Quelle: ZAMG

Wirtschaftskolumne

Partner

PR Inside

"Hire and Fire"-Betriebe kosten Staat laut AK 450 Mio. Euro

22.10.2017 - 17:07
In Bauwirtschaft durchaus übliche Praxis© APA (dpa-Zentralbild)In Bauwirtschaft durchaus übliche Praxis

Die Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) kritisiert die "Hire and Fire"-Praxis (Anheuern und Feuern) von Betrieben, die Arbeitnehmer bei kurzfristigen Flauten kündigen und später wieder einstellen. Dies verursache Arbeitslosigkeit und hohe Kosten für die Versichertengemeinschaft: Laut einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts rund 450 Millionen Euro alleine im Jahr 2016, so die AK OÖ.

"Diese Entwicklung schädigt die gesamte Gesellschaft. Es muss für die Betriebe weniger attraktiv werden, die Kosten einfach auf die Arbeitslosenversicherung abzuwälzen", fordert AK-OÖ-Präsident Johann Kalliauer am Sonntag in einer Aussendung. Laut der von der AK zitierten Wifo-Studie gehen 1,1 Prozentpunkte der im Jahr 2016 in Österreich registrierten Arbeitslosigkeit von 9,1 Prozent auf das Konto derartiger Methoden. Dabei nutzen nicht nur Saisonbranchen wie Bau und Tourismus solche sogenannten "temporären Layoffs" (zeitweise Kündigungen), um Schwankungen des Arbeitskräftebedarfs auszugleichen. Auch in der Arbeitskräfteüberlassung nehme diese Praxis zu.

Doch die zeitweise Beendigung von Arbeitsverhältnissen mit Wiedereinstellungszusage bzw. "Recall" (Rückruf) nach wenigen Monaten gehe zulasten der Arbeitnehmer und des AMS-Budgets. Die Arbeitnehmer haben weniger Tage in Beschäftigung und mehr Tage in Arbeitslosigkeit. Das wirke sich für sie doppelt negativ aus: Das Arbeitslosengeld sei erheblich geringer als der Verdienst. Und die Betroffenen fielen in der gesamten Einkommensentwicklung zurück, was sich letztlich auch auf die Pension auswirke.

Die Betriebe würden ihre Kosten einfach auf die Allgemeinheit auslagern, kritisiert Kalliauer. Unternehmen, die Menschen überdurchschnittlich häufig in die Arbeitslosigkeit schicken, sollten daher einen höheren Beitrag in die Arbeitslosenversicherung zahlen. Auch die Auflösungsabgabe (124 Euro), die Betriebe bei der Beendigung bestimmter Arbeitsverhältnisse zahlen müssen, sollte wesentlich erhöht und wirksamer eingesetzt werden. Die in der letzten Nationalratssitzung vor der Wahl beschlossene Abschaffung der Auflösungsabgabe per Ende 2019 wird von der AK OÖ kritisiert.

Die Wirtschaftskammer Österreich wies die Kritik der AK OÖ zurück. Betriebe müssten flexibel sein können, gerade in Saisonbranchen wie Bau und Tourismus. Die Forderung der AK OÖ, solches Vorgehen mit höheren Versicherungs-Zahlungen zu belasten, weist die WKÖ zurück.

"Der Wirtschaftsstandort Österreich ist seit jeher - bedingt durch Klima und Alpen - vor allem in den großen Bereichen Bau und Tourismus stark witterungsabhängig. Dazu kommt, dass eine moderne Wirtschaft massiven Konjunkturschwankungen unterliegt. Dies ist weder neu, noch ungewöhnlich und hat nichts mit Kosten-Vermeidungsstrategien zu tun, welche die AK OÖ den Betrieben unterstellt", hält Rolf Gleißner, stv. Leiter der Abteilung für Sozialpolitik in der WKÖ, am Sonntag in einer Aussendung fest.

Habe ein Unternehmer zu wenige oder keine Aufträge, müsse er in irgendeiner Form seine Kosten reduzieren - sei es durch Flexibilität in der Entlohnung, in der Arbeitszeit oder im Beschäftigtenstand. Der heimischen Wirtschaft "hire & fire"-Methoden vorzuwerfen, sei "unhaltbar und völlig unangebracht". In der Krise 2008/09 habe es in Österreich - im Gegensatz zu anderen Ländern - keine Kündigungswellen gegeben, sondern die heimischen Unternehmen hätten mit Arbeitszeitmaßnahmen, Aussetzungen, etc. versucht, die Beschäftigten zu halten und damit eben auf hire & fire verzichtet. 

(APA)

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech