagt, Niki-Leute können sich sofort melden.

Die zur Lufthansa gehörende österreichische AUA sucht derzeit mehrere hundert Mitarbeiter - vor allem bis zu 200 fertig ausgebildete Piloten und rund 300 Flugbegleiter. Auch 50 bis 100 Techniker werden gesucht, in der Verwaltung sind rund 20 Stellen frei. Hinzugefügt wurde aber, dass nicht alle in Frage kommenden Leute sofort aufgenommen werden können, und dass auch der Bewerbungsprozess selbst Zeit in Anspruch nehmen wird.

Flüge waren von der Mitarbeiterversammlung nicht mehr betroffen. Seit Mitternacht blieben alle Niki-Flieger am Boden. Der letzte Flug unter "HG"-Flugnummer landete am Mittwoch um 23:18 aus Teneriffa kommend in Wien. Mit Einstellung des Flugbetriebs verlieren nach Angaben des Masseverwalters rund 350.000 ausgestellte und bezahlte Einzeltickets ihre Gültigkeit. Dazu kommen 410.000 über Reisebüros und -veranstalter gebuchte - aber in der Regel noch nicht ausgestellte - Tickets.

Wütend zeigten sich derweil Touristen, die über die Weihnachtstage nach Mallorca wollten oder ihren Urlaub für das nächste Jahr bereits gebucht hatten. Es herrsche "Wut und Ratlosigkeit", schrieb die "Mallorca Zeitung" (online). Das Blatt zitierte eine Touristin mit den Worten: "Wollten am 26. Dezember für zwei Wochen Urlaub machen. Geld weg, Urlaub futsch."

Die meisten Passagiere dürften allerdings Glück im Unglück haben: Fast alle Flugreisenden sollen den gezahlten Flugpreis zurückerhalten oder umgebucht werden, wie der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Donnerstag mitteilte. Laut einem Sprecher Flöthers gibt es nämlich aus dem Insolvenzverfahren der Niki-Muttergesellschaft Air Berlin ein Treuhandkonto, auf dem die Ansprüche der Tochtergesellschaft gesichert wurden. Dieses Geld werde nun verwendet, um voraussichtlich fast alle Kunden zu entschädigen.

(APA)

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