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Arbeitslosenzahlen seit März gesunken - Rang 10 in der EU

02.11.2017 - 15:54
Es geht weiter aufwärts© APA (Symbolbild)Es geht weiter aufwärts

Der Wirtschaftsaufschwung lässt seit März die Arbeitslosenzahlen kontinuierlich sinken. Im EU-Vergleich liegt Österreich aber auf Rang 10 bei der Arbeitslosenrate. Besonders stark gesunken ist die Arbeitslosigkeit per Ende Oktober in der Industrie und am Bau, sowie in der Steiermark, Tirol und Burgenland. Bei älteren Arbeitslosen gab es zumindest keinen merkbaren Anstieg mehr.

Im EU-Vergleich hatte die Tschechische Republik zuletzt die niedrigste Arbeitslosenquote, gefolgt von Deutschland, Malta, Ungarn, Großbritannien, Polen, Niederlande, Rumänien und Estland. Österreich liegt aktuell auf Rang 10, von Anfang 2011 bis Herbst 2014 hatte Österreich EU-weit noch die niedrigste Arbeitslosenrate. Zwischen Mitte 2011 und Ende 2016 stiegen die Arbeitslosenzahlen hierzulande stetig an und erreichten ein Rekordhoch in der Zweiten Republik.

Ende Oktober waren in Österreich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,6 Prozent weniger Personen ohne Job. Arbeitslose und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet waren 393.029 Personen (-18.922) ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition sank um 0,7 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent. Das vergleichsweise starke heimische Wirtschaftswachstum lässt auch die Stellenanzeigen kräftig steigen: Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen erhöhte sich Ende Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat hierzulande um 44,5 Prozent auf 59.202. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten stieg laut einer vorläufigen Prognose um 65.000 Personen (+1,8 Prozent) auf 3,676 Millionen.

Die Arbeitslosenzahlen per Ende Oktober sind konjunkturbedingt am stärksten in der Warenproduktion (-10,1 Prozent) und in der Bauwirtschaft (-9,7 Prozent) zurückgegangen. Ebenfalls einen deutlichen Rückgang gab es bei der Arbeitskräfteüberlassung (-6,8 Prozent) und im Handel (-6,2 Prozent).Der Zahl der arbeitslosen Personen und Schulungsteilnehmer sank im Vergleich zum Vorjahresmonat auch in der Beherbergungs- und Gastronomiebranche (-5,4 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (-3,4 Prozent).

Die Anzahl der Inländer ohne Job sank um 6,7 Prozent auf 266.346, bei Ausländern erhöhte sich die Zahl leicht um 0,2 Prozent auf 126.683. Bei Jugendlichen unter 25 Jahren (-6,9 Prozent) und Personen zwischen 25 und 49 Jahren (-5,9 Prozent) gab es einen deutlichen Rückgang. Bei den über 50-Jährigen gab es nur mehr einen minimalen Anstieg von 0,1 Prozent.

Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet sank in allen Bundesländern außer Vorarlberg: Den stärksten Rückgang gab es in der Steiermark (-9,4 Prozent), Tirol (-8,2 Prozent), Burgenland (-7,6 Prozent), Kärnten (-6,8 Prozent), Salzburg (-5,6 Prozent), Oberösterreich (-5,4 Prozent), Niederösterreich (-4,6 Prozent) und Wien (-1,8 Prozent). In Vorarlberg erhöhten sich die Arbeitslosenzahlen leicht um 0,3 Prozent.

"Die positiven Konjunkturprognosen und die Monat für Monat besseren Arbeitsmarktzahlen zeigen, dass unsere gesetzten Maßnahmen wirken", kommentierte Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) die aktuellen Arbeitslosenzahlen in einer Aussendung. AMS-Vorstand Herbert Buchinger ist auch zuversichtlich für die kommenden Monate: "Der private Konsum zieht an, die Investitionstätigkeit der Unternehmen ist angesprungen und die Exporte ziehen an. Das stimmt uns in optimistisch, dass das ein nachhaltiger andauernder Trend sein wird, der eben auf drei Beinen steht", sagte Buchinger im Ö1-"Mittagsjournal".

Weniger als 3.000 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte mit geringen Deutsch-Sprachkenntnissen scheinen laut AMS-Vorstand Johannes Kopf noch nicht in der AMS-Arbeitslosenstatistik auf. In Salzburg, Tirol, Wien und Vorarlberg müssen sich Flüchtlinge erst nach Ende des Basisdeutsch-Kurses (A1) beim AMS melden. Zuletzt waren 29.872 Flüchtlinge beim AMS arbeitslos gemeldet.

Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske forderte in einer Aussendung am Donnerstag von der künftigen Regierung, dass die Aktion 20.000 für ältere Arbeitslose über den Juni 2019 hinaus weiterzuführen und das Beschäftigungsprojekt auf Langzeitarbeitslose und Arbeitsuchende mit gesundheitlichen Problemen auszuweiten. Die Wirtschaftskammer warnte davor im Arbeitslosenquoten-Vergleich mit anderen EU-Staaten weiter zurückzufallen und forderte Gegenmaßnahmen: "Wir brauchen einen Maßnahmenmix an betrieblichen Weiterbildungen, Lohnkostenzuschüssen und einer forcierten überregionalen Vermittlung", sagte der Leiter der WKÖ-Abteilung für Sozialpolitik, Martin Gleitsmann. "Eine substanzielle Senkung der zu hohen Lohnnebenkosten zumindest auf deutsches Niveau muss auf der politischen Agenda stehen", forderte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer.

Der Wiener Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ) erwartet sich durch die aktuell laufenden Regierungsverhandlungen eine Überprüfung der Arbeitsmarkzahlen durch ÖVP und FPÖ. NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker bezeichnete den von der rot-schwarzen Bundesregierung beschlossenen Beschäftigungsbonus und die Aktion 20.000 als "fragwürdige Maßnahmen".

(APA)

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