Quelle: ZAMG

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Metallergewerkschaften wollen 4 Prozent mehr Lohn und Gehalt

03.10.2017 - 13:14
Chefverhandler Rainer Wimmer und Karl Dürtscher© APAChefverhandler Rainer Wimmer und Karl Dürtscher

Die Gewerkschaften Pro-Ge/GPA fordern für die 186.000 Beschäftigten der Metallindustrie vier Prozent mehr Lohn und Gehalt. Weiters sollen die Diäten für Auslandsreisen angehoben werden und Lehrlinge spürbar mehr verdienen. Verbesserungen bei der Anrechnung der Elternkarenz und ein "Papamonat" stehen ebenfalls auf der Liste. Die Arbeitgeber sprachen daraufhin von einem "Zeichen der Unvernunft".

Die Gewerkschaftsvertreter hingegen verweisen auf volle Auftragsbücher und die positiven Prognosen der Wirtschaftsforscher. "Die Wirtschaftskrise ist überwunden", begründet Pro-Ge-Verhandlungsführer Rainer Wimmer die Forderung, die deutlich über der Jahresinflationsrate von 1,8 Prozent liegt. Die Teuerungsrate der vergangenen zwölf Monate sowie der Produktivitätszuwachs bilden traditionell die Berechnungsgrundlage für das Feilschen um den Kollektivvertrag (KV). Laut Wimmer lag der Produktivitätszuwachs in der Industrie bei 5,7 Prozent.

Dass die Gewerkschaften mit ihrer 4-Prozent-Forderung der SPÖ im Finale um die Nationalratswahl noch Rückenwind verleihen wollen, dementierte Wimmer. "Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen einfach mehr Geld", so Wimmer mit Verweis auf die hohen Wohnkosten und die stark gestiegenen Ausgaben für die Produkte des täglichen Lebens. Im August lag die Teuerung beim Mikrowarenkorb laut Statistik Austria bei 4,1 Prozent.

Hans-Karl Schaller, Betriebsratsvorsitzender der voestalpine, erinnerte die Arbeitgeber schon einmal daran, dass sie vor Investoren die Lage der Branche und ihrer Betriebe in den höchsten Tönen lobten, was dann bei den KV-Verhandlungen umschlage. "Vielleicht sollten wir die KV-Runden mit den Aktionärstreffen verbinden", meinte er schmunzelnd bei der heutigen Pressekonferenz von GPA und Pro-Ge mit Verweis auf nächsten Montag. Dann geht das Feilschen mit der Metalltechnischen Industrie in die zweite Runde. Und GPA-Chefverhandler Karl Dürtscher spielte auf den "Abgesandelt"-Sager von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl an und betonte: "Österreich ist nicht abgesandelt, sondern befindet sich auf der Überholspur."

Auf allzu viel Entgegenkommen dürfen die Gewerkschafter jedenfalls nicht hoffen. "Diese Forderungen sind weit entfernt von jeder wirtschaftlichen Vernunft", kritisierte Christian Knill, Fachverbandsobmann der Metalltechnischen Industrie. Diese Zahl spiegle weder die Höhe der Inflation noch die Produktivität wider. Vielmehr sei es jetzt an der Zeit, nach schwierigen Jahren nach der Finanzkrise im Zuge der Lehman-Pleite, wieder verstärkt zu investieren.

Neben mehr Lohn und Gehalt fordern die Gewerkschaften eine bessere Abgeltung der Auslandsreisen. Derzeit liegt der Satz für eine Dienstreise im Inland bei 53,33 Euro pro Tag. Fährt der Dienstnehmer ins ferne China bekommt er nur mehr 35,10 Euro. Und selbst im EU-Land Polen sind es nur 32,70 Euro.

Weiters sollen im Kollektivvertrag 2018 auch die Zulagen steigen. Bei der zweiten Schicht sollen sie um 25 Prozent erhöht werden, bei Nachtarbeit um 50 Prozent. Wie schon in den Jahren zuvor fordern die Arbeitnehmervertreter auch eine Freizeitoption, also mehr Freizeit bei Verzicht auf die Kollektivvertragserhöhung. Voraussetzung für die Freizeitoption ist eine freiwillige Betriebsvereinbarung und eine Überzahlung - sprich das Ist-Gehalt muss höher sein als im Kollektivvertrag (KV) vorgesehen.

Ebenfalls auf der Liste der Forderungen der Arbeitnehmervertreter: Eine Anrechnung von Elternkarenzen im Ausmaß von bis zu 22 Monate je Kind und der Papamonat. Außerdem sollen ältere Arbeitnehmer das Recht bekommen auf Wunsch ihre Altersteilzeit zu blocken.

Im Vorjahr einigten sich die Arbeitgeber und Beschäftigten der Metalltechnischen Industrie auf eine durchschnittliche Lohn- und Gehaltserhöhung von 1,68 Prozent. Niedrigverdiener erhielten um bis zu 2 Prozent mehr, für die höchsten Lohnstufen gab es ein Plus von 1,2 Prozent. Die Inflationsrate der vergangenen 12 Monate lag damals bei 0,8 Prozent.

(APA)

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