Quelle: ZAMG

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Arbeitslosigkeit sinkt deutlich - Plus bei Akademikern

03.07.2017 - 13:50
Langzeitarbeitslosigkeit bleibt weiter ein Problem© APA (dpa/Symbolbild)Langzeitarbeitslosigkeit bleibt weiter ein Problem

Die Erholung am Arbeitsmarkt geht weiter, insbesondere für Junge schaut es besser aus. Gleichzeitig verfestigt sich die Langzeitarbeitslosigkeit und auch für Akademiker wird es schwieriger. Im Juni waren 347.973 Menschen ohne Job (minus 3,1 Prozent), ihnen standen 61.048 offene Stellen gegenüber (plus 38,1 Prozent). Jobmotor waren Bau und Industrie, im Gesundheitssektor stieg die Arbeitslosigkeit.

Am stärksten sank die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen (minus 15,7 Prozent) und bei Männern (minus 6,5 Prozent). Bei Frauen gab es einen Rückgang von 3,2 Prozent, bei Ausländern von 3,7 Prozent (inklusive Schulungen gab es bei ausländischen Mitbürgern jedoch mehr Arbeitssuchende). Zum zweiten Mal in Folge ging auch die Arbeitslosigkeit in Wien zurück, womit alle Bundesländer einen Rückgang der Stellensuchenden verzeichneten.

Schlechte Zahlen kamen von den Älteren (50+) - allerdings nur auf den ersten Blick. Denn der steigenden Arbeitslosigkeit (99.349 Personen oder plus 4 Prozent gegenüber Juni 2016) stand auch eine erhöhte Zahl von Beschäftigten gegenüber (plus 5,3 Prozent auf 982.000).

AMS-Chef Johannes Kopf verweist in diesem Zusammenhang auf die Überalterung der Bevölkerung. Sorgen bereiten ihm jene Älteren, die vor zwei, drei Jahren im Zuge der Wirtschaftskrise ihren Job verloren haben und inzwischen nur sehr schwer vermittelbar seien. "Wir arbeiten an dem Problem der Vergangenheit", so Kopf im Gespräch mit der APA. Er hofft hier auf die heute gestartete Aktion 20.000 der Bundesregierung, bei der ältere Langzeitarbeitslose gemeinnützige, staatlich geförderte Tätigkeiten erledigen.

Während die Zahl der arbeitslosen Ausländer rückläufig ist, ist im Zuge der Flüchtlingswelle der vergangenen drei Jahre die Zahl der Schulungen (insbesondere Deutschkurse) deutlich gestiegen: Während diese bei Inländern um 3 Prozent zurückgingen legten sie bei Ausländern um 22,6 Prozent zu.

Deutlich zugenommen haben im Jahresvergleich auch die Schulungen bei Akademikern. Insgesamt waren im Vormonat 23.315 Akademiker arbeitslos gemeldet, dazu kamen 5.151 in Schulung (plus 26,7 Prozent). Zum Vergleich: Bei Facharbeitern sank die Zahl der Schulungen um 1,3 Prozent. Dafür dürfen sich die Jugendlichen freuen: Die Zahl der offenen Lehrstellen erhöhte sich um 35,5 Prozent.

Im EU-Vergleich befindet sich Österreich mit einer saisonbereinigten Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent im besseren Drittel, der EU-Schnitt liegt bei 7,8 Prozent, die besten Werte weisen Tschechien mit 3,2 Prozent und Deutschland mit 3,9 Prozent auf. Am anderen Ende stehen die Griechen mit einer Quote von 22,5 Prozent.

Unterm Strich blickt Kopf sehr optimistisch in die nahe Zukunft - nicht zuletzt wegen des Anziehens des Arbeitsmarktes in den konjunktursensiblen Bereichen Bau und Industrie. Womit sich auch die Prognosen des AMS bestätigt hätten.

Und auch Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) blickt optimistisch in die Zukunft. "Wir schaffen mit der 'Aktion 20.000' zusätzliche Arbeitsplätze für die ältere Generation und geben tausenden Betroffenen eine neue Perspektive in ihrem Leben", so der Minister in Linz vor Journalisten angesichts des heutigen Starts der Aktion.

Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) sieht nach positiven Entwicklungen seit vergangenem Sommer nun endgültig eine "Trendwende am Arbeitsmarkt" gekommen. "Wir brauchen keine Euphorie zu haben, aber es sind viele positive Signale", sagte er in einer Pressekonferenz am Montag in Linz.

Stöger erwartet, dass sich die Situation noch weiter verbessern werde. Als Anzeichen dafür führt er an, dass die Arbeitslosigkeit in allen Bundesländern, sowohl bei Männern als auch bei Frauen und bei In- ebenso wie bei Ausländern zurückgegangen sei. Schwierigkeiten existieren noch bei der Generation 50-plus sowie bei Jungen ohne Ausbildung. Ersterem will er durch die "Aktion 20.000" begegnen, die am Freitag gestartet wurde, Zweiterem durch die Ausbildungspflicht, die mit Ende dieses Schuljahres schlagend wird.

Für Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, reicht das aber nicht. "Neben der Aktion 20.000 bedarf es weiterer, parallel laufender Stützungsmaßnahmen, mit dem Ziel, dass auch die Arbeitslosen der Generation 50+ die relativ gute Konjunkturlage endlich zu spüren bekommen", fordert Korosec.

AK Präsident Rudi Kaske lobte heute den Start der "Aktion 20.000" und forderte mehr Weiterbildungsangebote. "Wir müssen den Zugang zur Weiterbildung für jene öffnen, für die diese Tür bisher verschlossen war, insbesondere für ältere Beschäftigte und gering Qualifizierte", so Kaske.

Die Industriellenvereinigung (IV) nahm die Veröffentlichung der Arbeitslosenzahlen zum Anlass um noch einmal Kritik am Arbeitsmarktpaket der Sozialpartner von vergangener Woche zu üben. "Die nächste Bundesregierung ist daher gefordert, die Modernisierung der Arbeitszeit voranzutreiben und die 12 Stunden bei Gleitzeit rasch gesetzlich umzusetzen, wie diese schon seit 2013 im Regierungsprogramm steht", so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer.

Die Wirtschaftskammer hofft, dass aufgrund der steigenden Beschäftigtenzahlen das Bonus-Malus-System für die Beschäftigung älterer Mitarbeiter nicht kommt. Im Mai sei bereits die nötige Beschäftigungsquote erreicht worden, und im Juni werde dies wohl auch so sein, so WKÖ-Arbeitsmarktexperte Martin Gleitsmann.

Mit dem Bonus-Malus-System will die SPÖ dafür sorgen, dass Betriebe, die für ihre Branche überdurchschnittlich viele Ältere beschäftigen, einen Steuerbonus erhalten. Umgekehrt soll es für die, die unter Schnitt anstellen, einen Steuermalus geben. Innerhalb der Regierung hat man sich dann auf einen Stichtag mit Ende Juni geeinigt um zu sehen, ob ohnehin die Betriebe ohne Steuerzuckerl Ältere im ausreichenden Maß anstellen.

Die NEOS wiederum forderten heute zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit die Zusammenlegung von Notstandshilfe und Mindestsicherung.

(APA)

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