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OÖ Firmengruppe Wozabal pleite - 792 Arbeitsplätze betroffen

31.08.2017 - 19:21
Wozabal mit 104 Mio. Euro Schulden© APA (fotokerschi.at)Wozabal mit 104 Mio. Euro Schulden

Die oö. Unternehmensgruppe Wozabal, die Miettextilien reinigt, hat sechs ihrer Firmen insolvent gemeldet. 792 Jobs sind laut KSV betroffen, damit ist es die größte Insolvenz in OÖ nach der Pleite der Drogeriekette dayli 2013. Die Schulden werden - das Gelingen einer Sanierung vorausgesetzt - mit 47 Mio. Euro beziffert. Eine Zwischenfinanzierung von ca. 5. Mio. Euro sichert vorerst die Fortführung.

Mitte August wurde bekannt, dass das Unternehmen wegen Liquiditätsproblemen 725 Mitarbeitern die fälligen Löhne nicht auszahlen kann. Die Hausbanken hatten die Konten gesperrt, da Kredite nicht zurückgezahlt wurden. Zwei seit Jahresbeginn eingeschaltete Sanierungsexperten hatten kurz zuvor das Unternehmen laut Kreditschützern unverrichteter Dinge wieder verlassen. Geschäftsführer Christian Wozabal hatte deren "Treuhandlösung" nicht zugestimmt, da ihm das "Zerschlagungsrisiko" zu hoch gewesen sei, wie er mitteilte.

Sein Bemühen, einen Investor zu finden, glückte jedoch nicht. Ein außergerichtlicher Rettungsversuch war damit gescheitert, weshalb Anträge auf Eröffnung von Sanierungsverfahren ohne Eigenbeteiligung gestellt wurden. Hohe Investitionen in den vergangenen drei Jahren, Probleme mit der neuen Mikrochip-Technologie, ein großes Wachstum von 12 Prozent sowie zu kurzfristige Finanzierungslinien, listete der Geschäftsführer letztendlich als Gründe für die Insolvenz auf. Dennoch soll das Unternehmen in vollem Umfang fortgeführt werden, berichtete Creditreform.

Zumindest bis Jahresende scheint dies gesichert. Wozabal informierte, dass die Intermarket Bank, eine Tochter der Erste Group, mit ca. 5 Mio. Euro zwischenfinanziere. Er zeigte sich auch zuversichtlich, dass das Familienunternehmen die gesetzliche Mindesterfordernis von einer Quote von 20 Prozent, aufbringen könne und "bis zur Tagsatzung eine Refinanzierung steht".

Das Unternehmen beziffert die Gesamtschulden - bereinigt um die Querhaftungen und internen Verbindlichkeiten - mit 47 Mio. Euro. Der KSV wies allerdings darauf hin, dass das nur für den Fall gilt, dass eine Sanierung gelingt und das Unternehmen fortgeführt wird. Sollte es zu einer Zerschlagung kommen, würden vor allem durch Ansprüche der Mitarbeiter und fällig werdende Leasingraten bis zu 104,1 Mio. Euro - davon 73,6 Mio. an externe Gläubiger - schlagend werden. Laut Insolvenzantrag sind ca. 680 Gläubiger betroffen.

Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich riet den Beschäftigten, ihre Dienstverhältnisse nicht voreilig zu lösen. Dadurch könnten Ansprüche verloren gehen, warnte AK-Präsident Johann Kalliauer und kündigte für nächste Woche Betriebsversammlungen mit Experten der AK an.

Die Landesgerichte Linz und Wels haben indes für die sechs insolventen Teilgesellschaften Insolvenzverwalter bestellt, die bereits mit der Abwicklung namhafter Pleiten in den vergangenen Jahren befasst waren: Thomas Zeitler und Rudolf Mitterlehner (dayli, Quelle), Norbert Mooseder und Günther Grassner (Ring Brot) sowie Rene Lindner (GLS) und Christopher Schuster. Die Gruppe sei derzeit dabei, sich einen Überblick zu verschaffen, so Mitterlehner, der als Sprecher fungiert, am Donnerstag.

Landeshauptmann Thomas Stelzer und der für Wirtschaft zuständige LHStv. Michael Strugl (beide ÖVP) gaben sich optimistisch, dass die Wozabal-Sanierung funktionieren werde - nicht zuletzt deshalb, weil die Landesbetriebe weiter mit der Firma zusammenarbeiten würden, wenn die Leistungen wie bisher erbracht werden können. Der oö. Spitalsbetreiber gespag, dessen Krankenhäuser von Wozabal mit Dienstkleidung, Patienten- und OP-Wäsche sowie Sterilgut versorgt werden, geht davon aus, dass durch das Insolvenzverfahren die Versorgung der Spitäler gewährleistet sei und den Spitälern und ihren Patienten kein Nachteil entstehen werde.

Konkurrent Salesianer Miettex ist indes daran interessiert, Teile des in die Insolvenz gerutschten oberösterreichischen Miettextilreinigers Wozabal zu übernehmen. "Es würde Sinn machen - für Mitarbeiter wie für Kunden" wird Salesianer-Eigentümer Thomas Krautschneider im "Standard" zitiert. "Wir haben prinzipiell Interesse an Wozabal", sagte er laut "Presse". "Wichtig wäre uns eine Weiterführung der Wäschereien, sie liegt der Branche am Herzen. Es geht dabei um die Mitarbeiter und auch um die Kunden. Kein Unternehmen hätte die Kapazität, das Wozabal-Geschäft mitzumachen, auch wir nicht", so Krautschneider in der "Presse".

Die Wozabal-Gruppe stellt Textilien für Spitäler, Heime, Gastronomie und Hotellerie sowie Industrie und Gewerbe zur Verfügung. Täglich werden 175 Tonnen Textilien gewaschen, die rund 2.000 Kunden sitzen in Österreich, Deutschland, Italien und Tschechien. Die Fortführung des Betriebes und die Versorgung der Kunden während des Insolvenzverfahrens seien sichergestellt, betonte Christian Wozabal am Donnerstag, das operative Geschäft laufe positiv. Die Ansprüche der Dienstnehmer seien durch den Insolvenzfonds gesichert.

Die Insolvenzanträge betreffen die Wozabal Management GmbH, die Wozabal Textilservice GmbH & Co KG, die Wozabal MPZ Medizinproduktezentrum GmbH & Co KG, die Wozabal Textile Logistik GmbH & Co KG, die Wozabal Sterilgut-Systeme GmbH & Co KG und die Wozabal Mietberufsbekleidung GmbH & Co KG. Standorte dieser Firmen befinden sich in Linz, Enns, Lenzing und Rankweil, weiters besteht ein Verteilerzentrum in Wien.

Nicht betroffen von der Insolvenz sind die Wozabal Textile Vollversorgung GmbH & Co KG sowie die gleichnamige GmbH in Bad Hofgastein, die Umlauft Textilservice GmbH in Klagenfurt und die tschechische Wozabal s.r.o. Die gesamte Unternehmensgruppe beschäftigt nach eigenen Angaben 1.096 Mitarbeiter und setzte 2016/17 rund 72 Mio. Euro um.

(APA)

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