Quelle: ZAMG

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Arbeitslosenzahlen erneut gesunken, Plus bei Älteren

01.08.2017 - 15:04
Junge finden deutschlich leichter eine Stelle© APAJunge finden deutschlich leichter eine Stelle

Der Konjunkturaufschwung hat im Juli vor allem die Arbeitslosenzahlen am Bau und in der Industrie sinken lassen. Davon profitierten vor allem Männer. Stark rückläufig waren die Zahlen auch in Tirol und der Steiermark. Deutlich steigende Arbeitslosenzahlen gab es hingegen bei Akademikern, Älteren, Ausländern, Langzeitarbeitslosen und Menschen mit Behinderung.

Ende Juli waren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,4 Prozent weniger Personen ohne Job, Arbeitslose und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet also 370.386 Personen (-9.293). Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition sank um 0,5 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent. Die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen schnellte um 48,5 Prozent auf 65.038 nach oben. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten stieg per Ende Juli laut einer vorläufigen Prognose um 68.000 Personen (+1,8 Prozent) auf 3,728 Millionen.

AMS-Vorstand Johannes Kopf sieht ein großes Problem am Arbeitsmarkt bei älteren Langzeitarbeitslosen und arbeitslosen Pflichtschulabsolventen. Fünf Jahre mit steigender Arbeitslosigkeit habe zu einem Stock von Langzeitarbeitslosigkeit geführt, "der nur schwer zu bekämpfen" sei, sagte Kopf in der "ZIB 13:00". Kopf geht davon aus, dass "der Aufschwung nachhaltig ist und im nächsten Jahr anhalten wird". Problematisch sei auch, dass Firmen Fachkräfte suchen und die Hälfte der vorgemerkten Arbeitssuchenden nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen. Auch gebe es zahlreiche offene Stellen in Westösterreich und sehr viele Arbeitssuchende in Wien.

Nach Ansicht von Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) hat die seit Juli in Modellregionen anlaufenden "Aktion 20.000" den Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den über 50-Jährigen verlangsamt. Es gehe nun darum, mit dem schnellen Ausbau der "Aktion 20.000" die Langzeitarbeitslosigkeit Älterer mittelfristig zu halbieren, so Stöger in einer Aussendung. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl kritisierte die Arbeitsmarktpolitik der Regierung. "Mit Taschenspielertricks werden rechtzeitig vor der Nationalratswahl die Statistiken geschönt", so Kickl. NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker ortet Probleme im Bereich der Qualifikation und sieht fehlende Arbeitsanreize. "Das Arbeitslosengeld muss am Beginn höher sein, dann aber im zeitlichen Verlauf sinken", forderte Loacker.

Auch die Sozialpartner drängen die Regierung zu weiteren Maßnahmen gegen die hohe Arbeitslosigkeit. Die Arbeiterkammer wünscht sich ein Qualifizierungsgeld, der Gewerkschaftsbund mahnt zu einer Umsetzung des Beschäftigungsbonus und der Aktion 20.000 "ohne Abstriche" und die Wirtschaftskammer fordert Maßnahmen gegen die strukturelle Arbeitslosigkeit. Die Industriellenvereinigung verweist auf die "notwendige Attraktivierung des Arbeitsstandortes". 8.778 Anträge auf den Beschäftigungsbonus sind laut "Ö1" beim Austria Wirtschaftsservice (aws) bis heute eingegangen, 2.500 davon wurden bereits bearbeitet. Für zusätzlich eingestellte Mitarbeiter werden die Lohnnebenkosten für drei Jahre zu 50 Prozent refundiert. Die EU-Kommission muss aber noch grünes Licht für die Förderaktion gegeben.

Im Juli waren 23.352 anerkannte Flüchtlinge und 4.851 subsidiär Schutzberechtigte, insgesamt also 28.203 Personen, beim AMS als arbeitslos gemeldet. Gegenüber Juli 2016 ist dies ein Anstieg von rund 12 Prozent. Viele von ihnen besuchen derzeit Deutschkurse und andere Schulungen. Seit Monaten sinken die Zahlen leicht, im Februar waren es noch 29.146 Personen. Laut AMS-Vorstand Kopf kommen aktuell rund 800 bis 900 neue Flüchtlinge pro Monat zum Arbeitsmarktservice. Im Frühling und Sommer hätten viele Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte einen Job im Tourismus und in der Landwirtschaft gefunden. Nach eineinhalb bis zwei Jahren seien 20 Prozent der nach Österreich Gekommenen in Beschäftigung. "Das ist nicht viel, aber wir sind im Plan. Es ist eine große Herausforderung und eine langfristige Aufgabe", so Kopf.

Das Arbeitsmarktservice hat seit Jahren Probleme mit seinem IT-Dienstleister IBM. Laut "Kurier" (Dienstag-Ausgabe) will das AMS den Outsourcing-Partner IBM komplett durch das Bundesrechenzentrum (BRZ) ersetzen. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie zur Übernahme der AMS-IT durch das BRZ soll bereits vorliegen.

(APA)

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